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24.09.2005, © Vivienne

Wie eine biblische Heimsuchung

Sie haben es sicher den Medien längst entnommen: die USA sind erneut von einem Wirbelsturm betroffen (Rita heißt er) und während diesmal die Menschen in Panik flüchten und die Autobahnen in gewaltigen Staus verstopft sind, brechen in New Orleans selber schon wieder Dämme. Neue Überschwemmungen drohen. Fast sieht es aus, als würden Teile der USA Opfer einer biblischen Heimsuchung werden, deren Ausmaße und deren weitere weltweite Entwicklung nicht absehbar sind. Die Weltmacht, die seit ihrem Bestehen keinen einzigen Krieg mit einer ausländischen Macht auf eigenem Territorium auszutragen hatte, muss sich nun einer höheren Gewalt beugen, deren verborgene Kräfte nicht annähernd einzuschätzen sind. Die Natur holt nach langer Anlaufzeit endlich zum Gegenschlag aus.

Ohne Zweifel sind diese Naturkatastrophen hausgemacht. Sie machen sich auch bei uns bemerkbar gemacht durch verschobene Jahreszeiten, verregnete Sommer so wie heuer oder extreme wie späte Winter so wie im letzten Jahr. Nicht zu reden von den furchtbaren Überschwemmungen, die, wie auffällt, nun bevorzugt auch jene Gegenden zerstören, die früher kaum betroffen waren. Und Menschen und ihre Existenzen ruinieren und brechen… Die Industrielle Revolution, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts einsetzte, und dabei unser Leben zu modernisieren begann und es bis zu den heutigen „unverzichtbaren“ Standards führte, verursachte späte wie krasse Nebenwirkungen, die wie ein schleichendes Gift unser Leben überfielen. Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass in den letzten fünfzig Jahren die Zahl der Krebserkrankungen weltweit explodierte und praktisch schon die Position der häufigsten Todesursache eingenommen hat.

Dabei hatte die Menschheit es durchaus immer wieder in der Hand, Katastrophen wie jene der letzten zehn Jahre abzuwenden. Oft genug haben engagierte Wissenschafter auf mögliche negative Auswirkungen hingewiesen: das Ozonloch durch FCKW, den Klimawandel durch die von Industriebetrieben ausgestoßenen Gifte, die Zerstörung der Natur durch Abfälle und Chemikalien oder im Besonderen die tickende Zeitbombe Atom. Es fiel den Industriestaaten und ihren Konzernen nicht schwer, diese besorgten Menschen als Feinde des Fortschritts und Zerstörer von Arbeitsplätzen zu diffamieren. Und dementsprechend die öffentliche Meinung und Einschätzung zu manipulieren. Dass sich über viele Jahre nicht wirklich bemerkbare Veränderungen zeigten, schien die Strategie der Industrie noch zu unterstützen, dass jene Wissenschafter und Umweltorganisatoren reine Schwarzmaler wären.

Mittlerweile lassen sich diese aber nicht mehr unter den Tisch kehren. Veränderungen, die man wohl kaum mehr umkehren kann. Beziehungsweise: nur die Natur selber kann das noch, vielleicht, wenn man sie einige hundert Jahre in Ruhe lässt und nicht beleidigt. Eine gewisse Selbsterkenntnis oder die Bereitschaft, zumindest jetzt verstärkt daran zu arbeiten, um noch üblere Katastrophen abzuwenden, kann ich noch nicht orten. Ganz im Gegenteil. Vereinzelt hört man schon wieder Stimmen, dass sich die Natur ohnedies wieder erholen werde, man möge nichts dramatisieren… Ich frage mich: was muss noch passieren, damit die Gefahr endlich zur Kenntnis genommen wird?

Schwer zu beantworten. Tatsache ist, dass diese Problematik eine Angelegenheit der ganzen Weltbevölkerung ist, aller Staaten, ob USA oder Vatikan, krass formuliert, und nur wir alle gemeinsam können das Ruder noch einmal herumreißen. Oder es zumindest versuchen. Unflexibel und starr agieren aber weiter die Industrienationen, Wachstum und Profit sind wichtiger, frei nach dem Motto: hinter mir die Sintflut! Ich kann mir schwer vorstellen, dass ausgerechnet George W. Bush in den USA die notwendigen Strategien in die Wege leiten wird, während wir nur dem harren können, was weiter passiert – agieren, statt reagieren. Schneelose Winter zum Beispiel in den Alpen, und die Schination Österreich gehört der Vergangenheit an. Überschwemmungen, Taifune, Blizzards, Wüstenbildung und krasse Temperaturschwankungen selbst in unseren Breiten. Die Frage ist nicht, ob wir das wollen. Der Punkt ist, dass andere Menschen das für uns entschieden haben, weil sie mächtig sind, auf Staaten Einfluss haben oder auch Druck ausüben und das Schicksal ganzer Nationen ihnen völlig egal ist.

Zumindest so lange, bis unsere Welt derart ruiniert ist, dass man hier nicht mehr leben kann. Auch mit allem Geld und Gut…

Vivienne

 

 

 

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