Über Gleichberechtigung und Gleichstellung in diesem Lande…

Erst kürzlich demonstrierte es ein Artikel auf orf.at wieder anschaulich und offensichtlich: Frauen verdienen in Österreich weniger, deutlich weniger als Männer. Sie haben keine oder weitaus geringere Chancen auf Positionen in der Führungsebene und tappen schneller in die Armutsfalle: als Alleinerzieherinnen, aber auch als Singlefrauen, die den Job verlieren oder denen durch Veränderungen im Job oder in den Jobstrukturen plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Solches ist zwar, zumindest teilweise, rechtlich nicht gedeckt, aber es kräht kein Hahn danach, wenn nicht gerade Leute aus geschützten Beamtenhierarchien, die ohnedies wie die Made im Speck leben (vergleichsweise zumindest) wegen Bagatellen (vergleichsweise zumindest) vermeinen sich lautstark zur Wehr setzen zu müssen. Österreich ist ein Beamtenland, keine Frage, und außerdem gilt in diesem Lande auch, scheint es, noch immer die Regel, dass der Mann das Geld heimbringen soll. Die Frau soll sich zu allererst einmal um den Haushalt kümmern! Dann darf sie auch ein bisserl was verdienen…

Manche soziale Gruppierung glaubte Frauen mit dem Recht auf Teilzeitjobs einen Gefallen zu tun. Die Wahrheit ist, dass nichts die Frauen mehr zurückgeworfen hat als diese vermeintliche Errungenschaft. Mit meinen vierundvierzig Jahren und einiger Lebenserfahrung bin ich heute der Ansicht, dass es weit eher ein Recht der Frauen auf Ganztagsjobs geben müsste. Das ist aber in vielen Branchen gar nicht möglich: etwa in Supermärkten oder Drogeriemärkten wird der Philosophie gehuldigt, dass es schon aus Prinzip für Frauen keine Vollzeitjobs geben darf. Der Grund dafür lässt sich leicht eruieren: in diesen Bereichen gibt es saisonal (Weihnachten etwa) viele Überstunden zu leisten, und die kommen bei einem Teilzeitarbeitsplatz billiger und können auch leichter als Zeitausgleich abgebaut werden. So kann ich zwei Frauen sehr einfach für je 25 Stunden einstellen und sie regelmäßig 35 und mehr Stunden arbeiten lassen. Würde man die Frauen gleich 40 Stunden einstellen, käme ihre Arbeitskraft in der „toten Saison viel zu teuer. Dass der Dienstgeber dabei diese Frauen kräftig ausnutzt und vor allem die Abhängigkeit von ihrem Partner fördert, sind nur zwei Nebeneffekte, von denen alle anderen profitieren die den Frauen aber schaden…

Meine Mutter, die bis zu ihrer Heirat durchgehend berufstätig war, wurde seinerzeit, 1963 quasi ausgesteuert. Sie erhielt nach der Hochzeit einen Teil der einbezahlten Sozialversicherung zurück und verzichtete damit auf jeden eigenen Pensionsanspruch! Den sie durchaus gehabt hätte, allein schon durch die Anzahl der Kinder, aber auf diese Weise sparte sich der Staat eine Menge Geld auf Kosten der Eigenständigkeit und der finanziellen Unabhängigkeit meiner Mutter. Geld, das der Familie übrigens auch nach der Pensionierung meines Vaters aufgrund vieler Kredite an allen Ecken und Enden fehlte. So wie meiner Mutter ist es vielen Frauen ihrer Generation gegangen und die meisten konnten froh sein, wenn sie noch Putzjobs oder ähnlich Dürftiges verrichten konnten, als die Kinder aus dem Haus waren. Es war nie ein Honiglecken, Frau zu sein und sich als Ziel eine Familie und Kinder zu setzen, aber damals war es nichts anderes als der Verzicht auf Eigenständigkeit und auf eine bessere Perspektive. Persönliche Träume und Selbstverwirklichung der Frauen blieben bei Gartenarbeit und beim Kuchenbacken auf der Strecke…

Natürlich hat sich die Situation für Frauen im ausklingenden 20. Jahrhundert geändert, aber der Idealzustand ist weit entfernt und geringere Stundenlöhne im Vergleich zu Männern in vergleichbaren Positionen sind die Norm. Da mag am Stammtisch lautstark das Gegenteil gelästert werden… Merke: wenn ein Mann und eine Frau dasselbe machen, dann ist der Mann immer besser darin, nicht nur das, er edelt auch die Tätigkeit. Man nehme nur Koch und Köchin her. Es gibt jede Menge so genannter Meisterköche aber Frauen (deren ureigenste Arbeit das ja sein müsste) mit ähnlichen Erfolgen gibt es wenige. Das liegt daran, weil sich Männer besser verkaufen können ohne automatisch besser sein zu müssen. Auch wenn Jobs in Führungspositionen vergeben werden (einmal abgesehen vom Parteibuch jetzt, das ja gerade in unserem Land eine wichtige Rolle spielt): diese Positionen werden von anderen Menschen in noch übergeordneteren Positionen vergeben, und das sind nun mal meistens auch Männer. Männer unter sich haben denselben Humor, dieselben Schmähs und oft auch dieselben Macho-Allüren. Frauen wären da nur Eindringlinge und könnten schließlich weder die Witze noch das Gehabe nachvollziehen. Ganz einfach, man muss wieder einen Mann einstellen…

Ich habe selber nur einen Teilzeitjob und mit eigener Wohnung ist mir mit meinem Gehalt nicht viel Spielraum gegeben. So war ich seit über vier Jahren nicht mehr auf Urlaub, ich kaufe bei Billigsdorfer nur Aktionen und was ich früher nicht für möglich gehalten hätte: ich lege bisweilen auch abgelaufene Ware, die ermäßigt ist, in den Einkaufskorb. Ich kann Ihnen versichern, liebe Leser, zeitweise steht man mit einem Fuß am Abgrund und von Markenkleidung oder einer teueren Einrichtung kann ich nur träumen. Von meiner Pensionsperspektive gar nicht erst zu reden! Dennoch würde ich mich nie aus Jux und Dollerei oder gar gezielt in eine Beziehung stürzen und damit in die noch viel schlimmere Abhängigkeit wechseln. Denn Sicherheit gibt es nie, in einer Beziehung schon gar nicht. Finanzielle Eigenständigkeit und eine eigene Wohnung (klein aber fein) sind für mich der Luxus, den ich meine. Und lebensnotwendig brauche. Auch wenn in unserem Land teilweise durchaus die Meinung herrscht, dass es uns so gut geht und dass wir eine Nation sind, in der quasi Milch und Honig fließen… Frauen, die selbst bestimmt und unabhängig leben möchten, wird es oft verdammt schwer gemacht.

© Vivienne

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