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20.11.2005, © Vivienne

Man muss nicht alles wissen

Ich gebe es zu.
Ich hinterfrage gern alles.
Ich möchte alles wissen.
Die Hintergründe kennen.
So weit es geht.
Und versuchen, alles herauszufinden.
Das tut mir aber nicht gut.
Ich decke dann oft Dinge auf.
Die ich besser nicht gewusst hätte.
Vielleicht auch nur Teilaspekte.
Aber ich bekomme sie in die falsche Kehle.
Gewichte sie nicht richtig.
Die Folge:
Die Fakten belasten mich.
Sie ziehen mich hinunter.
Beschweren mein Gemüt.
Und ich leide.
Vielmehr als nötig.
Solche Erfahrungen reißen mitunter Narben.
Die oft lange nicht heilen.
Schmerzen, die ich  mir sparen hätte können.
Hätte ich mich nicht so viel darum gekümmert…

Der Mensch neigt dazu, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Ich gehöre ganz besonders zu dieser Spezies.
Ich bin wie ein Spürhund.
Mit einer seltenen Neigung.
Ich bin ein „Schwarzer Engel“.
Oft enttarne ich verborgene Zusammenhänge wie zufällig.
Sie eröffnen sich mir, als hätten sie nur auf mich gewartet.
Ich kann mir das dann nicht wirklich erklären.
Aber es ist so.
Es passiert mir immer wieder.
Diese Eigenschaft kann belastend sein.
Manche Dinge möchte ich einfach nicht wissen.
Weil ich Kopfweh davon bekomme.
Oder unruhig werde.
Ich habe gelernt aus früheren Erfahrungen.
Ich will mir Derartiges nicht mehr aufbürden.
Wenn es sich vermeiden lässt.
Aber leider werde ich da nicht gefragt…
Wie ich schon sagte.
Mein Misstrauen tut ein Übriges.
Ich stelle vieles in Frage.
Fast automatisch.
Bemüht, den Fragen auf den Grund zu gehen.
Die mich vielleicht nur wieder um meine Ruhe bringen.
Schlafende Hunde wecken… 

Gesunde Oberflächlichkeit.
Sie ist ein Privileg.
Ich habe diese Eigenschaft verloren.
Den Dingen unvoreingenommen entgegen zu treten.
Ich vermisse sie manchmal.
Wenn ich meine Wunden zähle.
Die Wunden, die fast täglich mehr werden.
Weil mich das Misstrauen zerfrisst.
Oder mich Rätsel quälen.
Deren Lösungen mir noch weniger behagen.
Das Leben hat mich geprägt.
Aber neugierig bin ich von Natur.
Im Grunde würde ich gerne alles so lassen.
Wie es ist.
Gerne alles glauben.
Man muss nicht alles aufdecken.
Wäre es nicht so einfach?
Es ist wie es ist.
Der Rest kümmert mich nicht.
Manches deckt sich ohnehin von selber auf.
Irgendwann.
Warum nach etwas bohren?
Das nicht reif ist dazu, entdeckt zu werden?
Noch nicht?

Am besten schläft der.
Der nicht lange fragt.
Sondern nimmt, was kommt.
Zumindest bisweilen.
Man muss nicht alles wissen…

Vivienne

 

 

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