Er liegt in der Luft
Ein Hauch von Frühling.
Ein unverwechselbarer Duft.
Die Sonne scheint.
Sie scheint endlich wieder.
Nach einem nebligen November.
Und einem Winter.
Der uns in Schnee versenkte.
Ewige Eiszeit…?
Dafür zwitschern nun die Vögel.
Fröhliches Tschilpen erfüllt die Luft.
Die Amsel ist wieder da!
Sie sitzt auf dem Dach.
Und singt.
Ein Liebeslied nach dem anderen.
Blumen schieben ihren Blüten durch den Schnee.
Sanft und kraftvoll.
Selbst die Baumgerippe kommen wieder in Saft.
Der Frühling kommt.
Endlich!
Frühling!
Das Lächeln wird mir aus dem Gesicht gewischt.
Frühling.
Aber ich friere trotzdem.
Noch immer.
Vielleicht spüre ich es sogar mehr.
Mehr denn je.
Ich friere.
Denn ich bin allein.
Was nutzt mir der Frühling?
Wenn ich ihn allein spüre?
Was nutzt mir der Frühling?
Wenn die kalte Hand der Einsamkeit auf meinem Herzen liegt?
Hulflattich blüht.
Kleine gelbe Köpfe.
Ich finde ihn überall.
An der Donau.
Ein Symbol des Frühlings.
Die Kraft der Sonne.
Sie hat ihn aus den schmalen Ritzen gelockt.
Ich stehe am Ufer.
Lasse mich vom leisen Wind streicheln.
Ganz zärtlich.
Und nehme den Frühling auf in mich.
So intensiv.
Als wäre er ein Liebhaber.
Einen Moment glaube ich es sogar…
Ich mache mich auf den Heimweg.
Fast euphorisch.
Aber dann fällt ein Schatten auf mich.
Und ich friere wieder.
Mir ist so kalt!
Daheim verkrieche ich mich gleich.
Decke mich zu.
Bis zum Hals.
Wirre Gedanken.
Ich schlafe ein.
Jemand lacht mich an.
Ein nettes Gesicht.
Ein charmantes Lächeln.
Aber wer ist das?
Da verschwimmen die Konturen.
Nur mehr Schemen.
Schließlich werde ich wieder wach.
Ich habe vergessen.
Wie das Gesicht aussah.
Egal.
Es war ja nur ein Traum…
Ich stehe wieder auf.
Und sehe aus dem Fenster.
Beobachte die Amsel.
Diese unermüdliche Sängerin.
Und horche hinaus in die Landschaft.
Es wird schön werden.
Ein herrlicher Frühling steht vor uns.
Aber werde ich wieder lachen?
Lachen mit jemand anderem?
Wird mir je wieder warm werden?
Vivienne/Gedankensplitter