Mairegen – Gedankensplitter

Dicke graue Wolkenbanken am Himmel.
Der kühle Wind.
Er rüttelt die Bäume.
Und wirft dir die Tropfen ins Gesicht.
Dass du dich schüttelst.
Dann hastest du weiter.
Presst die Jacke an dich.
Fest.
Einmal.
Da blickst du kurz nach oben.
Die Wolkendecke reißt auf.
Ein Hauch von Blau.
Mitten im Grau.
Mitten im Regen.
Dann läufst du weiter…

Stunden später.
Du liegst im Bett.
Wach.
Drehst dich hin und her.
Wie fast jede Nacht.
Der Regen.
Er trommelt an die Scheibe.
Und du denkst an ihn.
Er.
Der dir die Ruhe raubt.
Und den Frieden.
Du hast ihn wieder gesehen.
Heute.
Nur flüchtig.
Aber sein Blick traf dich.
Wie ein wohliger Stich.
Und diesen Stich.
Du spürst ihn noch immer.
Er wärmt dich.
Zärtlich.
Du seufzt.
Und stellst dir vor.
Er würde vor dir stehen.
Hier.
Im Schlafzimmer…

Warm ist dir geworden.
Und du stehst auf.
Öffnest das Fenster.
Und blickst hinaus.
In die Nacht.
Sternenlos.
Und dich fröstelt sofort.
Aber du trotzt dem Regen.
Verschränkst die Arme.
Und träumst weiter.
Welch ein Mai!
Und es macht auch nichts.
Dass es kühl geworden ist.
Dass es regnet.
Schon den ganzen Tag.
Und wohl auch morgen noch.
Für dich.
Der schönste Mai deines Lebens…

Kann man noch einmal so fühlen?
In deinem Alter?
Du hast es nicht geglaubt.
Aber jedes Leben.
Es hat mehr als einen Mai.
Und manchmal.
Da kommt er auch im Sommer.
Der Mai.
Eigentlich schon Spätsommer…
Aber ist das nicht egal?
Du schließt das Fenster wieder.
Setzt dich auf das Bett.
Und wieder seufzt du.
Kein gewöhnliches Seufzen.
Dein ganzes Gefühl.
Es liegt darin.
Mehr.
Dein Innerstes.
Aufgeblättert.
Liebe.
Sie wärmt dein Leben.
Denn du fühlst dich wiedergeliebt.
Darum strahlt eine Sonne in dir.
Da kann der Mai regnen was er will…

Vivienne/Gedankensplitter

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