Home Lyrik und Poesie Gedankensplitter
26.11.2005, © Vivienne
Du hörst noch von mir!
Wie spät ist es?
Erst elf Uhr.
Im Radio singt Falco von seiner Jeanny.
Ich halte die Zeitung in den Händen.
Versuche mich zu konzentrieren.
Beim Lesen.
Blättere um.
Eine Seite nach der anderen.
Und starre doch immer wieder auf das Telefon.
Es steht da.
Ganz unschuldig.
Und sollte doch läuten.
Nicht zu überhören.
Und du.
Du!
Solltest dich melden.
Wenn ich abhebe.
Ich seufze.
Das Telefon schweigt.
Das Schweigen tut mir weh.
Vielleicht sollte ich einen Kaffee trinken
In der Zwischenzeit.
Ich hantiere an der Kaffeemaschine.
Fülle Wasser und Kaffee ein.
Und beschäftige mich in Gedanken mit der letzten Nacht.
Wir haben sie miteinander verbracht.
Wir zwei.
Zum ersten Mal.
Wir kennen uns noch nicht lange.
Erst seit letzter Woche.
Eine Freundin hat uns vorgestellt.
Und wir haben uns getroffen.
Ein paar Mal.
Bis ich vorige Nacht bei dir blieb.
Ich war mir nicht sicher.
Ob ich sollte.
Ich war mir nicht sicher.
Ob ich dich will.
Ich meine:
Du warst mir sympathisch.
Aber
Liebe?
Trotzdem schlief ich mit dir.
Aus Angst.
Du könntest dich von mir abwenden.
Du hast nichts davon gesagt.
Aber trotzdem.
Heute Morgen haben wir noch gefrühstückt.
Dann hast du mich heimgebracht.
Mich geküsst.
Du hörst noch von mir!
Bis dann
Seither sind zwei Stunden vergangen.
Zwei Stunden.
Und ich warte.
Dass du anrufst.
Mir sagst.
Ich möchte dich wieder sehen.
Heute Abend
Ich trinke aus meiner Kaffeetasse.
Will ich das überhaupt?
Dich wieder sehen?
Unsere Nacht war nicht sehr aufregend.
Ich habe nichts gespürt.
Ich habe trotzdem gestöhnt.
Und du hast nichts gesagt.
Ob es schön für dich war.
Verdammt.
Warum tu ich mir das an?
Meinen Selbstwert über einen Freund zu definieren?
Ich brauche dich nicht.
Ich weiß nicht einmal.
Ob ich mit dir leben will.
Ich weiß nur.
Du bist nett.
Aber ich wollte nicht mit dir schlafen.
Noch nicht.
Es spielt keine Rolle.
Ob du enttäuscht warst.
Es war keine gute Idee.
Diese Nacht bei dir zu bleiben.
Diese Nacht.
Die an mir klebt.
Richtig ekelhaft.
Ich wünschte.
Ich könnte sie rückgängig machen.
Das hatte ich nicht Not.
Mich anzubiedern.
Weil du mich vielleicht verlassen hättest.
Vielleicht!
Was heißt überhaupt verlassen?
Wir waren doch gar nicht beisammen!
Oder?
Ich wollte eine feste Bindung mit dir herbeiführen.
Indem ich mit dir schlief.
Verrückte Idee!
Aber typisch Frau.
Ich verschränke die Arme abwehrend.
Die Lippen aufeinander gepresst.
In innerem Trotz.
Und kann trotzdem nicht die Augen vom Telefon wenden
Vivienne/Gedankensplitter
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