In knapp einer Woche ist schon wieder Ostern und viele Leute denken wohl als aller erstes an ihren Osterurlaub während die Kinder eher vom Schoko-Osterhasen und vielen bunten Eiern träumen. Nur wenigen ist bewusst, dass am Ostersonntag die Fastenzeit zu Ende geht und das Osterfest selber am kommenden Sonntag das größte kirchliche Fest, sozusagen den Höhepunkt des Kirchenjahres, darstellt. Das liegt sicher in erster Linie daran, dass Weihnachten, das Kommerzfest unserer Zeit, Ostern in seiner Bedeutung schon lange den Rang abgelaufen hat. Gilt es auch längst nicht mehr ausschließlich die Geburt von Gottes Sohn zu feiern sondern vor allem einmal den Kaufrausch zu fördern. Das Osterfest ließ sich bisher noch nicht in dieser Weise als Festival der Geschenke verkaufen und einen echten Osterstrauch kann man auch noch nicht vermarkten wie einen Christbaum, sprich eine original Nordmanntanne, aber ich bin davon überzeugt, auch das wird uns auf Dauer nicht erspart bleiben…
Wie es der Zufall so wollte, konnte ich dieser Tage zufällig im Vormittagsprogramm des ORF ein paar Blicke in einen uralten Hollywoodschinken über das Leben von Jesus Christus werfen. In seiner Machart war dieser Streifen, das sei nur am Rande bemerkt, völlig überholt. Dialoge bestanden häufig nur aus fast wortwörtlichen Bibelzitaten und die Auferstehung Christie war bombastisch von Händels Oratorium „Der Messias“ untermalt – fehlten für mich nur noch die Engel, die die Auferstehung lobpreisten. Eines fiel mir aber trotzdem sehr markant auf: Jesus muss vor über zweitausend Jahren in das beschauliche Leben der jüdischen Würdenträger und der römischen Besatzer wie eine Bombe eingeschlagen haben. Er hielt ihnen in ihrem ausgeprägten Pharisäertum einen Spiegel vor und eckte damit erwartungsgemäß an, wie es ein Mann mit unangenehmen Wahrheiten nur tun kann.
Der Fall Christus war ohne Zweifel auch ein Politikum, denn der Sohn einfacher Leute machte das Volk unruhig oder wiegelte es geradezu auf. Kein Zweifel, dass sowohl die Römer als auch die jüdischen Würdenträger großes Interesse daran hatten, diesen Jesus wieder zum Schweigen zu bringen – und bereit waren, dabei auch bis zum Äußersten zu gehen… Und heute? Auch heute würde ein Sohn Gottes auf dieser Welt in ein Wespennest stechen. Die katholische Kirche hat den Willen zur Erneuerung und den frischen Wind, mit dem Jesus zum Gründer der neuen Kirche avancierte, schnell wieder abgelegt. Sehr schnell sogar. Von der modernen, um nicht zu sagen revolutionären Bewegung, die vom Feuer der Begeisterung getragen wurde, ist nicht viel geblieben. Ganz im Gegenteil – die Katholische Kirche ist recht schnell in dieselben Fehler verfallen wie das Judentum zuvor, das Jesus wieder abschüttelte. Und man begann immer öfter nur mehr die eigene Politik zu verfolgen, und nicht die Gottes…
Natürlich kann man an dieser Stelle viele politische und philosophische Diskussionen lostreten und verfolgen. Und jede Menge Fragen tauchen auf: War Jesus überhaupt Gottes Sohn? War er nicht einfach nur ein charismatischer Hochstapler mit sensationellen hypnotischen Fähigkeiten, der die Massen bezaubern und Blinden die Sehkraft suggerieren konnte? Wir wissen es alle nicht mit Sicherheit, ich wage nur zu behaupten, dass dieser Mann sicher nicht dumm war und viel Gespür für die Bedürfnisse der kleinen Leute besaß. Und er war zweifellos ein großer Philosoph… Ich bin kein Mensch, der viel in der Bibel nachliest, aber so manche Aussage und so manche Tat des Nazareners beeindrucken mich heute doch. Schon in der Schulzeit wurde mir das bewusst – etwa sein Verhalten gegenüber dem viel geschmähten reichen Zöllner… Darin steckt neben einer gehörigen Provokation in Richtung Obrigkeit auch sehr viel Menschlichkeit und Menschenkenntnis – die Dinge sind oft nicht so wie sie scheinen!
Würde Christus heute auf Eden zu wirken beginnen und mit seiner Mission für Aufruhr unter den Menschen sorgen, würde ihn wohl ob kurz oder lang ein Geheimdienst verschwinden lassen, um das „Schlimmste“ zu verhindern – davon bin ich überzeugt und ich überlasse es dabei Ihrer Fantasie, liebe Leser, in wessen Auftrag der Geheimdienst wohl agieren würde. Unangenehme Wahrheiten sind heute jedenfalls nicht populärer als vor zweitausend Jahren und wenn jemand alte Ordnungen in Frage stellt, macht er sich keine Freunde unter denen, die von eben diesen alten Ordnungen profitieren. Die Menschen, wage ich ein Fazit, haben sich in diesen Belangen kaum geändert, sie unterscheiden sich in ihrem Denken und Handeln kaum von den Pharisäern und Römern zu Christie Zeiten. Deshalb versandete auch das revolutionäre, frühchristliche Gedankentum sehr schnell in einem starren Korsett… und die positive Wirkung verpuffte. Leider.
© Vivienne