von Vivienne – Oktober 2004
Per Federstrich
Schlagzeilen.
- Ein Werk schließt.
- Ein großer Konzern baut Arbeitsplätze ab.
- Eine Abteilung wird wegrationalisiert.
- Eine Firma verlagert die Produktion in ein Billiglohnland.
Auf einen Schlag werden viele Menschen arbeitslos.
Quasi per Beschluss.
Manchmal gibt es dank Betriebsrat eine Auslese.
- Familienväter werden geschützt.
- Alleinerzieherinnen.
- Leute in einem gewissen Alter.
Die in der Arbeitswelt keine Chance mehr hätten.
Aber nicht immer.
Wo ein Werk ganz die Produktion einstellt, gibt es auch keine solche Chance mehr.
- Arbeitslosigkeit.
- Demütigung.
- Und schlechte Karten für einen neuen Job.
Ein Arbeitsamt, das die Menschen nummeriert.
Du bist zu viel auf der Liste derer, die keinen Job finden
und du, und du.
Der Mensch zählt nichts mehr in der Arbeitswelt.
Wo er hingeschickt wird zum Vorstellen, ist er eine Nummer.
Wo man ihn rausgeworfen hat, weil nur der Profit zählt, ist er nur eine Nummer.
Menschenverachtung.
Warum auch hinterfragen, wie der Mensch hinter der Fassade aussieht.
- Ob er leidet an der Demütigung der Kündigung.
- Seine Familie nicht mehr ernähren zu können.
- Von der Gesellschaft geächtet zu sein.
Wer einen Job will, findet immer einen.
Dummheit regiert die Welt.
Dummheit und Ahnungslosigkeit.
Es gibt keine Patentlösungen.
Und es gibt ihn nicht, den uniformen Menschen.
Der sich beliebig in irgendeinen Job pressen lässt.
Wenn er nur will.
Willig ist
Den Menschen in der Chefetage ist das egal.
Ihre Zukunft ist gesichert.
Und ihr fettes Einkommen.
Sie sind die Könige und Damen auf dem Schachbrett.
Ihre Bauern opfern sie beliebig.
Wann immer es nötig ist.
Um den eigenen Kopf zu schützen.
Besser jemand anderer geht als sie.
Und schließlich: man kann sich nicht den Kopf über alle zerbrechen.
Hinter jedem steht eine Geschichte.
Die ihn besonders und individuell erscheinen lässt.
Manche sind gleicher als andere.
Jene zieht auch niemand zur Verantwortung.
Oder höchst selten.
Sie sind unantastbar.
Wer ist gerne arbeitslos?
Niemand im Grunde.
Ein paar haben vielleicht wenig Zug sich einzufügen.
Aber sie sind in der Minderheit.
Verschwindend gering.
Die meisten brauchen den Job schon für ihr Selbstwertgefühl.
Lieber in einem schlechten Job als in gar keinem!
Lieber gedemütigt und gemobbt als arbeitslos!
Die Menschen ärgern sich oft krank und traurig in einem Job.
Und würden trotzdem nie auf ihn verzichten.
Oder nur ungern.
Wenn es nicht anders geht.
Wenn man sie kündigt, so per Unterschrift.
In Hunderten oder Tausenden.
Je nach dem.
Massenware Mensch.
Nimmt man ihnen jede Würde.
Und das Gefühl, geachtet zu sein.
Der Mensch ist seltsam.
Die Profitgier tötet jede Menschlichkeit.
Es lebe der Kapitalismus!
Die Renditen der Aktionäre sind wichtiger als die Zukunft der eigenen Leute.
Irgendwann werdet auch ihr merken
..dass man Geld nicht essen kann.
Und das Geld nicht glücklich macht.
Sondern oft auch nur kalt und leer.
Wie lächerlich der Gedanke, einige hundert Leute in einem Zweigbetrieb vor der Kündigung zu retten!
Wie unmenschlich die Realität, ohne zu zögern eben diese Leute zu opfern.
Unbarmherzig.
Dem Gewinn und der eigenen Zukunft.
Per Federstreich
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