September naht…
Und wieder ein Geburtstag.
Wieder ein Jahr älter.
41 Jahre habe ich schon gelebt.
Nicht immer leicht.
Nicht immer schön.
Manchmal wirklich schlimm…
Aber es ging jedes Mal weiter.
41 Jahre.
Und kein graues Haar…
Dafür sind die Haare nicht mehr rot sondern blond.
Und die Augen leuchten noch immer blitzblau.
Einmal abgesehen von der ausgeprägten Zornesfalte.
Ich sehr noch ganz gut aus.
Eine Kollegin hielt mich erst kürzlich für Anfang dreißig.
Sie häufen sich, die Komplimente.
Seit der letzten Woche.
Vielleicht habe ich mich wirklich gut gehalten.
Wie jemand anders gemeint hat.
Vielleicht.
Aber jung bin ich trotzdem nicht mehr…
Vierzig ist ein magisches Alter.
Wenn man jung ist, schiebt man den Tod weit weg.
Aber das funktioniert nicht mehr.
Wenn man die magische Vier am Anfang stehen hat.
Das Altern wird reell.
Trotz aller Investitionen in die Kosmetikindustrie.
In fünf Jahren werden sich graue Haare bei mir einstellen.
Ganz sicher.
Dagegen bin ich machtlos.
Und dann werde ich die Farbauffrischung wirklich brauchen.
Nicht nur der Eitelkeit wegen.
Weil ich keine dunklen Haare haben möchte…
Der Tod gehört zum Leben dazu.
Immer öfter.
Man denkt an ihn.
Nicht mit Begeisterung.
Noch nicht mit Panik.
Aber mit indifferenten Gefühlen…
Der Tod wird kommen.
So unabwendbar wie das Amen im Gebet.
Man wird mit ihm konfrontiert.
Im Bekannten- und Freundeskreis.
Und man weiß genau.
Einmal klopft er auch bei mir…
Oder besser gesagt.
Er tritt einfach ein.
Ungefragt…
Die Endlichkeit des Lebens macht vieles leichter.
Nur selber betroffen schmeckt sie einem nicht besonders.
Der Mensch hängt am Leben.
Und an den materiellen Dingen, die er sich geschaffen hat.
Loslassen können.
Das vermögen die wenigsten.
Geld und Besitz macht uns süchtig.
Ebenso wie Prestige und Ruhm.
Man lässt nicht gerne los.
Dazu kommt die Ungewissheit.
Was wird nachher sein?
Ist alles vorbei?
An Himmel und Hölle mag ich nicht recht glauben.
Aber vorbei ist es sicher nicht.
Das macht den Tod oft nicht leichter.
Und nicht einfacher.
Das Leben schmeckt uns.
Auch wenn es nicht immer gut zu uns ist.
Wie werde ich in zehn Jahren aussehen?
Wie werde ich leben?
Und was werde ich schreiben?
Schreibe ich überhaupt noch?
Was weiß ich schon?
Wirklich wissen will ich es aber nicht.
Vor zehn Jahren hätte mich meine jetzige Realität schockiert.
Eine Liebe war gerade gescheitert.
Aber ich wollte ihn zurückhaben.
Um jeden Preis.
Damals hätte ich ein Leben ohne ihn nicht akzeptiert.
Nicht wahrhaben wollen.
Heute macht es mir nichts mehr aus.
Dass ich ihn nicht mehr sehe.
Vergessen die Tränen…
Es hätte nichts Schlimmeres geben sollen.
In meinem abwechslungsreichen Leben…
Und in den nächsten Jahren?
Es wird sicher nicht immer einfach sein.
Ich weiß, dass kräfteraubende Zeiten kommen werden.
Aber ich bin gereift.
Auch diese Jahre werden vorübergehen.
Und ich werde wieder manches dazulernen.
Und älter werden.
Vielleicht sogar ein wenig weise.
Alter hat nichts Schlimmes, wenn man sein Leben begreift….
© Vivienne
