Du siehst gehetzt aus.
Sehr unruhig.
Fast schmal bist du geworden.
Und wirkst du nicht gestresst?
Und übermüdet?
Der Eindruck trügt nicht.
Du hast schon bessere Zeiten gesehen.
Obwohl du jetzt mit ihr lebst.
Obwohl sie jung und schön ist.
Und begehrenswert.
Und du so glücklich warst.
Dass du sie endlich besitzt…
Es stimmt.
Du hast mich abserviert.
Weil sie so viel attraktiver ist als ich.
Und weil du dich gerne umgibst.
Mit Statussymbolen.
Dein Mercedes.
Dein Luxus-Penthouse.
Und vieles mehr…
Du hast mich zerstört.
Als du zu ihr gingst.
Degradiert.
Erniedrigt.
Es hat dir nichts ausgemacht.
Dass ich krank wurde.
Dass ich damit nicht klar kam.
Dass eine andere meinen Platz einnahm.
Dass ich daran zugrunde ging…
Heute sieht alles anders aus.
Heute schläfst du schlecht.
Ich habe Macht über dich.
In deinen Träumen.
Und du erschrickst bei jedem Geräusch.
Ich jage dich.
Immer.
Wenn du Ruhe suchst.
Wenn du erschöpft bist.
Wenn du keine Kraft mehr hast.
Und dir die Augen zufallen.
Dann bin ich da.
Sofort.
Und dein Traum wird zum Albtraum.
Wenn ich lache.
Grell und laut.
Wenn ich dich vom Berg stoße.
Oder im Wasser ertrinken lasse.
Oder dich durch Dickicht und Gestrüpp verfolge.
Vermeintlich.
Ich bin immer da.
Allgegenwärtig.
Und du wirst mich nicht mehr los…
Du kannst es nicht verstehen.
Ich weiß.
Sie haben mich in die Psychiatrie gebracht.
Dam als.
Nach dem Selbstmordversuch.
Wahnvorstellungen.
Verrückt.
Unheilbar.
Eine Bedrohung für sich selbst.
So hieß es.
Du hast dir nichts daraus gemacht.
Obwohl du Schuld daran warst.
Dass ich mich verlor…
Du ahntest nicht.
Dass ich aus diesem Gefängnis entkommen würde.
Jede Nacht wieder.
Ich lebe in dir.
Wie deine Seele.
Und ich lasse dich leiden.
So wie du mich.
Nichts kann dich heilen.
Und niemand dir helfen.
Ich werde bei dir sein.
Bis du erlischst…
Vivienne/Gedankensplitter