von Vivienne – Februar 2005
Am Beispiel Woody Allen
Eine Ehe oder eine Beziehung scheitert nichts Ungewöhnliches in diesen Tagen. Und bei Promis passiert das noch viel häufiger. Bekanntester Fall des noch jungen Jahres: Brad Pitt und Jennifer Aniston trennen sich nach sieben gemeinsamen Jahren. Eine Gewähr für ewiges Glück in der Liebe gibt es nicht, schlimm ist aber immer wieder, wie sehr die Kinder darunter leiden. Diese werden fast immer zum Spielball zwischen den Zerstrittenen, und nicht selten nutzen gerade Frauen, die üblicherweise das Sorgerecht erhalten, diese vertrackte Situation aus um sich am einstmals geliebten Mann zu rächen. Besuchsrecht wird verweigert, die Kinder werden manipuliert, dass der böse Papa der armen Mama so wehgetan hat oder dass der Vati eh kein Interesse mehr am Kind habe. Und züchten damit die nächsten Scheidungskrüppel heran, die in ihren Beziehungen dann auch nicht glücklich werden
Ich möchte an dieser Stelle ganz klar festhalten, dass es auch andere Beispiele gibt, die einen Bruch mit dem Kindesvater durchaus rechtfertigen sexueller Missbrauch etwa. Aber Fälle wie der oben beschriebene kommen nun mal recht häufig vor in den unterschiedlichsten Nuancen. Ein Musterbeispiel, das konnte ich dieser Tage in Erfahrung bringen, stellt wohl Filmstar Mia Farrow dar, die sehr subtil vorexerziert hat, wie der eigene Ex-Mann für Seitensprung zu bestrafen sei. Farrow lebte einige Jahre mit Regisseur Woody Allen zusammen, eine Beziehung, der der gemeinsame Sohn Seamus entstammte, der damals noch Sachel hieß. Farrow ist eine Übermutter und hat ihr halbes Leben lang Kinder adoptiert, neben den Leiblichen. Was sie allerdings nicht erwartete: eine ihrer Adoptivtöchter verliebte sich in Woody Allen, eine leidenschaftliche Affäre entwickelte sich zwischen der jungen Frau und dem nicht mehr jungen Regisseur.
Die Folgen waren absehbar. Farrow beendete die Beziehung zu Allen und entzog ihm das gemeinsame Kind völlig. Der Bub wurde ohne Vater groß gezogen, und gegen seinen Vater aufgebracht. Und vor kurzem erst äußerte sich der Teenager dahingehend, dass er mit seinem Vater nichts mehr zu tun haben wolle, weil jener seine, Seamus, Schwester geheiratet habe. Mag sein, dass man, rein rechtlich betrachtet, die Situation so darstellen könnte, aber die Adoptivtochter von Mia Farrow ist nun mal nie das leibliche Kind der beiden (Farrow und Allen) gewesen. Und mir scheint offensichtlich, dass diese schräge Denkungsweise sich nicht von selbst in dem jungen Mann entwickelt hat
Ich muss gestehen, dass ich durchaus nachvollziehen kann, wie sich eine betrogene Frau fühlt. Es ist mir nämlich selber schon passiert, und der Vorfall war der Todesstoß für diese Beziehung. Sie dürfen mir also ruhig glauben, liebe Leser, dass ich den heftigen Groll durchaus schon selber in mir verspürt habe. Trotzdem stellt sich die Frage, wie weit ich als Mutter das Recht hätte, etwaige Kinder gegen ihren Vater aufzubringen. Und nicht wenige Frauen tun das nämlich ganz gezielt, weil sie meinen, sich im Recht zu befinden. Aber das sind sie nicht. Denn die Beziehung von Frau und Mann gestaltet sich ganz anders als die vom Kind zum Vater, auf unterschiedlichen Ebenen nämlich.
Und diese Ebenen dürfen nicht vermischt werden, weil mit einem Negativbild vom Vater Kinder nachhaltig geschädigt werden. Ein Fremdgänger von Ex-Mann kann seinen Kindern durchaus ein liebevoller Vater sein und die Kinder haben ein Recht auf ihn. Auch wenn es so mancher tief verletzten Frau schwer fällt, das zu begreifen. Indirekt werden für die Kinder die Weichen nämlich schon in das eigene Ehe- und Beziehungsfiasko gestellt, wenn sich ein geschiedenes Paar nicht zum Wohl des gemeinsamen Nachwuchses zusammenrauft. Das spätere Glück der Kinder steht weit über dem Wunsch nach Rache.
Mir tut dieser Seamus alias Sachel jetzt schon leid. Wenn er nicht in den nächsten Jahren begreift, dass ihn die Mutter nur zum Dolch ihres Hasses gegen den Ex-Gefährten geformt hat, sehe ich seine Beziehungsfähigkeit den Bach hinuntergehen. Aber das Gericht hat seinerzeit gegen Woody Allen entschieden und er muss hilflos zusehen, dass ihn sein einziges leibliches Kind (mit seiner jetzigen Frau hat er – nicht erstaunlich zwei Adoptivkinder!) ablehnt und keinerlei Kontakt mit ihm will. Ich frage mich, ob Mia Farrow befriedigt ist und Genugtuung verspürt über diesen Erfolg. Und ob dieser Erfolg ihr geholfen hat, den Schock und die Demütigung ob dieses sicher infamen Betruges zu verarbeiten. Ich denke nämlich nicht, dass das der Fall ist. Und ich glaube auch nicht, dass sie glücklich ist. Aber weniger wegen dieses Vertrauensbruchs durch ihren damaligen Lebensgefährten und ihrer Adoptivtochter. Sondern vielmehr deshalb, weil sie nicht Frieden mit den beiden gemacht hat. Und mit sich selbst
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