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25.05.2005, © Vivienne
Es lebe das Denunziantentum!
Albert Fortell und Barbara Wussow stehen einmal mehr im Kreuzfeuer der Schlagzeilen und der Kritik: Konkret wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor, neben Notstandshilfe auch Einnahmen aus ihrem Beruf bezogen zu haben, ein Streitwert von 20.000 Euro wird offiziell kolportiert. Nun soll das prominente Schauspielerehepaar vor Gericht, Wussow erwartet ja ihr zweites Kind was sicher den negativen Stress durch die aktuelle Causa nicht mindert. Neben der Frage, ob die beiden nun Sozialschmarotzer sind, wie man im Fachjargon bei normal Sterblichen in solcher Angelegenheit formuliert, wird hinter vorgehaltener Hand gerätselt, wer das Paar angezeigt hat. Ein so genannter Freund oder ein Intimfeind? Diese Frage scheint die Kiebitze mehr zu beschäftigen, als der eigentliche Fall.
Ich liebe den Verrat, doch hass ich den Verräter! stellte schon Napoleon Bonaparte fest. Leute, die gegen gutes Geld Geheimnisse und wichtige Informationen ausspionierten bzw. unliebige Personen denunzierten, waren über alle Jahrhunderte einerseits begehrt, weil man nicht auf sie verzichten konnte, andererseits waren sie aber auch nie besonders angesehen, man verachtete sie und dennoch verstanden sie es sich vielerorts unentbehrlich zu machen. Dieses Faktum drückt das Bonmot des französischen Kaisers, der selber wenig Skrupel hatte, sich solcher Dienste zu bedienen, sehr gut aus. Und selbst in heutigen Tagen erfährt die Justiz ständig Belebung durch sie, ja manches geschickt getarnte Verbrechen fliegt bisweilen deshalb auf, weil ein Neider oder ein verschmähter Liebhaber auspackt.
Diese Leute genießen in gewisser Weise Narrenfreiheit, weil auch wenn eine Anschuldigung nicht bewiesen werden kann, hat das sehr oft keinerlei Konsequenzen für den vermeintlichen Aufdecker. So beobachtet bei einem Gewaltverbrecher, der seine Mutter nicht nur krankenhausreif sondern bis zur bleibenden Behinderung verprügelte. Auch für das spurlose Verschwinden seines Stiefvaters könnte er verantwortlich sein. Aus Rache für seine Verurteilung für die Gewalttat an der Mutter machte er seinen Schwestern und der Tante Schwierigkeiten. Er behauptet steif und fest sie alle wären mangels Sehfähigkeit nicht mehr fahrtüchtig. Die zuständige Behörde ließ die Frauen gleich eilfertig von daheim zu einem Zwangstest abholen, der allerdings in jedem Fall negativ verlief.
Ein klarer Fall von Racheakt, aber die Justiz sieht keinen Handlungsbedarf. Wohl weil die böse Absicht nicht nachweisbar ist, auch wenn sie in diesem Fall unübersehbar scheint. So einfach ist das des Öfteren im Rechtsstaat Österreich: man setze (wenn geht anonym) ein paar deftige Unwahrheiten gegen missliebigen Personen in Umlauf und sorgt damit dafür, dass sie jede Menge Schwierigkeiten bekommen. Und darf sich im Hintergrund die Hände reiben. So oder so, die böse Absicht muss erst nachgewiesen werden, sehr einfach kann und darf man sich auf einen berechtigten Verdacht ausreden. Und die Behörden stehen stramm und gehen jeder Verleumdung nach von Steuerschuld bis Drogenmissbrauch. Es muss viel passieren in unserem Land, dass man einen Verleumder an die Kandare nehmen kann.
Im Zweifelsfall für den Angeklagten, es sei denn im Denunzierungsfall selber. Ich bin gespannt, wie der Fall Fortell/Wussow ausgehen wird. Und ob man jemals erfahren wird, wer da im Hintergrund die Fäden gezogen hat, sodass die bekannten Schauspieler nun auf die Anklagebank müssen. Ob sie schuldig sind, vermag ich nicht zu beurteilen, aber das wird den geheimen Informanten der Behörden wenig kümmern. Hauptsache der Fall ist breit durch die Medien gegangen. A bissl was bleibt immer hängen! Das Denunziantentum blüht in Österreich, es hat dort seine Tradition, die im unseligen dritten Reich einen traurigen Höhepunkt erreichte. Es genügte damals schon jemanden nicht zu Gesicht zu stehen, um in der Folge wegen einer Lüge von der SS abgeholt zu werden.
Und auch heutzutage sollte man als gelernter Österreicher Sorge tragen, wessen Unmut man sich zuzieht. Schneller als man glaubt kann man ein Hackl im Kreuz sitzen haben oder zwei und völlig unschuldig zum Handkuss kommen.
Vivienne
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