Zu spät – Gedankensplitter

Ich sehe dich an.
Dein Lächeln ist unwiderstehlich.
Wie so oft.
Es gab eine Zeit.
Da wurde mir warm davon.
Ganz warm.
In meinem Innersten.
Und ich musste dann oft auch lächeln…
Du kommst auf mich zu.
Irgendwie hektisch.
Du nimmst meine Hand.
Und ich möchte fast zurückweichen.
Früher…
Da wurde mir schwindlig.
Wenn du mir so nah warst.
So nah.
Dass ich deinen Atem auf meiner Haut fühlte.
Früher.
So lange ist es gar nicht her.
Jetzt ist mir seltsam zumute.
Ich sehe dich an.
Du siehst aus wie immer.
So wie ich dich kenne.
Fast schon eine Ewigkeit.
Was bist du nicht gut aussehend!
Man konnte schon ins Schwärmen geraten.
Über dich.
Ich muss mich räuspern.
Und weiche deinem Blick aus.
Ich ertrage deine Nähe nicht.
Sie ist mir unangenehm.

Vor meinen Augen eine andere Szenerie.
Du und ich.
Vor drei Monaten.
Und ich weinte.
Ich konnte nicht mehr aufhören…
Damals hattest du mich nicht so freundlich angeblickt.
Ganz anders.
Jetzt kapier doch endlich.
Ich stehe nicht auf dich.
Überhaupt nicht.
Ja.
Du bist nett.
Aber ganz ehrlich…
Überhaupt nicht mein Typ.
Und hör’ endlich zu flennen auf!
Deine Stimme hatte auch anders geklungen.
Hart.
Kalt.
Verletzend.
Ich kannte sie.
Die Frau, die du wolltest.
Und im Vergleich zu ihr war ich nichts…

Du siehst mich fragend an.
Und ein wenig erstaunt.
Meine Hand hältst du noch immer.
Deine Stimme zittert ein wenig.
Komm schon.
Wir fangen neu an.
Wir holen alles nach.
Und ich habe dich so vermisst…
Liebes.
Du mich doch auch…?
Oder?
Dein Wortschwall bricht ab.
Ich schüttle den Kopf.
Nein.
Du sollst mich nicht in den Arm nehmen.
Ich will es nicht mehr.
Deine Stimme damals klingt wieder in meinen Ohren.
Jedes Wort tut weh…
Ich reiße mich los von dir.
Vergiss das.
Ganz schnell.
Ich liebe dich nicht mehr.
Nein.
Jetzt wäre ich gut genug.
Jetzt.
Weil sie dich abserviert hat.
Es ist zu spät.
Ich will nicht mehr.
Hörst du?
Es ist zu spät.

Vivienne/Gedankensplitter

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