Eine lange Nacht… – Gedankensplitter

Du läufst.
Durch die Nacht.
Es ist schon spät.
Du weißt es.
Aber …
Es zieht dich nicht heim.
Nein.
Kein bisschen.
Du seufzt.
Es ist noch warm.
Und als du.
An einem Lokal vorbeikommst.
Gehst du hinein.
Ein Bier.
Die Füße.
Sie tun dir weh.
Du läufst schon.
Den halben Abend.
Und du kommst nicht.
Zur Ruhe.
Auch nicht.
An dem Tisch.
An dem du sitzt.
Alleine.
Deine Gedanken.
Sie holen dich ein.
Immer wieder.
Die Stimmen rund um dich.
Du hörst sie.
Und doch nicht…

Dieses Bild.
Von heute Nachmittag.
Du kannst es nicht vergessen.
Als du aus der Garage kamst.
Mit deinem Wagen.
Rückwärtsgang.
Und den Sohn der Nachbarn…
Vier Jahre alt.
Du hast ihn nicht gesehen.
Du hast ihn überrollt.
Mit deinem Auto.
Und wie er so da lag.
Der Kleine.
Schwer verletzt…
Es riss ein Loch.
In dein Innerstes.
Du hast den Notarzt gerufen.
Die Rettung.
Der Polizei.
Hast du alles erzählt.
Immer wieder.
Deine Frau.
Sie weinte.
Und den Nachbarn.
Konntest du nicht ins Gesicht sehen.
Nein.
Du hättest es nicht ertragen…
Du bist im Garten gesessen.
Und hast gebetet.
Still…
Und irgendwann.
Da bist du fort…

Nein.
Du möchtest nicht heim.
Du würdest es nicht ertragen.
Wenn sie dir sagten…
Er hat es nicht geschafft…
Der Kleine.
Zu schwere Verletzungen…
Dein Handy.
Du hast es nicht mitgenommen.
Das Klingeln.
Es würde dich wahnsinnig machen.
Aber noch mehr.
Das Furchtbare.
Das Unabänderliche…
Dein Bier.
Halb leer.
Und geschmeckt.
Hat es dir auch nicht.
Es ist spät.
Aber noch nicht so spät.
Nein.
Du weißt.
Du musst heim.
Irgendwann.
Aber jetzt.
Ist es zu früh.
Du kannst nicht.
Du kannst einfach nicht.
Du hast Angst.
Große Angst.
Vor dem was ist.
Was sein könnte…

Vivienne/Gedankensplitter

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