Den Wind reiten – Gedankensplitter

Ich spüre den Fahrtwind.
Wie er mein Haar durcheinander wirbelt.
Und mein Gesicht streichelt…
Massiert…
Noch einmal durch die Straßen brausen.
Auf einem Motorrad.
Das Blau des Himmels einsaugen.
Und die Sonne spüren.
Fast wie im Sommer.
Der Duft des Raps’ liegt in der Luft.
Ein wenig süß.
Ein Hauch von Frühling.
Und doch ist Herbst.
Vielleicht fahren wir heute das letzte Mal.
In diesem Jahr.
Wann ist sonst schon Frühling.
Ende Oktober.
Wann ist noch Frühling.
In diesem Jahr.
Ich lache dem Licht entgegen.
Winke den Leuten.
Die uns nachstarren.
Ich lache das breiteste Lächeln das ich kenne…

Endlos zieht sich unser Weg dahin.
Ich schließe die Augen.
Und stelle mir vor.
Ich wäre ein Papierdrachen.
Hoch über der Erde.
Fast schwerelos.
Der dem Wind folgt.
Wohin auch immer.
Der höher und höher steigt.
Und keine Barrieren mehr kennt…
Dann erst spüre ich dich wieder.
Deine warme Jacke.
Ich kann dir vertrauen.
Ich kann träumen hier.
Auf dem Sitz hinter dir.
Denn du passt auf.
Du achtest auf den Weg.
Mit dir traue ich mich überall hin…

Wie lange wir hier schon fahren?
Minuten.
Stunden.
Ich weiß nicht.
Aber die Fahrt ist einfach herrlich.
Ich fühle das Leben.
Wie sonst nie.
Und wie unbeschreiblich schön es ist.
Einmal nicht an Morgen denken.
Einmal mich nicht mit all dem beschäftigen.
Das mir nur Sorgenfalten macht.
Und Kummer bereitet.
Abstand zu all dem, das uns alle festhält.
Gefangen in all den Zwängen.
Die wir uns selbst auferlegt haben.
Manche mehr, manche weniger.
Aber wir zwei entfliehen den Alltagssorgen.
Heute.
Hier und jetzt.
Wir reiten in ein anderes Leben.
Wir reiten den Wind…

Vivienne/Gedankensplitter

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