Zum Beispiel Flugzeugabstürze

Ist Fliegen mit Gefahr verbunden?
Um es kurz zu machen, alles auf der Welt ist mit Gefahren verbunden.
Doch die oben provokant gestellte Frage lässt sich leider nicht kurz beantworten.
Schon mal gar nicht mit Ja oder Nein.

Derjenige, der sich diese Frage selber stellt, wird angesichts des Fluges AF 447 und der damit verbundenen Katastrophe und dem damit verbundenen Tod dieser Menschen, sicherlich eher mit Ja, denn mit Nein antworten.

Dabei müsste diese Frage eigentlich ganz anders gestellt werden.
Ist es wesentlich gefährlicher, ein Flugzeug zu besteigen, als mit anderen Verkehrsmitteln zu verreisen?

Diese spezifische Fragestellung lässt sich auch unter dem Eindruck dieses Unglücksfluges nicht mehr so leicht mit Ja beantworten, da uns in gewisser Weise ein hierzu notwendiges Grundwissen fehlt.

Wir, die modernen Menschen, die es als vollkommen selbstverständlich nehmen, in ein Paar Stunden die Welt zu umrunden, werden immer dann aus unserem Traum gerissen, wenn sich Katastrophen wie die des Fluges AF 447 ereignen.

Während meiner eigenen fliegerischen Ausbildung wurde von den Schülern immer der Weg im Auto zum Flugplatz, als das wohl größte Risiko benannt.

Rein statistisch dürfte es schon vor vierzig Jahren so gewesen sein. Die Anzahl der Passagiere hat sich in dieser Zeit allerdings versiebzehnfacht und die der zurückgelegten Flugkilometer vervierzigfacht.

Alles nur Durchschnittwerte und nicht auf jede Flugbewegung anzuwenden, aber überaus bemerkenswert.
Die Tendenz, die hieraus abzulesen ist, scheint erkennbar zu sein. Wir bewegen uns in der Luft beinahe sicherer als auf der Erde.

Allerdings sind Flugzeugunfälle meist spektakulärer und werden daher von den Medien auch besonders ausführlich vor den Zuschauern und Lesern ausgebreitet.
Das Unglück vom Pfingstmontag lässt sich noch nicht abschließend beurteilen, da vieles bisher nur zu vermuten ist.

Bekannt ist allerdings, dass sich drei Piloten an Bord befanden, deren einer sehr große Flugerfahrung auf genau diesem Typ von Airbus hatte.

Weiterhin ist bekannt, dass gerade dieses Flugzeug in der Vergangenheit Probleme mit der Fahrtmesseranzeige hatte.

Vom Hersteller wurde schon sehr früh auf diesen Umstand hingewiesen.

Weiterhin ist bekannt, dass die Cockpit-Crew grundsätzlich nicht ihren ursprünglich vorgesehenen Flugweg einhalten konnte, da sich ein Unwettergebirge von möglicherweise über siebzehn Kilometern Höhe vor ihnen auftürmte.

Nicht besonders zu erwähnen, aber der Versuch ein solches Unwetter zu überfliegen verbietet sich von selber und ist daher auf strengste Weisung der Airlines, für die Piloten absolut verboten.

Einfach hindurch zu fliegen verbietet sich auch von selber.

Bei solchen Wetterbedingungen werden vorsorglich die Triebwerkszündungen auf Dauerbetrieb geschaltet. Hierdurch wird sichergestellt, dass, falls Wasser in die Turbinen eindringt, diese sofort wieder gezündet werden.

Von einer vorher gestarteten Maschine war die Wetterlage korrekt beschrieben worden, sodass alle folgenden Crews nach Westen auswichen und eigentlich keine Nachteile in Kauf nehmen mussten.

Piloten haben meist den Ergeiz, Verspätungen durch Umwege bedingt, später wieder hereinzuholen. Was meist unspektakulär geschieht und meist dadurch gelingt, dass man Höhen aufsucht, wo die Rückenwindkomponente besseres Vorwärtskommen garantiert.

Bekannt ist allerdings auch der Umstand, dass der Bordcomputer mehrmals in der ersten halben Stunde nach dem Start von AF 447, den Autopiloten abgeschaltet hatte. Was dann auch wiederum, auf sich gegeneinander widersprechende Fluglage- und Geschwindigkeitsanzeigen schließen lässt.

Nur, wenn es dem Pilotenteam nicht sofort gelingt, diese sich widersprechenden Parameter zu enträtseln, dürfte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit gemacht haben.
Aus dem Fenster zu schauen, um die Lage des Flugzeugs im Raum zu bestimmen, ist, noch dazu bei Nacht, während eines Unwetters beinahe unmöglich.

Es gibt für beinahe alle Flugzustände die auftreten können, vorgeschriebene Prozedere. Vorgeschrieben teils vom Hersteller, meist von der Airline. Darüber hinaus auch von der Internationalen Flugbehörde und den nationalen Flugbehörden.
Diese Vorschriften werden bei Simulationsflügen immer wieder durchgespielt.
Allerdings macht es einen Riesenunterschied, ob man Simulator oder eine Echte Maschine fliegt. Die Simulation soll den erfahrenen Piloten meist dazu veranlassen, seine Hemmungen vor ungewohnten Zuständen abzubauen. Dabei wird besonders auf ganz korrektes Prozedere geachtet.

Was auch immer zu diesem Unglück geführt haben mag, und ich zweifele beinahe daran, dass es jemals genau heraus zu bekommen ist, es war nicht nur eine einzige Ursache. Hier müssen mehrere Gründe eine zusammen genommen, sehr verhängnisvolle Rolle gespielt haben.

Das Flugzeug hat der Menschheit die einmalige Möglichkeit gebracht, innerhalb kürzester Zeit an beinahe alle Punkte der Welt zu kommen. Und das bei dem wohl geringsten Risiko, hierbei eines ungewöhnlichen Todes zu sterben.

Das Fliegen ist nicht gefährlicher als jede andere Fortbewegung mittels moderner Technik.
Statistisch gesehen, ist Fliegen am sichersten.

Jedoch überkommt auch mich, angesichts solcher Schreckensmeldungen, jedes Mal ein Grummeln im Bauch.

Der Mensch hat wohl in der Evolution noch kein Organ entwickelt, dass ihn das Fliegen oder auch nur das Schnellfahren mittels KFZ, als ganz normal vorkommen lässt.
Und das gilt auch für Berufspiloten. Eigentlich ein Umstand, der für das Fliegen spricht. Schließt dieser Makel doch sicherlich aus, dass ein Pilot seinem angeborenen Respekt entgegen, mit dem Leben dem ihm anvertrauten Passagiere spielt und er daher besondere Risiken eingehen würde.

Wir werden weiterhin solche Unglücke verkraften müssen. Daher ist es sehr wichtig, dass die Gründe für dieses Unglück bekannt werden. Nur wenn die Schreiber gefunden werden und die weiteren Untersuchungen zu einem eindeutigen Ergebnis führen, sind diese Menschen nicht ganz umsonst gestorben.

A.S. im Juli 2009

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