Liebeskrank – Teil 18

Die Tür meiner Wohnung fällt hinter mir ins Schloss.
Ich sperre ab.
Heute war ich das letzte Mal da.
Ich kann es gar nicht glauben.
Unsicher gehe ich zum Lift.
Drehe mich um.
Starre auf meine Tür.
Ein Lebensabschnitt geht zu Ende.
Nicht sehr glücklich.
Ohne große Momente.
Und trotzdem bin ich wehmütig.
Ich weiß, dass Frank unten auf mich wartet.
Und dennoch warte ich vor dem Lift.
Kann den Blick nicht von der Tür wenden.
Alles ist anders.
Nach Jahren des Leids wieder eine Beziehung.
Unerwartet.
Wie ein Apfel, der mir in den Schoß fiel.
Mit roten Backen und glänzender Schale.
Oder besser gesagt mit wunderschönen blauen Augen…

Der Lift geht auf.
Frank nimmt meine Hand.
Ich habe schon gedacht du bist eingeschlafen.
Ich schüttle den Kopf.
Dann folge ich Frank in den Lift.
Im Erdgeschoß gebe ich den Schlüssel beim Hausmeister ab.
Mir gehen ein paar Dinge durch den Kopf.
Ich muss mich ummelden.
Morgen früh am besten.
Dann hab ich es hinter mir.
Wir sitzen im Auto.
Heimfahrt.
Wieder dieses komische Gefühl
Und ein Moment, in dem ich meine, ich müsst ersticken.
Einsamkeit ist unerträglich.
Zweisamkeit muss aber auch erst gelernt sein.
Vor allem, wenn man jetzt ganz eng zusammenrückt.
Nun kann ich nicht mehr aus.
Keine Flucht in mein Refugium mehr möglich.

Aber brauche ich denn überhaupt eine Fluchtmöglichkeit?

Frank redet in der Zwischenzeit.
Belangloses.
Stress in der Arbeit.
Stau bei der Fahrt in die Arbeit.
Ab und zu werfe ich ein Wort ein.
Da schau her!
Na so was!
Aber geh?
Frank merkt genau, dass ich nicht bei der Sache bin.
Er parkt vor dem Wohnblock.
Zieht die Handbremse an.
Dann dreht er sich zu mir.
Möchtest du mir nicht sagen, was los ist?
Woran denkst du?
Kann ich irgendetwas für dich tun?
Ich schüttle den Kopf.
Es ist alles nur so ungewohnt.
Ich weiß gar nicht mehr, wie das ist.
Wie das ist, mit jemandem zusammen zu leben.
In einer Wohnung.
Ich spüre wie ich friere.
Dann sehe ich Frank an.
Ich habe Angst.
Frank nimmt mich in den Arm.
Ich schließe die Augen.
Rieche sein Rasierwasser.
Und ein wenig Schweiß.
Spüre seine Wärme.
Und ich frage mich, wovor ich mich überhaupt fürchte…

Eine Stunde später.
Gute Nachrichten aus Salzburg.
Die Chemotherapie schlägt bei Stefan gut an.
Der Tumor ist geschrumpft.
Es geht ihm besser.
Viel besser.
Weniger Schmerzen.
Und Susanne steht vor der Geburt des gemeinsamen Kindes.
Es wird ein Mädchen werden…
Frank öffnet eine Flasche Prosecco.
Keine Ahnung, warum er die in der Wohnung hatte.
Wir stoßen an.
Auf uns!
Auf Stefan und Susanne!
Auf das Baby!
Frank wirkt euphorisch.
Und drängt mir ein zweites Glas auf.
Obwohl ich eigentlich gar nicht will.
Ich trinke wenig Alkohol.
Höchstens mal ein Bier.
Schließlich stellen wir beide die Gläser weg.
Und auch die Flasche.
Wir lieben uns auf der Couch.
Ziemlich beschwipst.
Aber sehr fröhlich.
Ich fühle mich fast schwerelos.
Und schlafe in Franks Armen ein.

Stunden später werde ich wach.
Fast Mitternacht.
Der Rücken tut mir weh.
Und Frank ist nicht da.
Seltsam.
Mir ist kalt.
Ich ziehe mein T-Shirt an.
Und beginne Frank zu suchen.
Schließlich höre ich ihn.
Frank steht im Bad.
Er telefoniert.
Seine Stimme klingt gedrückt.

… ich weiß nicht, ob sie bei mir wirklich glücklich ist.
Manchmal hab ich Angst sie läuft mir davon…

© Vivienne

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