9. Kapitel: Danach

Vanessa lag mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken. Sie musste nun wirklich dringend zur Toilette. Eigentlich hatte sie schon in der Tapas-Bar gemusst, aber es war ihr zu jedem Zeitpunkt unpassend erschienen, zumal sie in der verwinkelten Bar nicht den Weg zu den Toiletten hatte erkennen können. Sie hatte einfach nicht gewusst, wen sie hätte fragen sollen. Thomas? Den Kellner? Und was hätte sie zu Thomas sagen sollen? Entschuldige mich mal kurz. Bin gleich wieder da. Ich gehe mal zur Toilette. Ich geh mich mal frisch machen. Ich geh mir mal die Nase pudern. Wie zur Hölle macht man das bei einem ersten Date mit einem Mann wie Thomas?

Auf dem Weg aus dem Lokal hatte sie dann das Hinweisschild zu den Toiletten gesehen, sie musste es beim Hineingehen übersehen haben. Und als sie dann bei ihr zu Hause angekommen waren, hatte sie sich nicht mehr getraut. Sie hatte ihn hereingebeten und er hatte sofort ja gesagt.

Sie hatte ihm ihre Wohnung zeigen wollen. Die Möbel waren relativ günstig und auf Raten gekauft, aber das wusste ja keiner. Und sie war stolz darauf, dass alles zusammenpasste und vom Stil her angesagt war. Besonders auf das Wohnzimmer war sie stolz – wie aus dem Katalog, hatte eine Kollegin gesagt, die sie besucht hatte. Weiße Wände mit geschickt gesetzten lila Akzenten, die dunkelgraue Couch, die weißen Möbel. Auch Thomas schien beeindruckt.

Auf einmal war ihr aber aufgefallen, dass die Wohnung klein war. Das war ihr vorher gar nicht bewusst gewesen. Und so hatte sie Angst bekommen, dass er sie in der kleinen Wohnung durch die Badezimmertür hätte pinkeln hören können. Im Nachhinein kam sie sich deshalb jetzt sehr dumm vor, sie hätte doch einfach Musik anmachen können. Das hätte auch dem späteren Gestöhne etwas von seiner Obszönität genommen. Aber sie hatte eben in der Aufregung nicht daran gedacht.

Dann war eins zum andern gekommen und es fand sich einfach nie der geeignete Zeitpunkt, um zu sagen: Du, ich geh mal grad aufs Klo.

Als er auf ihr gelegen hatte, hatte sein Gewicht zusätzlich auf ihre Blase gedrückt, deshalb hatte sie gefragt, ob sie oben sein dürfe. Dann war es gegangen, weil sie durch ihre Bewegungen den Druck ausgleichen konnte. Aber er hatte sie dadurch anscheinend für experimentierfreudiger gehalten, als sie war, und er hatte sie von hinten gewollt. Ihr war einfach nicht schnell genug kein passender Grund für ein NEIN eingefallen.

Und danach hatte er regelrecht gegen ihre Blase gehämmert, so dass sie sich nun wirklich nicht mehr hatte entspannen können. Aber ihr war einfach nichts eingefallen, wie sie ihm diese Peinlichkeit hätte erklären sollen.

Vanessa kniff die Beine zusammen und stand auf. Obwohl sie nur winzige Trippelschritte machte und die Oberschenkel fest zusammengepresst hielt, merkte sie, wie Thomas‘ Sperma aus ihr herauszulaufen begann. Sie ging ins Bad und setzte sich auf die Toilette. Obwohl sie so dringend musste, hatte sie so lange eingehalten, dass es ein paar Sekunden dauerte, bis der Urin zu fließen begann. Sie zitterte und bekam eine Gänsehaut. Als ihre Blase endlich leer war, blieb die Erleichterung aus, denn sie war so voll gewesen, dass sie jetzt erst einmal schmerzte.

Neben dem Geruch des Urins kroch der salzige Eiweißgeruch des Spermas an ihre Nase. Sie spürte, wie klebrig sie zwischen den Beinen war. Sie wischte sich mit dem Klopapier ab und blieb weiter auf der Klobrille sitzen, weil sie einfach nicht wusste, wohin sonst.

Vanessa wusste, sie hätte verhüten sollen. Aber sie hatte schlicht und einfach nichts zum Verhüten da gehabt. Seit ihrem Exfreund David, mit dem sie vor drei Jahren Schluss gemacht hatte, hatte sie mit keinem Mann mehr etwas gehabt. Warum also verhüten? Sie war fest davon ausgegangen, dass Thomas ein Kondom dabei hätte. Sie konnte ihn doch aber schlecht danach fragen. Mit David war aber auch nie etwas passiert, obwohl sie beide in den ganzen zwei Jahren sehr schlampig mit dem Thema Verhütung umgegangen waren. Und David war letztes Jahr Papa geworden mit seiner neuen Freundin. An ihm konnte es also nicht gelegen haben. Seitdem war sie ohnehin fast überzeugt, dass sie unfruchtbar war. Also würde jetzt wohl auch nichts passiert sein.

Vanessa stand auf, spülte ab und ging in Richtung Schlafzimmer. Bei jedem Schritt fühlten sich ihre Oberschenkel und Schamlippen klebrig an, also drehte sie um, stieg unter die Dusche und wusch sich zwischen den Beinen. Dann trocknete sie sich ab, ging ins Schlafzimmer und legte sich auf das Bett. Ihr war warm, deshalb zog sie die Decke nur über Bauch und Oberschenkel. Sie griff sich die Fernbedienung vom Nachtkästchen und schaute auf dem uralten winzigen Fernseher Wiederholungen von „Ally McBeal“ an, bis sie einschlief.

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