Albtraum AMS-Arbeitslosenmaßnahme


von Vivienne  –  März 2005


Albtraum AMS-Arbeitslosenmaßnahme

Dieser Tage konnte ich in einem anderen Online-Medium allgemeine Betrachtungen zu jenen berüchtigten AMS-Kursen nachlesen, Erfahrungen und Aspekte jener Art, die ich nur bestätigen kann. Ich habe selbst fast acht Monate in so einer Maßnahme verbracht, vergeudet muss man wohl sagen, nicht nur von der Tatsache her, dass diese Kurse unter anderem auch von unser aller Steuergeld mitfinanziert werden. Vergeudet auch insofern, dass man bisweilen auch die Abgründe der menschlichen Seele kennen lernt, in einer Weise, die man wohl normalerweise bösen Menschen nicht wünschen würde…

Dieser Albtraum ereilte mich im Jahr 2001/2002 als ich längere Zeit arbeitslos war – wegen der schlechten Nachrede einer Ex-Chefin, die mich um mir zustehendes Geld betrügen wollte und der ich deswegen mit der AK drohte. Mit dem Pyrrussieg, dass ich nachträglich zwar korrekt angemeldet wurde, aber diese Frau mir danach mit gezielten Lügen über mich so manches Dienstverhältnis vereitelte. Was ich lange nicht ahnte bzw. nicht sofort mit ihr in Zusammenhang brachte und mich außerdem in diese Maßnahme dirigierte, die mich Nerven kostete, mir den Schlaf raubte und mich bisweilen auch an meinem Verstand zweifeln ließen. Teilweise bin ich in anderen Beiträgen schon auf das Horrorszenario in dieser Zeit eingegangen. Heute lade ich Sie, liebe Leser, zu einem mutigen Blick in dieses Kabinett des Schreckens ein…

Der Kollege von dem anderen Medium wies nicht ohne Grund auf die Kluft in solchen Maßnahmen hin. Hilfsarbeiter drängt sich neben Akademiker, und alle werden über einen Kamm geschert… Doch halt nicht alle: in einer derartigen Maßnahme gibt es manche, die gleicher sind als die anderen. Leute, über die das Füllhorn der Gunst sehr verschwenderisch ausgeleert wird. So beobachtet bei einem jungen Akademiker aus der Nachbargemeinde. Rührig war die links-linke Ausländerfreundin (wie sie bei jedem zweiten Satz betonte) bemüht, dem etwas farblosen Mann unter die Arme zu greifen. Was darin gipfelte, dass ihm aus Kurskosten ein Inserat im „Standard“ bezahlt wurde (um damals etwa 1000 Schilling), aber auch nur ihm. Alle anderen fielen durch den Rost…

Der Bedarf an Leuten mit fundierter Altenpflegeausbildung steigt, weil naturgemäß die Senioren immer älter werden. Aber normalerweise muss jeder Interessent sich hart um eine solche Ausbildung bemühen und oft auch noch selbst die Ausbildung bezahlen, sich selber versichern und selber schauen, wie er Praktika und Arbeitszeit koordiniert. Wenige Stiftungen schaffen da aber eine tolle Möglichkeit: während man Arbeitslosengeld erhält, kann man die ganze theoretische und praktische Ausbildung inklusive Praktika durchziehen. Allerdings gibt es dort nur wenige Plätze, aber kein Problem für eine junge Frau, die die Trainerin schon länger sehr gut kannte und sich bis zum Ausbildungstermin auch von AMS-Kurs zu AMS-Kurs wurschteln durfte, in eben dieser Stiftung unterzukommen.

