von Vivienne – Jänner 2004
Zweierlei Maß
Dieser Tage war eine Schlagzeile in aller Munde. Eine Grazerin und ihr Lebengefährte – sie schwanger und in Mutterschutz, er arbeitslos hatten nicht nur ungestört ihrer Drogensucht gefrönt sondern auch die Kinder der Frau, größtenteils aus einer anderen Beziehung, mit Drogen wie Heroin versorgt oder zu den Dealern mitgenommen. Derart eingestimmt auf Suchtgifte, so ein Experte heute Morgen sinngemäß im Radio, haben die Kinder im Grunde keine Chance, diesem Milieu je zu entkommen. Zu prägend sind diese frühen Erfahrungen wenn ein fünfjähriges Kind schon den Szene-Slang aus dem FF beherrscht als dass ein normales Leben für diese Kinder wahrscheinlich scheint.
Der Vater will sich zwar jetzt um seine Söhne und die Tochter kümmern, aber seine Fürsorge kommt zu spät. Vielleicht hat er nicht geahnt, was seine Ex-Frau für ein Leben führt, vielleicht hat er sich aber auch vorher nicht oder zu wenig um sie gekümmert. Wie auch immer, ob sein später Vorstoß in Sachen Vaterliebe die Kinder vor einem kriminellen Leben im Drogenmilieu retten kann, werden die nächsten Jahre zeigen. Die Empörung der Öffentlichkeit über eine Frau, die hochschwanger Drogen konsumiert, ein süchtiges Baby zur Welt bringen wird und mit ihrem neuen Lebensgefährten auch den anderen Kindern den Weg ins Milieu geebnet hat, war in Österreich auf jeden Fall enorm.
Trotzdem muss ich den Kopf schütteln über die unverhohlene Scheinheiligkeit, die da einmal mehr zu Tage tritt. Wie viele Kids und Jugendliche sich nämlich am Wochenende unter den Tisch saufen, dass sie im Taxi bei der Heimfahrt erbrechen und die Sitze ruinieren bitte sich einmal bei Taxifahrern zu erkundigen kümmert die Erziehungsberechtigten wenig. Diesbezüglich legen die meisten Eltern die Hände nämlich tatenlos in den Schoß. Alkohol ist halt auch für viele Erziehende keine Droge im herkömmlichen Sinn, sondern gehört zur Gaudi und zum Lebensgefühl dazu. Selber huldigen sie ja auch dieser Philosophie. Die Probleme, die sich im Lauf der Woche im Job und privat ansammeln, werden mit etlichen Litern Alk am Wochenende hinunterspült.
Zumindest bis zum nächsten Morgen. Warum also den Nachwuchs für einen Lebensstil kritisieren, den man ihnen selbst vorlebt? Damit kein Missverständnis entsteht: nichts spricht dagegen, dass man sich Freitag oder Samstag oder am Feierabend amüsiert. Ein paar Glaserl Wein, ein paar Red Bull oder ein paar Flaschen Bier da ist wirklich nichts dabei. Auch ein Rausch ab und an ist sicher keine Katastrophe. Alkohol ist ein Genussmittel, und unter dieser Prämisse getrunken wird er auch nie ein Problem darstellen. Leute, die keinen Alk benötigen um sich zu amüsieren oder lustig zu sein, haben auch die richtige Einstellung zum Konsum. Leider hat so mancher aber bei seinen Wochenendexzessen schon jede Relation verloren und ist am besten Weg, die Karriere eines Alkoholikers einzuschlagen ohne es zu merken.
Ähnlich verhält es sich mit dem Rauchen. Wenn man so wie ich zugeben muss, noch nie in seinem Leben geraucht zu haben, ja nicht einmal als Teenager probiert zu haben, wird man schon fast als Kuriosum angesehen. Aber damit kann ich leben. Bedenklich finde ich nur, wenn die Jugendlichen in Mehrheit schon rauchen. Das kann man vor allem vor Schulen so deutlich beobachten. Leider speziell auch Mädels, die nebenbei die Pille nehmen, und nicht ahnen, wie sehr sich für die Zukunft die Gesundheit ruinieren: Thrombosegefahr, hohes Krebs- oder Schlaganfallrisiko schon mit 16 oder 17 Jahren manifestiert.
Man wird immer so belächelt, wenn man auf solche Korrelationen hinweist und kluge Köpfe weisen lächelnd darauf hin, wie sehr uns über unsere Umwelt ohnedies schon krebsfördernde Gifte zugeführt werden. Ist doch egal woran man stirbt! Richtig, aber ohne als Prediger verschrien zu werden: man muss dieses nicht leugbare Risiko nicht auch noch unnötig erhöhen. Sterben müssen wir alle einmal, das stimmt, aber wenn ich leichten Einfluss darauf nehmen kann, dann nicht unbedingt an Lungenkrebs oder etwa durch einen Schlaganfall zum lebenslangen Pflegefall oder Krüppel werden.
Ganz abgesehen davon, was diese legalen Suchtgifte kosten! Ich hab mir einmal ausgerechnet, was man im Jahr sparen kann, wenn man sich dem fragwürdigen Genuss eines Packerl Marlboro täglich verweigert da ist ein schöner Urlaub drin, ungelogen. Auch ein ordentlicher Rausch jedes Wochenende oder zwei gehen ins Geld. Halb so viel ist auch noch genug Vergnügen, zeigt sich aber positiv am Konto.
Aber um noch einmal auf die schwangere Drogenkonsumentin aus Graz zurückzukommen: Alkohol und Nikotin wirken ebenso fruchtschädigend, führen zu Herzerkrankungen beim Baby und können Frühgeburten fördern. Mein Fazit: man kann seine Kinder immer schädigen und ihre Kindheit markant zerstören, wenn man sorglos ist. Ob man das nun durch die üblichen Drogen oder sorglosen Umgang mit Alk und Zigaretten vor ihnen tut, spielt dabei für mich keine Rolle. Gesund ist nichts davon, und einzig auf die Giftler, die an der Nadel hängen, mit Fingern zu zeigen, ist zu einfach.
Wem seine Kinder am Herzen liegen, hat einfach ein Auge drauf, dass ihnen derartige frühe negative Erfahrungen durch welche Suchtmittel auch immer erspart bleiben. Eltern sein heißt Verantwortung leben und Vorbild sein, in jeder Hinsicht, meint
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