Neue Bohnen Zeitung

 


Ohne dich…

Ich sperr auf.
In einer Hand den Karton.
Mit den Einkäufen fürs Wochenende.
In der anderen die Handtasche.
Und den Schlüssel.
Endlich dreht sich das Schloss.
Stoße mit dem Bein die Tür auf.
Dunkel ist es.
Und leer.
Ich taste nach dem Lichtschalter.
Es wird hell.
Die Helligkeit blendet.
Und ich schließe die Augen.
Dann fällt die Tür ins Schloss.
Ein paar Momente atme ich hastig.
Dann stürme ich in die Küche.
Wie gehetzt.
Räume die Sachen ein.
Brot, Butter, Aufschnitt,…
Ein bisschen was eben.
Was brauch ich schon…

Später sitz ich vor dem TV-Gerät.
Und zippe durch.
Bei einer Kochsendung bleibe ich hängen.
Kaue mechanisch ein Wurstbrot.
Trinke kalten Kaffee.
Süß und mit viel Milch.
Der Rücken schmerzt.
Vom Sitzen in der Arbeit.
Und von der alten Couch.
Einmal blicke ich neben mich.
So viel Platz neben mir.
Aber ich sitz da.
Ganz allein.
Und wo du bist.
Weiß ich nicht.
Ich weiß nur:
Wir werden uns nicht wieder sehen.
Hastig drehe ich mich zum Fernsehapparat.
Und stelle gleich darauf lauter.
Obwohl die Werbung läuft.
Denn meine Gedanken werden immer lauter.
Ich will sie nicht hören.
Ich will sie nicht denken.

Später wach ich auf.
Mit schmerzendem Nacken.
Und mit kalten Füßen.
Im Fernsehen läuft irgendein Film.
Ich friere.
Ich stehe auf.
Stelle das Gerät ab.
Und geh ins Schlafzimmer.
Als ich das Licht ausmache.
Spür ich die Dunkelheit fast körperlich.
Sie greift nach mir.
Und ich möchte schreien.
Weil ich keine Luft mehr bekomme.
Im Bett kann ich nicht schlafen.
Ich lieg auf meiner Hälfte.
So wie immer.
So als wärst du noch da.
Leise Musik läuft aus dem CD-Player.
Sphärische Klänge.
Die mich beruhigen sollen.
Die mich einlullen sollen.
Aber ich bin hellwach.
Die Einsamkeit hat mich ausgehöhlt.
Ich fühle mich so leer…

Als ich in der Früh wach werde.
Spür ich einen Sonnenstrahl.
Auf meiner Nase.
Es ist noch früh.
Der CD-Player läuft noch immer.
Mein Kreuz schmerzt.
Wie so oft in letzter Zeit.
Langsam zieh ich den Vorhang zur Seite.
Das Licht tut mir in den Augen weh.
Ein freundlicher Tag.
Ein sonniger Tag.
Aber ich spür nur den Schmerz.
In meinem Inneren.
Und die Gedanken werden wieder lauter.
Es tut mir so leid.
Ich wollte dir nicht wehtun.
Warum gibst du mir keine zweite Chance?
Vielleicht.
Weil ich einfach schon zu oft.
Eine zweite Chance hatte.
Vielleicht.
Aber du fehlst mir.
Ich weiß nicht.
Ob ich ohne dich leben kann.
Aber mit dir.
Kann ich es vermutlich auch nicht.
Kann ich es überhaupt.
Mit jemandem?

Gedankensplitter

 

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