von Vivienne – Oktober 2004
Glück durch Musik
Glück ist vielfältig und für jeden stellt es etwas anders dar. Obwohl es natürlich Überschneidungen bei allen Menschen gibt. Von erwiderter Liebe, einer schönen Beziehung und vielleicht auch beruflichem Erfolg träumt fast jede/r. Trotzdem gibt es immer wieder Aspekte im Leben, die viel Glücksgefühl beinhalten, das man aber im Alltag gerne übersieht. Würde der Mensch sich selber gestatten, sich auch diesen Belangen zu widmen und ihrer Bedeutung für das Leben und Glück, wäre er vielleicht nicht immer so unzufrieden und rastlos. Glück liegt in vielen Dingen, nicht nur in der Liebe
Bei mir ist es zum Beispiel auch die Musik. Ein Leben ohne Musik, ohne Lieder wäre schlimm für mich und ich gebe offen zu: es wäre leichter zu ertragen für mich, für den Rest meines Lebens blind zu werden, als mein Gehör für immer zu verlieren. Und das obwohl ich ein stark visueller Mensch bin, die Natur liebe und angesichts eines prachtvollen Sternenhimmels oder eines farbenprächtigen Sonnenuntergangs schon mal ins Schwärmen geraten kann. Und doch: das alles ist nichts zu dem, was mir die Musik bedeutet. Musik bringt mich ins Schwärmen, lässt die Vergangenheit wieder auferstehen oder belebt meine Fantasie derart, dass Bilder in mir entstehen, die mich auch zum Schreiben inspirieren. Ganz abgesehen von den Gefühlen, die dabei in mir wach werden, und damit auch immer wieder starkes Glücksgefühl
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, liebe Leser, welche Art von Musik es denn ist, die mich derart inspiriert und glücklich macht. Im Grunde geniere ich mich fast, es zuzugeben. Nein, es ist kein Mozart, Beethoven oder Brahms, mit Klassik habe ich, ehrlich gesagt, wenig am Hut. Mir fehlt der Bezug dazu fast völlig, obwohl ich immer wieder probiert habe, mir Zugang zu dieser anderen Welt zu verschaffen. Der Erfolg war gering, Klassik macht mich oft etwas unruhig, stelle ich immer wieder fest. Ich kann mich dieser Musik nicht wirklich hingeben und deshalb fehlt mir auch die Erkenntnis, ob und was mir dabei vielleicht entgeht. Aber auf Ö1 bin ich sicher nicht daheim
Denn im Grunde sind es im Wesentlichen ganz ordinäre Popsongs, die mich verzücken. Obwohl sich meine Lieblinge im Laufe der Jahre schon gewandelt haben und die gemachten Stars mit Songs aus der Konserve von heute nicht das Meine sind. Aber die 80er Jahre etwa – von Duran Duran über Paul Young bis Spandau Ballet – bringen die Saiten meiner Seele zum Schwingen, rühren mich bis an mein Innerstes. Erinnerungen werden wach und das Glücksgefühl, das in mir aufsteigt, empfinde ich fast so stark wie damals: Jugend, Liebe, man fühlte sich unbesiegbar und so stark und dass einem das Schicksal bisweilen diese Ansicht wieder ordentlich ausgetrieben hat, spielt dabei keine Rolle. Für einen Moment wird man wieder jenes Menschlein, unbedarft und unschuldig, im Sinne von ahnungslos, was das Leben und die Mitmenschen an Grausamkeiten bisweilen parat halten können.
Natürlich ist das nicht die einzige Musik, die mir gefällt, in meinem Herzen ist schon auch noch Platz für andere, weniger gängige Melodien. Ich habe etwa auch ein Faible für die Musik der Vierziger Jahre, sprich speziell Glenn Miller Sound. Ob ich diese Neigung aus einem früheren Leben übernommen habe, möchte ich nicht mit Sicherheit behaupten aber bei dieser Musik versinke ich geradezu in mir selbst und beginne zu schwelgen. Verglichen mit den vielen stereotypen Sounds der modernen Musikwelt ist das eine ganz andere Liga. Man erlaube mir einen blumigen Vergleich: Glenn Miller und Co verhalten sich zu Daniel Küblböck und Konsorten wie die Championsleague zur Landesliga von Vorarlberg. Man mag das sehen wie man will, ich stehe zu dieser Aussage.
Eine ganz große Schwäche habe ich auch für Mr. Barry White, die vor noch nicht all zu langer Zeit verstorbene Soullegende mit der geilsten Stimme der Welt, noch vor Tom Jones. Und das nicht erst seit Ally McBeal. Diese Stimme geht durch und durch, auch wenn das vielleicht nicht jeder Mann versteht: bei Songs wie Let the Music play oder Cant get enough of your Love geht mir das Herz auf. Und ich fühle mich glänzend. Darauf wollte ich auch hinaus. Es gibt im Grunde so viele Möglichkeiten sich selbst zu Wohlbefinden und zu einer etwas gelasseneren Lebenseinstellung zu verhelfen. Oft liegt es wirklich nur an einem selbst und dem Ruck, sich dem zu öffnen, das auch sehr viel Schönes in unser Leben bringt. Auch wenn die Freundin ihn verlassen hat oder sie mit ihrem Mann gestritten hat. Lassen wir auch etwas anders zu, lassen wir es zu, dass es uns gut geht.
Sicher fällt das nicht immer leicht, man neigt dazu sich gehen zu lassen, sich vom Negativen beherrschen zu lassen. Kümmern Sie sich darum, dass es Ihnen gut geht, auch wenn Sie vielleicht gerade weinen möchten. Tränen können ein Ventil sein, aber jene Reize, die die Traurigkeit oder den Ärger hinwegspülen, sollten von anderer, positiver Seite kommen. Gönnen Sie sich etwas Gutes, und die Musik ist ein probates Mittel dazu. Ganz sicher auch für mich. Deshalb: seien Sie gut zu sich selber. Mit ihrer Lieblingsmusik.
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