Die Trainerin war fürwahr ein mütterlich Typ und auf ihre wenigen Pappenheimer bedacht. Horrorkabinett, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen? Fragwürdig sind solche Ungerechtigkeiten ganz sicher, aber gibt es die nicht überall? Ist das nicht übertrieben? Wäre es wohl, wenn es nicht genug andere Vorfälle gegeben hätte. Etwa, dass ich von zwei stockbetrunkenen Alkoholikern vor dem versammelten Kurs mit dem Umbringen bedroht wurde ohne dass die beiden Trainer eingeschritten wären. Ich kann Ihnen versichern, man hat in so einer Situation tatsächlich das Gefühl, dass man im Moment nur schlecht träumen kann, ich habe nie zu vor und danach in meinem Leben etwas ähnlich Ungeheuerliches erlebt. Wobei es nicht die beiden Trinker waren, die mich wirklich aufregten als viel mehr die Trainer, die mich wohl auch bei tätlichen Attacken durch die Alkoholisierten nicht geschützt hätten.

Dazu kam, dass zweimal ohne mich zu fragen meine Telefonnummer weitergegeben wurde, einmal dabei sogar an eine damals noch kursfremde Person, die mich näher kennen lernen wollte. Oder stellen Sie sich mal vor, Sie werden plötzlich von jemandem angerufen, mit dem Sie nie großen Kontakt hatten, und dieser Kurskollege erreicht Sie plötzlich auf einer Nummer, die Sie ihm nie gegeben haben! Und das knapp vor 23:00 Uhr abends, als Sie schon fast schlafen! Zweimal insgesamt war die für mich zuständige Trainerin eigenmächtig aktiv geworden (ich stehe nicht im Telefonbuch und nur sie hatte meine Nummer!), und diese Aktionen waren Übergriffe, mit denen sie ihre Kompetenz ganz klar überschritten hat. Aber eine Beschwerde beim zuständigen AMS, die ich mehrmals in Erwägung zog, hätte nichts gebracht: als Arbeitslos/r gehört man für diese Behörden in die Kategorie „Mensch 2. Klasse“, das heißt de facto: es schafft nur noch mehr Ärger.

Die Beratung in dieser Zwangsmaßnahme setzte sich aus Einzelgesprächen und aus Gruppentreffen zusammen. In den Einzelgesprächen wurde in meinem Fall nie etwas Praktisches zur Beendigung meiner Arbeitslosigkeit unternommen, die Trainerin zog ihre psychologischen Spielchen durch, mit denen sie einerseits die Leute auszuhorchen als auch zu beschwichtigen versuchte. Was ich damals noch nicht ahnte: sie hatte Kontakt mit einigen Dienstgebern von mir (Lebensläufe mussten ja vorgelegt werden) und darunter war leider besagte Chefin, die auch in diesem Fall kein gutes Haar an mir ließ. Deshalb war ich nicht förderungswürdig, im Gegensatz zu dem weiter oben erwähnte Akademiker aus dem Bezirk. Man fand es nicht für Not, mich mit den Vorwürfen zu konfrontieren, ich wurde vorverurteilt und kostete das AMS und den Staat Geld, das man sich hätte sparen können. Von der sinnlosen Maßnahme erst gar nicht zu reden. Erst später, als ich nach dem Kurs durch einen Wink begriff, was da hinter meinem Rücken passiert war, ergriff ich selbst die Initiative. Und ich änderte als allererstes meinen Lebenslauf.

Selbstredend sensationell war das Entertainment an den Gruppentagen. Zumeist wurde eine Dartscheibe aufgestellt und Tourniere mit kleinen Preisen veranstaltet. Das war für die Trainer sehr bequem, denn sie brauchten nichts vorzubereiten. Wie überhaupt die Arbeit der Trainer für die Leute in der Maßnahme sich weitestgehend auf Alibiaktionen (Pensionsantrag, etc.) erstreckte, abgesehen von den wenigen Glückskindern in der Truppe, die sogar fast mit Totaleinsatz gefördert wurden. Aschermittwoch 2001 endete für mich dieser Albtraum, und in den Wochen danach gelang mir mit Totaleinsatz das, was in der Achtmonatsmaßnahme nicht annähernd gelungen war: knappe zwei Monate später fing ich nämlich zu arbeiten an…

Aber die optische Schönung der Arbeitslosenstatistik darf ruhig Geld kosten…

Vivienne

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