Du siehst mich an.
Deine Augen sind traurig.
Ich wende mich ab.
Du weißt es!
Hämmert mein Kopf!
Du weißt es!
Und was kann ich tun?
Was soll ich sagen?
Frag nicht!
Frag besser nicht!
Wenn ich dir die Wahrheit sage.
Dann…
Dann tut es dir noch mehr weh.
Sinnlos weh.
Selbst wenn ich es beschönige…
Frag nicht!
Wo ich all die Abende war.
Die du allein verbracht hast.
Daheim.
Wenn ich dir erzählte.
Ich wäre unterwegs.
Mit meinen Freunden.
Wenn ich dir berichtete.
Vom Kegelspiel in der Nachbargemeinde.
Oder von der Geburtstagsfeier eines Kollegen…
Ich gebe zu.
Ich habe eine lebendige Fantasie.
Mir gefiel es.
Die Geschichten auszuschmücken.
Mit Details zu verbrämen…
Frag nicht.
Warum ich das machte.
Und frag nicht.
Wer sie ist.
Genaugenommen.
Hatte ich viele Freundinnen.
In all den Jahren.
Flüchtige Affären.
Gelegenheitsficks.
Frag nicht wieso.
Es ergab sich meistens.
Zwanglos.
Und selten mit wirklich Gefühl.
Ich kam auf den Geschmack.
Ganz ehrlich.
Und zu lügen.
Das lernte ich schnell.
Ich glaube.
Ich bin ein Naturtalent.
Geblieben ist mir keine.
Aber ich flüchtete immer wieder.
In neue Amouren.
Frag mich nicht warum…
Ich fühle mich schuldig.
Jetzt.
Wo du es weißt.
Und ich frage mich.
Ob es wohl die Lügen waren.
Die mir so glatt von den Lippen kamen.
Viel zu glatt.
Vermutlich.
Fiel es dir schließlich auf…
Ich hätte aufhören müssen.
Beizeiten.
Dann würdest du mich nicht anblicken.
Unter Tränen.
Du fragst nicht.
Du schreist nicht.
Du machst mir keine Szene.
Du siehst mich nur an.
Die ganze Zeit.
Gerne.
Würde ich dich in den Arm nehmen.
Einfach halten.
Und dich bitten.
Mir zu vergeben…
Aber würde ich aufhören?
Mit all den Affären?
Frage ich mich.
Und ich weiß es nicht…
Vivienne/Gedankensplitter