Ein Eintrag ins Tagebuch – Teil 6

Heute habe ich einen Tag für mich genossen.
Mir einfach frei genommen.
Ganz spontan.
Ich habe ihn gebraucht.
Diesen Tag.
Wirklich.
Ich fühlte mich am Morgen wie zerschlagen.
Und unglücklich…
Ich habe mich wieder selbst gequält.
Zur Genüge.
Mit alten Geschichten.
In die ich mich vertiefte.
Obwohl ich sie nicht mehr ändern kann.
Sie mir nur mehr Warnung sein können.
Für die Zukunft.
Aber nicht ungeschehen gemacht werden können!

Was war ich dumm!
So oft…
In den letzen Jahren.
Hab ich mich auch nur einmal verliebt in jemanden.
Der es wirklich wert war?
Nein.
Keiner von ihnen war meine Gefühle Wert.
Nicht ein einziger.
Mir schlug so viel Falschheit entgegen.
Lüge.
Berechnung.
Und Schweigen…
Woran liegt das?
Gibt es keinen für mich?
Der mich ehrlich gern hat?
Der mich will?
Vorbehaltlos?
Ich lege meine Stirn in Falten.
Geben wird es sicher einen.
Vielleicht auch mehrere.
Aber ich nehme sie nicht wahr.
Der Grund dafür liegt bei mir.
Selbsthass.
Unbewusst gönne ich mir selber kein Glück.
Wahrscheinlich ein Manko aus der Kindheit…
Komplexe…
Ängste…
Erfahrungen…
Und jeder Reinfall schürte den Glauben:
Mich will ja doch keiner!
Ich bin es nicht Wert!
Dabei ist das gar nicht wahr.
Ja, ich weiß, woran es liegt.
Aber wie lege ich diese Schuhe ab?
Die mir nicht passen?
Die mir Schmerzen verursachen?
Beim Gehen?
Und überhaupt?
Sie scheinen fest angewachsen zu sein…

Es war schön heute Nachmittag.
Ich habe im Garten gearbeitet.
Bei den Rosen.
Und bei den Stauden.
Ich habe dürre Äste entfernt.
Habe widerspenstige Zweige hochgebunden.
Stützte schwere Äste ab.
Damit sie nicht brechen.
Ich habe mich gestochen dabei.
Und ich bin ins Schwitzen gekommen.
Aber es tat mir auch gut.
Meine Gedanken waren ganz leicht.
Fast frei.
Nur mit der Natur beschäftigt.
Und ich war stolz und zufrieden.
Als ich alles fertig hatte.
Schon seltsam.
Das Blut einiger Generationen von Bauern fließt in mir.
Blut, von dem ich nichts merke.
Wenn ich am Computer sitze.
Und Literatur verfasse.
Oder mich zumindest darin versuche.
Ich habe nichts übrig für Bauernarbeit.
Für frühes Aufstehen.
Und harte Arbeit aus Passion.
Ohne Urlaub und Freizeit.
Aber manchmal.
Wenn ich wie heute im Garten werke.
Und das gerne.
Dann spüre ich das Blut meiner Vorfahren doch.
Obwohl ich es sonst gerne leugne…

Vivienne/Gedankensplitter

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