Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Juli 2004



Vergebung
Teil 3

Wer fühlt sich nicht mal.
Ungerecht behandelt!
Überfahren.
Hart angepackt.

Man könnte die Liste endlos weiterführen.
Keines Menschen Leben verläuft ohne Wellentäler.
Und ohne Leid, das von außen kommt.
Absichtlich.
Unabsichtlich.
Auf jeden Fall bleibt eine Schramme.
Manchmal auch eine größere Narbe.
Es liegt an uns.
Sich sorgfältig um diese Blessuren zu kümmern.
Nicht Salz in die Wunde zu streuen.
Sondern sachte und sanft damit umzugehen.

Vergebung ist oft nicht leicht.
Ich könnte ein Lied davon singen.
Eine zu hohe Schmerzgrenze.
Und irgendwann platzt mir der Kragen.
Wenn es mir zu viel wird.
Dem kann man entgegensteuern.
Eine gewisse Distanz halten.
Und sich zurückziehen, wenn nötig.
In den eigenen Rosengarten.
Das Innerste.
Zu dem kaum jemand Zutritt hat.
Und auch kaum jemand haben sollte.
Wer sich nicht selbst schützt.
Dem wird der Garten verwüstet.
Jeder tut was er will.
Verwüstet die Idylle.
Fügt schmerzhafte Wunden zu.
Das Chaos tut dann bitter weh.

Offenheit gegenüber anderen ist gesund.
Sie sollte trotzdem überlegt sein.
Wen ich wie weit lasse.
Ist eine elementare Einschätzung.
Irren kann man trotzdem immer.
Aber nicht ganz so leicht.
Wenn das Malheur erst passiert ist.
Fallen Tränen.
Die Wut richtet sich gegen einen selbst.
Aber auch gegen andere.
Die unschuldig zum Handkuss kommen.
Wie verhalt ich mich in Hinkunft?
Kann ich jemals wieder jemandem trauen?
Natürlich.
Das gehört zum Leben.
Wie die Vergebung.
Aber auch in der Vergebung muss ich unterscheiden.
Das ist meine Meinung.
Nicht jeder verdient denselben Sanctus.

Schon gar nicht die.
Die sich zuerst feige zurückziehen.
Nachdem sie schlimmstes Unrecht zugefügt haben.
Und dann später so tun wollen.
Als wäre nichts gewesen.
Bei aller Vergebung darf man in solchen Fällen nie vergessen.
Dass diese Menschen nie dazulernen werden.
Frechheit siegt.
Heißt deren Devise.
Die Sache positiv abschließen ist unbedingt notwendig.
Um die Seele zu schonen.
Das heißt aber nicht.
Diejenigen, die so weit gegangen sind.
Wie zuvor zu behandeln.
Nämlich ziemlich gut.
Strenge Grenzen ziehen kann hier nur die Konsequenz sein.
Sonst hat man selber nicht aus dem alten Fehlern gelernt.
Und stolpert in andere.
Wieder Tränen.
Neue Narben.
Ein ewiger Kreislauf.

Wer Fehler ehrlich zugibt.
Verdient eine neue Chance.
Oder zumindest einen Neuanfang.
Auf vorerst niedrigerem Niveau.
Aber mit der Chance.
Dass das Verhältnis wieder wachsen kann.
Reifen kann.
Vielleicht besser als zuvor.
In diesem Fall zu stur zu bleiben.
Wäre verbohrt.
Und falsch.
Nicht jeder Mensch ist gleich.
Und nicht jeder glaubt auf seine Tour immer durchzukommen.
Der eine ist wahrhaft Mensch.
Der andere sieht nur so aus…

Vivienne

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