von Vivienne – Oktober 2004
Der feine Grat zwischen schöner Theorie und knallharter Realität
Unsere Welt erstickt in Abgasen. Der so genannte saure Regen, der schon vor über zwanzig Jahren angeprangert wurde und unsere Bäume schädigt sowie die Dächer und Fassaden denkmalwürdiger Gebäude und Statuen zerfrisst, gehört bereits zu unserem Leben. Diskussionen aller Art sind schon geführt worden, selbst die Regierungen der bedeutendsten Länder tagen immer wieder darüber, wie man Schadstoffemissionen verringern kann. Ohne zielführendes Ergebnis, denn die großen Industrieländer, allen voran die USA, husten uns eines (umgangssprachlich formuliert), wenn es darum geht, der eigenen Industrie Auflagen zu erteilen, die die Verpestung unserer Umwelt mindern würden.
Da hört sich nämlich das Umweltbewusstsein auf… Ein kleines Land wie Österreich hat ohnedies wenige Möglichkeiten, nachhaltig die Entscheidungen dieser Regierungen zu beeinflussen. Kurios ist trotzdem immer wieder, auf welche Art und Weise so mancher fortschrittlicher Grünpolitiker heranprescht und sich durch wirklich realitätsnahe Vorschläge in den Medien präsentiert. Sie haben Recht, liebe Leser, ich habe da jemanden bestimmten im Auge, nämlich Herrn Himmelbauer, seines Zeichens Stadtrat der Grünen in Linz. Erst kürzlich machte er durch einen unglaublich wichtigen Vorschlag Furore, als er nämlich allen Ernstes meinte, man müsse mit allen Verkehrszeichen jetzt Männer und Frauen gleichermaßen ansprechen.
Sie werden mir mit Sicherheit beistimmen, die diskriminierten Frauen dieser Welt und ganz speziell in Österreich haben keine anderen Sorgen als das. Und so bedauern wir, dass der Vorstoß Himmelbauers daran scheiterte, dass die Verkehrszeichen einfach zu schmal sind, als dass man etwas am Status Quo ändern könnte Worauf ich hinaus will? Diese Aktion zielt himmelweit (man verzeihe mir den Vergleich!) am realen Leben vorbei, wie mir überhaupt scheint, als wäre Himmelbauer nur an publicityträchtigen Gags interessiert und nicht an einer sinnvollen Verbesserung der Welt, der Natur oder am Leben der Menschen.
Warum ich mir da so sicher bin? Ich hatte das Vergnügen (So sagt man wohl?) Herrn Himmelbauer zu Beginn des letzten Jahres im Zuge eines Vorstellungsgespräches kennen zu lernen. Die Grünen in Linz inserierten auf der Suche nach einem neuen Pressesprecher im Februar 2003 in den Oberösterreichischen Nachrichten und das Inserat fand seinen Weg zu mir (Lesen Sie doch die ganze Geschichte in meinem heurigen Beitrag Ausschaltung unliebsamer Kandidaten nach!) Grundsätzlich räumte ich mir schon zu Beginn wenig Chancen auf den Posten ein, ich habe keine in dem Sinn grüne Vergangenheit, gehöre auch den Roten nicht an, obwohl ich bekannterweise mit ihnen sympathisiere und konnte auch nie auf eine Lobby verweisen, die für solche Karrieresprünge unumgänglich ist.
Überraschenderweise wurde ich trotzdem zu einem Gespräch eingeladen, musste aber gleich zu Beginn feststellen, dass das Treffen eine Farce war. Himmelbauer hatte anscheinend vor, alle ungewollten Bewerber daran festzunageln, dass sie mit dem Auto zu dem Termin gekommen waren und ihnen eine Predigt deswegen zu halten. Obwohl er mit dieser Tour eine junge Kandidatin vor mir so verärgerte, dass sie mit hochrotem Gesicht flüchtete, hatte er bei mir Pech. Ich kam frisch von der Arbeit, mit der Straßenbahn, und dass ich kein Auto besitze, dürfte auch in Bohnekreisen schon hinlänglich bekannt sein. Was mich mehr ärgerte, als dieser plumpe wie völlig sinnlose Versuch, mich herabzuwürdigen, war die Präpotenz des Herrn Himmelbauer. Zu Himmelbauer muss man sagen, dass er in Linz wohnt, Anfang Fünfzig ist und jeden Tag bequem mit der Tramway in die Arbeit fahren kann. Er besitzt keinen Führerschein, und ich kann mir gut vorstellen, dass er als Linzer auf diese Weise sehr gut lebt.
Aber einem Oberösterreicher im Speziellen den Besitz und die Benutzung eines Autos anzukreiden, weist entweder auf totalen Realitätsverlust hin oder er ist ein solcher Zyniker, dass er sich an besagtem Tag, als er mich und andere Bewerber vorführen ließ, einfach einen Spaß machen wollte, obwohl es einfacher gewesen wäre, den Leuten einfach im Vornherein abzusagen. Ich fürchte aber, Himmelbauer hat keinen blassen Schimmer, was es heißt im Mühlviertel oder sonst einem abgelegenen Fleck in unserm Bundesland zu leben, wo die Versorgung durch öffentliche Verkehrsmittel teilweise unter jeder Kritik abläuft und wer immer beruflich ein wenig weiterkommen möchte, kann nicht um Punkt 17:00 Uhr zum Chef sagen, dass er jetzt zum Schichtbus muss, weil er sonst nicht heimkommt.
Himmelbauer sollte vielmehr bemängeln, dass es nicht mehr Fahrgemeinschaften gibt, sondern in jedem Auto zu den Stoßzeiten meist nur eine einzige Person sitzt. Er darf sich auch gerne dafür einsetzen, dass Bahn- und Postbus in verschiedenen Winkeln unseres Landes öfter fahren und das zu akzeptablen Preisen wie Zeiten. Und er sollte sich auch stark machen dafür, dass vermehrt in Forschung für schadstoffarme oder überhaupt alternative Autos investiert wird. Und wenn er zudem noch Nichtraucher ist, gestehe ich ihm auch zu, dass er seine engeren Landsleute, die Linzer, auffordert, vermehrt auf Bus und Straßenbahn umzusteigen.
Es gibt einen schönen Spruch, der da lautet: Was weiß der Frosch im Brunnen schon vom großen, weiten Meer? Er scheint mir in diesem Fall auf Herrn Himmelbauer zugeschneidert zu sein. Von seiner Warte aus mag ein Leben ohne Auto erstrebenswert sein und ablaufen, ohne große Nachteile hinnehmen zu müssen. Aber was man sich in anderen Gegenden ohne Fahrzeug mitmachen müsste, davon versteht er absolut nichts. Sein Parteikollege Rudi Anschober liegt mir da weit mehr (auch mit seinen allgemeinen Ansichten und Äußerungen!), der gebürtige Paschinger besitzt natürlich ein eigenes Auto, mit dem er jeden Tag in die Arbeit fährt von Pasching aus wäre er, angewiesen auf den Busverkehr, auch nur vorübergehend, ziemlich bedient. Mich würde in dem Fall schon interessieren, ob das Auto öfter zwischen den beiden Parteigenossen Anschober und Himmelbauer zum Streitpunkt wird
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