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21.05.2005, © Vivienne

Songcontest 2005 –
Der lachende Sieger

Es ist wieder so weit – eingefleischte Fans wissen, wovon ich rede. Samstagabend steigt wieder der Songcontest. Mittlerweile Kult und noch immer ein Medienspektakel, das ich mir auch heuer sicher wieder zu Gemüte führen werde, zumindest teilweise. Von der österreichischen Vorausscheidung (Lesen Sie dazu meinen Beitrag „Songcontestausscheidung“) habe ich heuer schon berichtet und so mancher Leser wird sich noch an meinen Unmut in Bezug auf den Ausscheidungsmodus erinnern. Alf Poier, vor zwei Jahren sehr erfolgreich mit seinem 6. Platz, konnte zwar den Großteil der Stimmen auf sich verbuchen, wurde aber trotzdem, „dank“ eines fragwürdigen Abstimmungsmodus nur zweiter.

Profitiert haben davon die Global Kryners, die mich mit ihrem merkwürdigen Mischsound nicht überzeugt haben. Die akkordeonlastige Musik der Oberkrainer mit Latino- und Pop-Rhytmen zu würzen ergab für mich keinen Ohrenschmaus, auch wenn ich der musikalischen Virtuosität der Burschen Tribut zollte. Klassiker wie „Lady Marmelade“ oder „Something Stupid“ im Sound der Oberkrainer zu hören tat ehrlich gesagt meiner Musik liebenden Seele weh. Nun mehr durfte man Donnerstagabend dem Songcontest-Viertelfinale entgegenfiebern, der ersten Bewährungsprobe der Global Kryners, die seit der Vorausscheidung einige medienträchtige Auftritte wie etwa im Musikantenstadl absolvieren konnten.

Wenige Tage davor konnte ich einem Interview mit einem der Musiker der Truppe entnehmen, dass schon im letzten Sommer der ORF auf die Burschen von sich aus zugegangen war und sie eingeladen hatte, einen Songcontestbeitrag abzuliefern und sich der Vorausscheidung zu stellen. In dem Zusammenhang erschien mir der Abstimmungsmodus noch viel fragwürdiger, weil er mir auf  die künstlich geschaffene Gruppe – Sängerin Sabine stieß erst recht spät zu diesem Konglumerat – fast zugeschnitten scheint. Dass ich dem ORF bzw. den Verantwortlichen nichts unterstellen möchte, allein schon weil mir jegliche Hinweise fehlen, sei aber an dieser Stelle klar unterstrichen.

Trotzdem beginnt man sich nach dem Ergebnis des Viertelfinales zu fragen, ob die Teilnahme der Global Kryners gerechtfertigt war. Und solche Überlegungen müssen sie sich auch gefallen lassen, denn das erklärte Ziel, unter die besten zehn zu kommen und damit zum Hauptbewerb zu stoßen, wurde trotz großen Optimismus verfehlt. Wie klar, wird man wohl nie erfahren, da das genaue Ergebnis geheim gehalten wird, um eine Beeinflussung der kommenden Entscheidung zu vermeiden. Einer wird jedenfalls ganz sicher das vergangene Voting mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen haben. Alf Poier, der Mann mit dem Al-Gore-Schicksal. Natürlich kann man nicht ausschließen, ob er selber nicht doch auch im Viertelfinale gescheitert wäre – solche Ausscheidungen sind nun mal unberechenbar.

Aber Poier verzeichnet nicht nur den 6. Platz vor zwei Jahren auf der Habenseite sondern auch den Nymbus als wahrer Sieger einer Ausscheidung, die er als Stimmenstärkster mit Platz zwei verlassen musste. Wohl Wasser auf den Mühlen des bekannten Kabarettisten, obwohl er sich über diese Niederlage sicher längst hinweggetröstet hat. Bleibt für mich die Frage, was wohl dazu geführt hat, dass die Global Kryners den Hauptbewerb des Songcontests verfehlten. Das Styling der Truppe allein kann es wohl nicht ausgemacht haben, da Dirndl und Co sicher keinen unorigineller Blickfang darstellten. Am meisten, so vermute ich einmal mehr, war wohl trotzdem der merkwürdige Sound der Gruppe dafür verantwortlich.

Zu wenig Pop, um beim Songcontest einzuschlagen, zu wenig Volkstümliche Musik, um sich bei einem möglichen weiteren Anlauf beim Grand Prix der Volksmusik ein Leiberl zu verdienen. Oder anders formuliert: Würstel mit Senf sollte man wohl auch nicht unbedingt mit Wiener Streuzucker verfeinern. Das Ergebnis mundet bestenfalls einer Schwangeren, aber nicht unbedingt einem Hungrigen, dessen Hormonhaushalt in Ordnung ist. Ich rate den Global Kryners – sofern man bei der Gruppe überhaupt darauf Wert legt – schon bald eine eindeutige Entscheidung zu treffen, was die weitere musikalische Marschroute betrifft: entweder Volksmusik oder Pop/Rock oder Latino. Ich verwehre mich sonst selbst vehement gegen eine Verschubladisierung der Unterhaltungsmusik, aber klare Grenzen sind trotzdem immer wieder in vielen Bereichen sehr hilfreich. Nicht nur was die musikalische Blickrichtung betrifft…

PS: Mittlerweile zeigt sich der ORF seinerseits als schlechter Verlierer und vermutet selber Manipulationen oder zumindest undurchsichtiges Gebaren in Bezug auf das Ergebnis des Viertelfinales. Wer im Glashaus sitzt…! ist man versucht zu rufen. Trotz allem: der Hauptgrund für das Scheitern der Gloabal Kryners findet sich viel wahrscheinlicher im Song „Y Asi“ selber, der in seiner Konzeption wohl niemandes Nerv so richtig getroffen hat.

Vivienne  

 

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