7. Kapitel: Unglück

Constanze hatte sich einen Krimi im Fernsehen angesehen und dann versucht, den historischen Roman zu lesen, den ihre Mutter ihr empfohlen hatte. Sie konnte sich nicht konzentrieren, legte bald das Buch weg, schaltete den Fernseher wieder ein und zappte sich durch die Programme. Thomas war bei seinem Geschäftsessen und müsste gleich wiederkommen.

Seit einigen Stunden fühlte Constanze sich schlecht. Sie konnte nicht genau sagen, was los war, aber etwas war nicht in Ordnung. Vielleicht brüte ich was aus, dachte sie. Die Kinder der Nachbarn hatten einen Magen-Darm-Infekt aus dem Kindergarten mit nach Hause geschleppt. Hoffentlich hatte sie sich nicht angesteckt. Inzwischen grummelte es in ihrem Bauch. Sie ging ins Bad und setzte sich auf die Toilette.

Dort saß sie, während es in ihrem Bauch weiter rumorte. Eine Spannung lag auf ihrem ganzen Unterleib. Sie wünschte, sie hätte etwas zu lesen mitgenommen, wollte aber nicht mehr aufstehen, falls der Durchfall begänne. Die alte Fernsehzeitung, die bis gestern neben der Toilette gelegen hatte, hatte sie heute morgen weggeworfen.

Es war, als löse sich etwas in ihrem Bauch. Sie wusste nicht, woher die Bauchschmerzen kamen. Der Darm? Unterleib? Sie konnte es nicht lokalisieren.

Und plötzlich ging es los mit dem Durchfall. Es spritzte nur so aus ihr heraus. Es fühlte sich falsch an. Völlig falsch. Constanze krümmte sich nach vorne und starrte vor sich auf den Boden, auf die marmorierten Bodenfliesen, die ihr so gut gefallen hatten, als sie das Bad geplant hatten.

Es lief weiter aus ihr heraus. Als ob ihr ganzer Bauch geleert würde. Sie schaute zwischen ihren Beinen hindurch und sah Blut gemischt mit Kot. Sie spürte, wie sie aus der Scheide blutete und erschrak. Ihr war heiß, gleichzeitig lag eiskalter Schweiß auf ihrer Haut. Ihr Darm war geleert, doch aus ihrer Scheide lief immer noch Blut und Flüssigkeit.

Draußen hörte sie ein Geräusch. Vielleicht war Stefan aufgewacht? Auf keinen Fall durfte er sie so sehen. Hektisch stopfte sie sich Klopapier zwischen die Beine, zog die Hose hoch, schleppte sich mit zusammengekniffenen Beinen zur Tür und drehte den Schlüssel um.

In unserer Familie gehen Schwangerschaften immer gut, hatte ihre Mutter gesagt. Sie gehen immer gut, wir verlieren keine Kinder.

Warum bin ich nicht zum Arzt gegangen, weinte Constanze still in sich hinein, während sie sich zurück zur Toilette schleppte. Sie schaute in die Kloschüssel, um zu sehen, was passiert war, aber sie konnte keine Einzelheiten erkennen.

Sie sah Braun und Rot und sie schämte sich. Schämte sich, weil die Reste ihres Kindes hier in der Toilette zwischen Kot und Krümeln des Klosteins herumschwammen. Weil man niemandem von diesem Erlebnis erzählen konnte.

Aber es war ja nur ein bisschen Bauchweh gewesen. Ich dachte, ich bekomme Durchfall, ging es ihr durch den Kopf. Das konnte ich doch nicht ahnen, dachte sie. Sie schluchzte, aber das trieb ein weiteres kleines Rinnsal aus ihrer Scheide.

Das Klopapier zwischen ihren Beinen war nass. Sie zog die Hose herunter. Das Klopapier war blutig. Die ganze Lage war verrutscht, so dass die Unterhose hinten etwas mit Kot verschmiert war. Constanze heulte vor Scham. Sie begann sich zu säubern und warf das Toilettenpapier ins Klo, um die Katastrophe, die darin lag, nicht weiter betrachten zu müssen. Eine Schicht nach der anderen, bis man kaum noch etwas von der Sauerei darunter sah.

Als sie wieder sauber war und nicht mehr so viel Blut nachkam, drückte sie auf die Toilettenspülung. Aber es war zu viel Papier in der Schüssel, so dass sich das Wasser staute bis zum Rand. Schluchzend und mit zusammengekniffenen Beinen pumpte sie mit der Klobürste auf und ab, bis sich die Verstopfung löste und der Rest abfloss.

Constanze schlüpfte aus Hose und Unterhose und warf die Unterhose zur Seite. Am Waschbecken befeuchtete sie weiteres Klopapier und wusch sich damit zwischen den Beinen. Sie warf das Papier in die Toilette und spülte erneut. Jetzt floss das Wasser ab. Dann steckte sie sich ein sauberes Handtuch zwischen die Beine und zog die Hose darüber.

Lange wusch sie sich die Hände, die ihr richtig klebrig erschienen. Sie massierte die Flüssigseife in die Handflächen und zwischen die Finger, spülte mit klarem Wasser nach und trocknete die Hände ab.

Vorsichtig schloss sie die Tür auf, öffnete sie einen Spalt und horchte. Dann schaute sie vor die Tür. Nichts von Stefan zu sehen. Wahrscheinlich war das Geräusch vom Fernseher gekommen.

Sie knüllte die versaute Unterhose zusammen und schleppte sich in die Küche. Dort packte sie den Slip in eine dicke schwarze Mülltüte und steckte diese in den Mülleimer tief unter den anderen Müll.

Dann suchte sie das Telefon. Thomas müsste doch schon zurück sein. Sie versuchte ihn zu erreichen, aber sein Telefon war ausgeschaltet. Der Teilnehmer ist im Moment nicht erreichbar. Constanze atmete zu schnell, ihr wurde schwindlig. Sie schwitzte. Sie ließ sich auf einen Stuhl sinken und wählte dann die Nummer ihrer Eltern. Ihr Vater nahm ab, gab aber den Hörer sofort weiter an ihre Mutter. Constanze hörte sich selbst sprechen. Sie klang wie ein seltsames krankes Tier. Ihre Mutter verstand sie zuerst nicht. Mutti, ich hab mein Kind verloren. Was soll ich tun. Soll ich ins Krankenhaus. Thomas ist nicht da. Mutti, bitte komm.

Ihre Mutter versprach ihr, sofort zu kommen. Sie sagte noch mehr Sachen. Über Krankenwagen. Was mit Stefan sei. Constanze wusste nicht mehr genau, was sie gesagt hatte. Sollte sie den Krankenwagen rufen oder kümmerte sich ihre Mutter darum? Sie wusste es nicht mehr. Sie sank mit dem Kopf auf den Esstisch und schluchzte leise vor sich hin. Wieder wählte sie Thomas‘ Handynummer und drückte danach immer wieder die Wahlwiederholungstaste, bis ihre Mutter mit dem Reserveschlüssel für Notfälle aufschloss, zu ihr kam und einen Krankenwagen rief.

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