Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Mai 2004



Einsamkeit…

Irgendwie ist sie immer da.
Entweder sitzt sie in meinem Nacken.
Und lässt mein Mundwinkel hängen.
Ein anderes Mal bin ich in ihr gefangen.
Wie in einem Netz über mir.
Ich versuche mich herauszukämpfen.
Aber es gelingt nicht.
Gelingt nicht immer.
Es ist ganz egal.
Wo ich gerade bin.
Im Grunde ist sie immer da.
Ob ich allein vor dem Schreibtisch sitze.
Ob ich in der Arbeit mit meinen Aufgaben beschäftigt bin.
Oder ob ich mitten unter Leuten sitze.
Sie tropft auf mich ein.
Als säße ich unter einem Topf.
Mit einem einzigen Loch.
Im Topf ist Wasser.
Das langsam aber stetig tropft.
Die Nässe breitet sich aus.
Rinnt über meinen Kopf.
Über mein Gesicht.
Wie Tränen.
Aber ich kann nicht weinen.
Längst nicht mehr.

Wie ein Geschwür hat sich das Alleinsein in mich gefressen.
Wie ein böses Geschwür.
Höhlt mich aus.
Eigentlich bin ich nur mehr eine äußere Hülle.
Alles andere in mir ist leer.
Wie ein leeres Haus.
In dem keine Möbel stehen.
Kein Sessel.
Kein Tisch.
Die Fenster sind verhangen.
Es ist ganz dunkel.
Ich kann gar nicht mehr in mir wohnen.
Ich kann mich nur auf den Boden legen.
Fürchte mich, dass die Dunkelheit mich erdrückt.
Das Echo meiner Stimme klingt schaurig.
Also schweige ich.
Und schließe die Augen.
Damit ich nicht fühle.
Wie dunkel es ist…

In mir ist immer Nacht.
Aber keine helle, sternenklare Nacht.
In der sich mehr Leben findet.
Als in einem verregneten Tag.
Meine Nacht ist ohne Licht.
Wie ein schwarzer Mantel liegt sie über meiner Seele.
Jeder Meter vor mir.
Oder hinter mir.
Oder neben mir sieht genau gleich aus.
Also stehe ich und warte.
Dass der Morgen dämmert.
Obwohl ich genau weiß.
Dass der Morgen nicht kommt.

Resignation.
Ich versinke im Sumpf.
Im Sumpf der Eintönigkeit.
Kein Lachen in mir.
Ich verziehe nur den Mund.
Fassade.
Meine Träume sind zerbrochen.
Wie ein Spiegel.
Mit einem Spiegelbild von mir.
Aus anderen Tagen.
Die Liebe lebt?
Nicht für mich.
Sie hat mich nie verwöhnt.
War nur sporadisch da.
Jetzt ist sie irgendwo.
Weit weg.
Dort wo die Sonne scheint.
Doch in mir ist es dunkel.
Schwärzeste Nacht.
Am Boden liegend.
Starre ich in die Luft.
Einfach einschlafen.
Nie mehr aufwachen…

Vivienne

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