Der Hund – ein Raubtier

Furchtbare Tragödien in der letzten Zeit haben uns wieder einmal auf erschreckende Weise daran erinnert, dass Hunde zwar die besten Freunde des Menschen sind, andererseits dennoch vom Wolf abstammen. Und wenn, wie in einem Fall, die kleine Tochter des Hundebesitzers, von einem bisher als zahm und liebenswürdig bekannten Tier so gut wie zerfleischt wurde, dann stellt sich mir, als erklärtem Katzenfan, nur eine Frage: kann man einen Hund wirklich kontrollieren? Kann man sagen, der wird nie etwas anstellen? Ich bin mir schon bewusst, Hundebesitzer werden aufheulen bei solchen provokant anmutenden Fragen, aber sie sind trotzdem berechtigt. Denn in ein Tier hineinsehen, das kann niemand. Und entsetzliche Vorfälle wie der erwähnte belegen für mich, dass man einen Hund nie in letzter Konsequenz beherrschen kann…

Wie kann es geschehen, dass ein Hund auf einmal zum wilden Monster mutiert? Eine frühere Kollegin wusste mir einmal eine grausige Geschichte von einer ihr bekannten Familie zu berichten. Der an sich lammfromme Hund, ein Rottweiler, hatte von einer Minute auf die andere begonnen, die Couch zu zerlegen, fast, als wäre er tollwütig. Man musste das Tier einschläfern lassen und konnte noch froh sein, dass nicht mehr passiert war. Eine mehr als schlimme Sache, denn man liebt ein Tier, und wenn es sich so verändert, fast, als hätte es auf einmal eine Geisteskrankheit, dann tut das in mehrfacher Hinsicht weh. Man verliert kein Haustier, man verliert einen guten Freund… Ich habe mir selber schon öfter Gedanken gemacht, wodurch diese oft rasanten Charakterveränderungen begründet sind.

Dass die Herrchen und Frauchen Schuld sind, durch falsche Haltung, dass mancher “Züchter“ schon im Vorfeld die Weichen stellt, um den Charakter des Welpen zu deformieren – das hört man immer wieder. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass das nicht der einzige Grund ist. Die Züchterei an sich – um Rassenreinheit zu erzielen wird die Hündin oft vom eigenen Vater oder vom Bruder gedeckt – hat für mich fragwürdige Methoden eingeschlagen. So wie die Habsburger, das alte Kaiserhaus, durch ihre konstante Inzucht degenerierten, kann sich ein Hund bei solchem Erbmaterial unmöglich normal entwickeln. Das liegt auf der Hand. Die Tiere tragen jede Menge Erbkrankheiten und erreichen kein hohes Alter. Meistens werden sie durch eine schwere Krebserkrankung dahingerafft.

Dazu darf man eines nicht vergessen: ein Hund ist und bleibt ein Raubtier, von seinen Genen, von seiner Entwicklung her. Auch meine Katze, liebe Leser, ist ein Raubtier, ich beobachte das, wenn sie im Sommer Maikäfer und Fliegen fängt und verspeist. Es entspricht ihrem natürlichen Trieb. Und wenn sie einmal ihre „narrischen 10 Minuten“ hat, wie ich es immer formuliere, kann ich das relativ gelassen sehen. Ihr Kiefer ist im Vergleich zu dem eines Rottweilers geradezu lachhaft klein und sie beruhigt sich meistens sehr schnell und kehrt zu weit liebenswürdigeren Eigenschaften zurück: Schnurren, Schmusen, Spielen…

Natürlich rede ich mir leicht, liebe Leser, ich bin ein deklarierter Katzenfan von Kindesbeinen an, habe quasi nie ohne Katzen gelebt. Ich kenne die Allüren dieses Haustieres von Grund auf und habe sie akzeptiert. Einen Hund werde ich mir ganz bestimmt nie halten, schon gar nicht im Zeichen von aktuellen Ereignissen und Katastrophen rund um „Übergriffe“ von Hunden. Hunden, die ja eh immer brav waren, und „man weiß nicht, wie das passieren konnte…“ Tragödien, tierischer und menschlicher Natur, und dem beizukommen wird nicht einfach sein. Gerade als Elternteil würde ich es mir hundertmal überlegen, ob ich die Verantwortung tragen kann und will, einen Hund in die Familie zu holen.

Hier zum Abschluss noch eine Geschichte, die sich vor vielen Jahren ereignet hat: meine Schwester Sabine wurde als Kind vom Nachbarshund gebissen, er war ihr nachgelaufen und erwischte sie an prekärer Stelle. Die Wunde wurde genäht, Sabine bekam eine Tetanusspritze und nach ein paar Tagen sorgten schon die nachlassenden Schmerzen dafür, dass der Vorfall wieder in Vergessenheit geriet. Der Hundehalter selber erkundigte sich nur kurz, entschuldigt hat er sich für den Vorfall nie. Ich weiß nicht, ob nicht heute eine Untersuchung eingeleitet werden würde, aber die Geschichte liegt an die 30 Jahre zurück und der Hund fiel meines Wissens danach nicht mehr durch ähnliche Vorfälle auf… Passieren hätte das Ganze trotzdem nie dürfen!

© Vivienne

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