Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  November 2004



Lillys Philosophien zur „Wurschtigkeit“

Ich selber bin ein sehr kopflastiger Mensch.
Grüble ständig über dieses und jenes.
Mache mir immer Gedanken falsch verstanden worden zu sein.
Falsch interpretiert zu werden.
Ich wirke so robust und selbstbewusst nach außen.
In Wirklichkeit stecke ich voller Selbstzweifel.
Mein „inneres Kind“ schreit danach geliebt zu werden.
Ständig.
Kritik kann mich am Boden zerstören.
An manchen Tagen.

Was mir fehlt, nicht nur zum größeren beruflichen Erfolg.
Von der inneren Harmonie und Ausgeglichenheit erst gar nicht zureden.
Ist einfach Wurschtigkeit.

Die Wurschtigkeit zu sagen:
Mir doch egal, was die von mir halten!
Egal, was sie jetzt denkt!
Die kümmern mich jetzt nicht im Geringsten!
Mir wurscht!!!!
Natürlich in einem gesunden Ausmaß.
Ohne Konsens der Leute geht es auf Dauer sicher nicht.
Die Selbstabgrenzung, die hinter diesen Worten steckt, darf nicht zu groß werden.
Aber alles muss einen wirklich nicht kümmern.
Gedanken, wie ich sie bisweilen pflege, können krank machen.
An Körper wie an Seele.
Und man verkümmert.
Wie eine Pflanze ohne Licht und Wasser.
Aber man kann es nicht allen recht machen.
Ich bin ich.
Ich bin okay so wie ich bin.
Mit Ecken und Kanten.
Und großen Fähigkeiten.
Und einem viel zu guten Herz.
Bisweilen.
Die Mischung ist in Ordnung.
Im Grunde jedenfalls.

Irgendwie bin ich oft wie ein Erfinder.
Der sein exzellentes Produkt nicht vermarkten kann.
Weil er sich davor fürchtet, es könnte wirklich gut sein.
Das Produkt bin ich selber.
Aber ich stehe nicht zu mir.
Nicht immer.
Nicht wirklich.
So stehe ich da an meinem Verkaufstand.
Und biete mein super Produkt an.
Wie ein schlechter Verkäufer.
Ich hab Angst davor, mich anzupreisen.
Weil ich befürchte, die Leute suchen eigentlich etwas ganz anderes.
Was, das weiß ich gar nicht.
Ich vermute es nur.
Und statt mein Produkt den Leuten anzupreisen, stehe ich nur da.
Finde kaum die richtigen Worte.
Zaghaft und zögernd.
Als hätte ich vergessen, wie gut das Produkt ist.
Und das ist es.
Zweifellos.

Ich bin gut!

So viele Leute laufen herum.
In selbst verliebtem Narzissmus.
In völliger Abgehobenheit.
Merken sie nicht, wie lächerlich und grotesk sie wirken.
Ihr Selbstbewusstsein wurzelt im Grunde in Dummheit.
Im fehlenden Bezug zur Realität.

Seltsam  ist, dass viele oft grübeln, die kaum Grund dazu hätten.
Seltsam ist, dass viele stark sind, die oft kaum Grund dazu hätten.

Die Welt ist verkehrt.
Abstrus.
Aber wer das wiederkehrende Schema durchschaut, lernt dazu.
Kann etwas verändern.
Auch ich.
Es ist oft so egal was die anderen denken…

Das größte Geheimnis ist es, ein Genie zu sein.
Und es als einziger zu wissen.
Mark Twain.

In mancher Hinsicht bin auch ich ein Genie.
Aber ich möchte mein Licht nicht für immer in den Schatten stellen…

Inspiriert von der Geschichte eines Freundes…

Vivienne

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