Was führt man für ein Leben als Chefredakteurin? Nun, ich lebe nicht für die Bohnenzeitung. Das heißt, die Bohne ist nicht mein Leben, aber sehr wichtig ist sie schon für mich geworden. Fast unverzichtbar. Was mich aber nicht davon abhält, mir mein Täglich Brot woanders verdienen zu müssen. Nicht ungern, das möchte ich schon festhalten, aber diese Arbeit nimmt auch ihre Zeit in Anspruch. Ich setze mich also nicht morgens um 8:00 Uhr vor den PC, lade meine Mails herunter und beginne das Tagwerk wie in einer normalen Chefredaktion: wichtige Mails erledigen, Beiträge schreiben, Zählerstände kontrollieren, etwaige Fehler melden, etc. Je nach Turnus verlagert sich das Hauptwerk meines Tuns auf den Abend oder auf den späteren Nachmittag.
Chefredakteurin sein, heißt auch, alle Anfragen etwaiger Jobinteressenten zu beantworten, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und … Entscheidungen zu treffen. Eine solche wichtige Entscheidung habe ich schon vor einiger Zeit getroffen: es gibt neben der Arbeit für die Bohne kein anderweitiges Projekt, das ich unterstützen werde. Schon aus Zeitgründen. Man kann einen Job nur ordentlich erledigen, wenn man sich richtig darauf konzentriert, und dazu ist man nur in der Lage, wenn man seine Kräfte einteilt und nicht zu jedem Offert ja und Amen sagt. Offerte, die es durchaus gibt für mich, aber man muss Prioritäten setzen. Und im Moment zumindest sehe ich keine Chance für eine zusätzliche Arbeit in diesem Bereich.
Nur für unsere Linkpartner von www.e-stories.de stelle ich ältere Werke zur Verfügung, sozusagen als meinen Beitrag zur Kooperation. Chefredakteurin sein heißt auch, dass man täglich auf’s Neue sein Fingerspitzengefühl beweisen muss. Und bisweilen auch in Fettnäpfchen tappt, von denn man gar nichts weiß. Ja, liebe Leser, auch das kommt vor und oftmals ahnt man lange nichts von einer Altlast, ehe es zu einem gröberen Streit kommt. So erst kürzlich passiert, als ich einen meiner kritischen Artikel von mir verfasste. Es kam deswegen zu einem Disput mit einer Bekannten deswegen, der zuerst sehr heftig ausfiel, mir dann aber im Laufe des Wortgefechts klar machte, dass ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Ohne es zu wollen hatte ich mich die ganze Zeit schon auf unsicherem Gleis bewegt und den Unmut der Betroffenen auf mich geladen.
Aber dieser Streit war auch eine große Chance, die wir, die Bekannte und ich, gleichermaßen nutzten. Wir redeten uns aus, das erste Mal seit längerer Zeit, und das hat uns beiden gut getan. Der beste Beweis dafür, dass der Weg zur Lösung von Differenzen und Missverständnissen über das Gespräch, über den Dialog führt. Niemand ist unfehlbar, am allerwenigsten ich, aber ein paar offene Worte können unversehens eine Krise oder einen schwelenden Konflikt lösen oder ihm die Spitze nehmen. Fingerspitzengefühl ist halt wichtig, Fingerspitzengefühl, das ich auch heuer im Frühjahr brauchte, als sich eine Posterin aus deutschen Landen im Forum an das heikle Thema Abtreibung wagte – selber betroffen durch die Schwangerschaft zu einem behinderten Kind.
Ich wusste zuerst nicht, wie ich mit dem Thema umgehen sollte. Bekannterweise war ich nie schwanger. Ich weiß nur, dass schnell heftige Worte fallen können bei dieser schwierigen Thematik, entschied aber schließlich doch, das Thema aus dem Forum zu nehmen und der Frau in einem offenen Brief in der Bohne ein paar Tipps zu geben ohne sie in ihrer schwierigen Situation beeinflussen zu wollen. Gemeldet hat sie sich leider nicht bei mir, obwohl ich ihr die Möglichkeit dazu gab, aber ich hoffe, ich konnte ihr trotzdem helfen. Mag sein, dass ich ein paar Leute verärgert habe, die gern über die Materie diskutiert hätten, aber mir war wichtiger, einen gewissen Frieden im Forum zu bewahren. Zu schnell ist in diesem Fall jemand verletzt oder die Emotionen geraten außer Kontrolle. Und jeder glaubt, er ist im Recht…
So ein leichtes Leben führt man gar nicht als Chefredakteurin. Allen Aspekten kann man nicht gerecht werden und so entscheidet man meistens nach bestem Wissen und Gewissen. Und das kann durchaus falsch sein, aber jeder kann das nachvollziehen. Manchmal hat man nicht viel Zeit, großartig zu überlegen, denn wie gesagt: der „richtige“ Job fordert seinen Tribut und ein „Privatleben“ führt man schließlich auch noch. Wir sind alle nur Menschen hier bei der Bohne, aber Ihr Feedback, liebe Leser, ist es, das uns hilft, unsere Entscheidungen zu optimieren. Ärger hinter der Hand hilft niemandem, fördert aber Magengeschwüre. Niemand kann ändern, was er oder sie getan hat, aber Fehleinschätzungen werden oft nur durch offene Worte offenbar!
Meine Bitte daher an Sie, liebe Leser: wenden Sie sch vertrauensvoll an uns, wenn Sie uns loben wollen oder aber auch Dinge klarstellen möchten! Bei uns finden Sie ein offenes Ohr und keine Meinung wird unter den Tisch gekehrt! Nutzen Sie die Chance zum Feedback!
Vivienne