Der erste Eindruck – Gedankensplitter

Ich täusche mich selten.
Bei der ersten Begegnung.
Wenn mein Gefühl negativ ist, trügt es mich nie.
Nein.
Darauf kann ich mich verlassen.
Felsenfest.
Es hat sich immer wieder gezeigt.
Dass ich Recht behielt.
Früher oder später.
Manchmal dauerte es länger.
Bisweilen verdrängte ich auch diesen Eindruck.
Redete mir ein, dass ich mich geirrt hätte.
Aber ich irre mich nie.
Nicht in so einem Fall.
Niemals…

Bei dir war es auch so.
Auch wenn mir das erst später bewusst wurde.
Wir waren uns vor ewig langer Zeit schon einmal begegnet.
Du warst ein Kind.
Ich war ein Teenager.
Wir sahen uns damals zufällig.
Denn unsere Eltern hatten sich einmal gekannt.
Und du wurdest uns vorgestellt.
Ich weiß noch genau.
Du hast mich angeglotzt.
Fast blöde.
Und ein seltsames Gefühl beschlich mich.
Die mag ich nicht.
Vielleicht ging es dir ebenso.
Vielleicht.
Das Leben führte uns erst viel später wieder zusammen.
Und du warst es, die sich gegen mich wandte.
Vergiss das nicht.
Du…

Ich dachte damals nicht an dich.
Dass du aus dieser Familie stammtest, erfuhr ich erst später.
Von dir selber.
Verstehe ich gut.
Ein Ruhmesblatt ist deine Verwandtschaft nicht.
Aber du warst nicht dumm.
Du wusstest, wie du vorwärts kamst.
Opportunistin die du immer warst.
Und vermutlich noch immer bist.
Du hast dir einen reichen Mann geangelt.
Der wohl nichts von deiner „feinen“ Familie ahnt.
Und du hast dir Vorteile verschafft.
Durch mich.
Ich befand im Fadenkreuz einer üblen Geschichte.
Und du hast dich sofort hergegeben.
Du hast mich belogen und ausgehorcht.
Schamlos.
Du hast Freundschaft geheuchelt.
Die Geschichte wuchs dir zweifellos über den Kopf.
Sie sollte längst vorbei sein.
Aber wenn schon alle Menschen damals gegen mich waren.
So war das Schicksal doch auf meiner Seite.
Gott.
Ein gnädiges Geschick.

Auch du bist geflohen.
Als alles aufflog.
Als deine Mentorin vor den Trümmern einer großen Lüge stand.
Der sie selbst aufgesessen war.
Du bist geflohen.
Feig.
Rückgradlos.
Jahre später wolltest du so tun, als wäre nichts gewesen.
Nein.
Nicht mit mir.
Das mit mir war kein Versehen.
Oder einfach sehr dumm gelaufen.
Das war eine Hatz.
Wie sie schlimmer kaum sein könnte.
Unverzeihlich.
Und irgendwann fiel mir dann wieder ein.
Dass wir uns ja schon gekannt hatten.
Und wie ich auf den ersten Blick auf dich reagiert hatte.
Aus meinem Innersten heraus.
Ich hatte mich nicht getäuscht.
Und weißt du.
Leute wie dich brauche ich nicht.
Du bist kein Mensch, dem man sich anvertrauen darf.
Auch wenn du selbst es anders siehst.
Ich bin das lebendige Beispiel für das Gegenteil.

Weißt du was?
Heirate deinen reichen Mann!
Werde eine angesehene Frau!
Und komm dir weiter gut vor.
Mit deiner Engelslarve.
Hinter der es fault und gärt.
Ich kann dir nichts anhängen.
Leider.
Aber das Leben wird dir meine Antwort geben.
Wenn du nicht damit rechnest…

Vivienne

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