Neue Bohnen Zeitung


ROCK- UND POP-LEXIKON
von Vivienne  –  Jänner 2004



Tina Turner – Teil 1

Nachdem Tina mit Rhythm & Blues Songs den Durchbruch nicht schaffte, wechselte sie zum Rock’n Roll und das erwies sich als goldrichtig. Anfang der 80er Jahre coverte sie noch erfolglos „Help“ von den Beatles und „Let’s stay together“ von Al Green, bis sie im Jahr 1984, mit sage und schreibe 45 Jahren mit „What’s Love Got to do with it“ Musikgeschichte schrieb. Als älteste  Künstlerin überhaupt erreichte sie Platz 1 der Billboard Charts in den USA und hielt sich dort vier Wochen mit dem Song, den ihr die Australier Gary Britton und Graham Lyle auf den Leib geschrieben hatten. Das war Tina, ehrlich und ohne Makulage, wie sie leibte und lebte und ihr Leben beschrieb.

 

In der Folge rissen sich Weltstars darum, Songs für Tina zu schreiben oder mit ihrz u arbeiten. David Bowie, der sie immer unterstützt hatte und sie schon öffentlich als seine Lieblingssängerin bezeichnete, als noch niemand etwas von ihr wissen wollte, schrieb für sie „Tonite“ und nahm es mit ihr in einem genialen Duett auf. Mark Knopfler verfasste den Titelsong zu ihrem Comeback Album „Private Dancer“, in dem Tina ihre ganze Wandlungsfähigkeit ausspielt. Eric Clapton schrieb „Your Friends are tearing us apart“ für das Nachfolgealbum „Break every Rule“. Der kürzlich viel früh verstorbene Robert Palmer überließ ihr sein „Addicted to Love“, mit Rod Stewart nahm sie das Duett „It takes two“ auf. Und natürlich jede Mange Songs ihrer Haus- und Hofschreiber „Britton/Lyle“, neben „What’s Love…“ auch „We don’t need another Hero“ und „Typical Male“. Der Erfolg brachte ihr einige Musikpreise, darunter auch mehrere Grammys ein.

Mit einem Mal war Tina also wieder berühmt und begehrt in den USA und auf der ganzen Welt. Mitte der 80er Jahre füllte sie an fünf aufeinander folgenden Tagen fünf Mal das Münchner Olympiastadion. Und sie drehte einen Film mit Mel Gibson „We don’t need another Hero“, für den sie zwei Songs beisteuerte. Der Erfolg in den USA ließ dann in den Folge etwas nach, in Deutschland hingegen avancierte sie zum Superstar. „Simply the Best“ wurde dort eine Nummer 1, außerdem fand Tina ihr privates Glück an der Seite eines Mitarbeiters der deutschen Niederlassung ihrer Plattenfirma.

Wenig Menschen wissen, dass Tina, die für ihre prachtvolle Mähne berühmt ist, selber seit einer Pfuschaktion ihrer Friseurin in den 60er Jahren kaum mehr eigenes Haar besitzt und auf eine Perücke angewiesen ist. Ein paar kleine Schönheitsoperationen – beim Vergleich von alten und neuen Fotos ersichtlich – waren der überzeugten Vegetarierin beim Comeback nicht wenig hilfreich. In den 90er Jahren ebbte die Karriere schließlich langsam ab. Der Titelsong für den James-Bond-Film „Golden Eye“ und zwei neue Songs für den Soundtrack der Verfilmung ihres Lebens ragen aus dieser Zeitspanne heraus, weniger bedeutungsvoll andere Songs, etwa ein völlig verzichtbares Duett mit Eros Ramazotti.

Im Jahre 2000 lief die Abschiedstournee von Tina Turner und machte auch Station in Wien wo ich zu den etwa 50.000 begeisterten Fans im Ernst-Happel-Stadion gehörte. Unübersehbar, dass Tina es an Spritzigkeit und Temperament trotz ihres Alters mit den Girls in ihrem Team locker aufnehmen kann. Tina Turner hat sich in den letzten Jahren rar gemacht, sie lebt in der Schweiz und hält ihr Privatleben bedeckt. Ich gönne ihr den späten, großen Erfolg ehrlich, weil sie einem vor allem auch vor Augen führt, dass man sich nicht von scheinbaren Grenzen aufhalten lassen muss – von den Grenzen anderer nicht und noch viel weniger von den Grenzen, die man sich selber vermeintlich zu setzen für nötig hält.

„Die Dinge erfüllen sich, an die man wirklich glaubt. Der Glaube an etwas macht es geschehen.“

F. L. Wright

Vivienne

 

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