13. Kapitel: Pläne

Warum hast du sie denn gleich mit nach Hause genommen? Die Mutter schaute Thomas tadelnd an.

Wieso ich? Bin ich hier der Fachmann? Die Ärztin war heute noch mal bei ihr. Es gibt keinen Grund, dass sie länger im Krankenhaus bleibt. Gestern haben sie sie noch drin behalten, weil ihr Blutdruck auf einmal in die Höhe geschossen ist, aber das waren nur die Nerven. Sie haben ihr gestern Abend was zum Schlafen gegeben und heute Morgen war der Blutdruck wieder okay. Was sollen sie denn auch machen? Ihr das Kind wieder in den Bauch zaubern? Sie haben sie ja untersucht, sie haben auch irgendwas gemacht, aber frag mich jetzt nicht was, ich kann mir den ganzen medizinischen Kram nicht merken. War jedenfalls aus medizinischer Sicht keine große Sache, körperlich hat sie das alles gut überstanden. Das passiert vielen Frauen, hat die Ärztin gesagt. Und Constanze wollte ja auch weg aus dem Krankenhaus.

Thomas ließ sich auf die Couch fallen und streifte mit den Füßen die Schuhe ab. Die Mutter blickte missbilligend auf die Schuhe, sagte aber nichts.

Nun meldete sich der Vater zu Wort: Na, wenn es keinen körperlichen Schaden hinterlassen hat, können wir schon mal froh sein. Da kommt sie schon drüber weg.

Sie braucht einfach ein bisschen Zeit. Dann wird das schon wieder, sagte die Mutter.

Die Zeit heilt alle Wunden, meinte der Vater.

Das können wir nur hoffen, seufzte Thomas.

Stefan hatte aufgehört, mit seinen Bauklötzen zu spielen. Er saß auf seiner pastellfarbenen Patchworkdecke, in der einen Hand einen roten Klotz, in der andern einen grünen. Er starrte die Erwachsenen an, die nun alle stumm auf der Couch saßen. Schüchtern fragte er Mama?, aber seine Oma lächelte ihn nur an und antwortete: „Die Mama macht Heia. Die ist ganz müde. Die lassen wir jetzt noch ein bisschen schlafen, gell?

Und Stefan schaute wieder auf die Bauklötze und schlug den rechten und den linken immer wieder aneinander.

Und was mach ich jetzt?, fragte Thomas. Jetzt ist erst mal Wochenende, aber dann? Ich kann mir ein paar Tage frei nehmen, aber dann muss ich wieder zur Arbeit. Ich hab jetzt erst die Projektleitung übernommen, ich kann nicht ewig wegbleiben.

Ich bin ja da, beruhigte ihn die Mutter. Ich komme morgens her, mach ihr den Haushalt und schau nach Stefan. Und nachmittags geh ich mit ihm in den Park oder in den Zoo, dann hat sie auch ein bisschen Erholung. Nach ein paar Tagen wird es ihr dann schon wieder besser gehen. Früher haben die Frauen ihr Kind bekommen und standen am nächsten Tag schon wieder auf dem Feld und halfen bei der Ernte.

Thomas nickte müde. Ihr müsst jetzt nicht mehr bleiben, wir kommen schon klar.

Maria und Arnulf nickten. Maria sagte: Am Montag komm ich dann vorbei. Wir rufen am Wochenende mal an.

Stefan klapperte immer noch mit seinen Bauklötzen, schlug immer wieder den roten und den grünen aneinander. Thomas ging zu ihm und nahm ihm die Bauklötze aus der Hand. Stefan begann zu weinen.

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