Wie ist ein Mensch wirklich?

Enttäuschung.
Ich habe geliebt.
Aber er war es nicht Wert.
Er hat mich nicht geliebt.
Aber er hat mich benutzt.
Mich und meine Liebe.
Das ist schon öfter passiert.
In meinem Leben.
Die Liebe ist gewichen.
Geblieben ist nicht viel Gutes.
Enttäuschung.
Vor allem auch Verachtung.
Ablehnung.
Und ein wenig Bitterkeit…

Was hätte sein müssen?
Damit das nicht passiert?
Es lag nicht an der fehlenden Liebe.
Es schmerzt.
Wenn Gefühle nicht erwidert werden.
Ungleich schlimmer ist die Lüge.
Die Lüge des Schweigens.
Zu tun als ob.
Ein bisschen.
Und doch nicht wirklich.
Vor allem nicht ernsthaft.
Und schon gar nicht mit wahren Gefühlen.
Oder mit ehrlichen Motiven.
Die Wahrheit ausklammern.
Wo es nur geht.
Die Enttäuschung.
Sie wäre mir nicht erspart geblieben.
Mangels tiefer Gefühle.
Aber Verachtung und Ablehnung?
Für einen Menschen.
Den ich einmal gern gehabt habe?
Sehr gern sogar?
Und das aufrichtig?

Offenheit.
Wahrheit.
Der einzig gangbare Weg.
Aus Liebe wird Freundschaft.
Aus Enttäuschung formt sich Glück.
Ein anderes Glück zwar.
Aber ein genau so schönes.
Der Mann hatte es in der Hand.
Aber er schwieg.
Aus Feigheit.
Aus Angst.
Und aus anderen Motiven.
Wie empfindet er heute für mich?
Ob meiner Kälte?
Ob meiner abweisenden Art?
Ich weiß es nicht.
Ich denke, dass er wütend ist auf mich.
Weil ich mich ihm entzogen habe.
Weil sein Einfluss weg ist.
Auf den er gezählt hatte.
Vermeintlich.
Denn ich habe nie etwas für ihn gemacht.
Und nicht seinetwegen.
Und auch nicht weil ich meinte zu müssen.
Weil ich ihn geliebt hatte…

Was er verspielt hat, ist meine Freundschaft.
Und das endgültig.
Aber das ist ihm vermutlich egal.
Ich bin ihm nie am Herzen gelegen.
Es ging ihm nur um den Vorteil.
Ich habe mich selbst betrogen.
In gewisser Art und Weise.
Ich habe mich in meine Liebe verrannt.
Weil ich so allein war.
Er wusste das wohl.
Es hat ihn nicht gekümmert.
Was ich fühlte.
Was ich litt.
Was ich mir mitmachte…
Seinetwegen.
Er verdrängte das Unausweichliche.
In der Hoffnung, es würde nie passieren.
Und nun ist es doch wahr geworden.
Ich habe die Zusammenhänge durchschaut.
Seine schlimmsten Befürchtungen sind zwar nicht eingetroffen.
Nein.
Aber meine Kälte wird bleiben.
Wir werden uns nicht mehr sehen.
Weil ich nicht mehr will.
Und ich nicht wüsste warum.
Eine Farce aufrechterhalten?
Nein.
Das bin ich nicht.
Aber er wohl schon.
Er würde es sofort tun.
Vermutlich.
Obwohl ich nie in sein Leben gepasst habe.
Ich wusste nicht wie er ist.
Nicht wirklich.
Und er ahnte es nicht von mir.
Man sieht nicht hinein.
In einen Menschen…
Die Situation erst hat es hervorgebracht.
Die Situation, die sich zuspitzte…

Wir bleiben verbunden.
Und zeigen uns doch die kalte Schulter.
Wer hätte das gedacht.
Vor ein paar Jahren!
Wer!
Nichts Schönes ist geblieben.
Gar nichts…

© Vivienne

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