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02.04.2005, © Vivienne
Die andere Seite
Bisweilen.
Verrennt man sich in kalten Hass.
Tiefes Selbstmitleid.
Ohnmächtige Wut.
Gegen den anderen.
Gegen die anderen.
Tiefes Unrecht.
Oder auch nur vermeintliches Unrecht.
Kategorie Blöd gelaufen.
Eine unausgegorene Sache zwischen zwei Menschen.
Ein Missverständnis.
Zwei unterschiedliche Sichtweisen.
Nie aufgeklärt.
Und eines ganz besonders.
Angst.
Sehr viel Angst.
Angst, die Wahrheit zu sagen.
Aus Angst zu verlieren.
Angst selber zu fragen.
Aus Angst, zu brüskieren.
Aus Angst, alles kaputt zu machen.
Aus Angst, erst recht zu verlieren.
Angst
Menschlich nachvollziehbar.
Wer zögert nicht vor einer unangenehmen Aufgabe?
Wir können der Situation ausweichen.
Bisweilen ganz gut.
Und eine ganze Weile.
Früher oder später kommt die Konfrontation dann doch.
Ob wir wollen oder nicht.
Oft zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Desillusion.
Und viel Scherben.
Der eine vielleicht verdattert.
Der andere am Boden zerstört.
Eine Freundschaft in Gefahr.
Oder eine Liebe.
Und nichts wird mehr sein, wie es war.
Ist so eine Situation zu retten?
Ja.
Wenn man sich der Situation stellt.
Und endlich alles ausredet.
Wenn beide wollen
Die Kunst ist beide Seiten zu sehen.
Nicht nur den eigenen Standpunkt.
Oft ist der Schmerz auf der einen Seite groß.
Man fühlt sich verschaukelt.
Ausgenutzt.
Je nach Situation.
Der andere ist auch angeschlagen.
Möglicherweise versteht er die Aufregung nicht.
Oder er fühlt sich ertappt.
Schuldig.
Und weicht einer Aussprache erst recht aus.
So verständlich die Gefühle sind.
Auf beiden Seiten.
Die Standpunkte verhärten vielleicht.
Man zieht sich voneinander zurück.
Verharrt eingeigelt.
Aber das regelt die Situation nicht.
Man darf schon seine Wunden lecken.
Sich zurückziehen.
Kraft schöpfen.
Aber solche Situationen sind wie ein Eiterherd.
Wenn man ihn nicht richtig behandelt.
Wird er immer wieder kommen.
Auch wenn man sich scheinbar versöhnt.
Einen Schlussstrich zieht.
Ohne die Wunde zu behandeln.
In der Hoffnung.
Irgendwann wird es von selber gut.
Aber das kann ein Trugschluss sein.
Ohne Reden keine Lösung.
Nicht einmal sie garantiert immer Konsens.
Aber durch Reden lebt die Hoffnung.
Durch Reden.
Und durch die Einsicht.
Auch die Sichtweise des anderen hat ihre Berechtigung.
Diese Erkenntnis ist ein Meilenstein.
Aber der Schlüssel zur persönlichen Reife
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