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19.09.2005, © Vivienne
Der fromme Wunsch der Arbeiterkammer Oberösterreich
Ein Freund machte mich heute auf einen kleinen Einspalter in einer Tageszeitung aufmerksam. Die Infos daraus schienen mir so interessant wie kurios, dass ich sie Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten möchte. Der Präsident der AK Oberösterreich forderte, wahrscheinlich zum Wohle der ihm anvertrauten Zwangsmitglieder, kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen. Und zwar um den privaten Konsum, wie er formulierte, anzukurbeln und so mittel- und längerfristig zu erreichen, dass dem Karren der Wirtschaft, der nicht so recht vom Fleck will, wieder auf die Füße oder besser gesagt, auf die Räder, geholfen werden kann. Der AK-Präsident ist nämlich der Ansicht, dass der Wohlstand in Österreich ungerecht verteilt wäre
Was letztere Aussage betrifft muss ich dem Mann Recht geben, das denke ich mir auch oft. Vor allem dann, wenn ich mal wieder in mein Geldbörsel schaue. Ich frage mich halt, woher es der AK-Präsident selber weiß, mit seinem Salär aus Zwangsbeiträgen dürfte er mein Dejà-vu jedenfalls noch nicht erlebt haben. Aber das nur am Rande, zurück zur eigentlichen Kernaussage, dass man die Österreicher besser bezahlen könnte. Selbstverständlich trifft diese Feststellung zu. Diese Tatsache ist so alt fast wie die Arbeiterkammer selbst, wenn nicht älter, und sie traf im Übrigen auch zu Zeiten zu, etwa in den 70er Jahren, als wir in unseren Landen beinahe Vollbeschäftigung für ewige Zeiten gepachtet zu haben schienen. Aber unsere Unternehmer werden sich hüten, dem frommen Wunsch des oberösterreichischen AK-Chefs nachzukommen.
Nicht nur weil hohe Lohnnebenkosten dies so gut wie unmöglich machen. Befragen Sie doch einen Firmenchef, oder besser gleich mehrere, dazu. Alle werden ausnahmslos zu jammern beginnen. Kaum oder weniger Gewinne, schlechter Umsatz, Konkurrenz durch Billiglohnländer, und, und, und Nicht alle Unternehmen nagen am Hungertuch, aber einschränken müssen sich viele. Warum läuft denn die Wirtschaft bei uns doch ziemlich schleppend (jetzt nicht im Vergleich zu Ländern wie Deutschland, wo wir im direkten Vergleich noch immer gut dastehen), sodass wir Rekordzahlen in den Arbeitslosenstatistiken aufzuweisen haben? Auch wenn es uns ganz gut geht und viele Gastarbeiter aus der grenznahen EU zu uns strömen: Luxusleben können wir dennoch keinem garantieren, der hierzulande Arbeit sucht.
Ich versteh so manchen Unternehmer, der sich, so wie neulich jemand im Gespräch mir gegenüber, darüber ärgert, dass die AK praktisch sogar als Jobkiller in Aktion tritt. Aufgrund von Auflagen nämlich in staatsnahen Betrieben, die Kündigungen schwierig und flexibles Arbeiten um konkurrenzfähig zu bleiben fast unmöglich machen. Gut gemeint sind diese Maßnahmen ganz sicher, eingehalten werden sie selten und wirklich Geltung verschafft wird ihnen nur dort, wo sich Firmenleitung und Betriebsrat mit der Hand grüßen können. Ich möchte hier jetzt nicht wieder die Frage aufwerfen, welchen Sinn die AK allgemein hat, wenn sie nur einer Minderheit zu mehr Rechten verhilft. Aber ein Gedanke von mir lässt sich nicht verdrängen: warum stellt der oberösterreichische AK-Präsident überhaupt so eine unrealistische Forderung in den Raum? Will er etwa den Eindruck vermitteln, er sei so sehr um seine Schäfchen bemüht (was ihm sicher nicht gelingt!)?
Oder möchte er, was mir realistischer scheint, nur in die Schlagzeilen? Letzteres ist ihm sicher gelungen, in manchen Medien mehr, in anderen weniger. Je nach politischer Gesinnung. Aber de facto erreichen wird er mit Sicherheit nichts damit. Außer dem vorprogrammierten Medienecho eben. Und das war dem Mann auch völlig bewusst. Wenig Lärm um nichts! müsste man frei nach Shakespeare an dieser Stelle anmerken. Die Firmenchefs werden die Artikel dazu vielleicht heute Morgen beim Frühstück gelesen haben, wahrscheinlich grinsend, und sich dann interessanteren Beiträgen gewidmet haben. Vielleicht habe ich ja einfach die falsche Sichtweise, liebe Leser, vielleicht habe ich nicht erkannt, dass ich mich zu solchen Dingen nicht äußern darf, weil es ja um höhere Interessen geht. Interessen, die ich einfach nicht einsehen kann
Verzeihen Sie meinen Zynismus, liebe Leser, aber ich konnte ihn einfach nicht unterdrücken. Und ich finde Äußerungen dieser Art wie vom AK-Chef in Oberösterreich trotzdem durchaus verzichtbar, ob sie nun von der Arbeiterkammer oder von Gewerkschaftsseite kommen. Sie helfen keinem, der arbeiten geht und kaum weiß, wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten soll. Sie helfen auch denen nicht, die vielleicht schon länger auf der Suche nach einer adäquaten Anstellung sind. Im Grunde sind sie nur reine Augenauswischerei und verärgern die, die sie durchschauen. Und das sind nicht wenige!
Vivienne
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