Geh! – Gedankensplitter

Ich kann es kaum glauben.
Als ich die Tür öffne.
Du stehst da.
Du.
Mir fehlen die Worte.
Ich kann nichts sagen.
Erst als du hereingekommen bist.
Und am Esstisch Platz genommen hast…
Ich starre dich an.
Schüttle den Kopf.
Biete dir Kaffee an.
Und Kuchen vom Sonntag.
Was will er?
Es geht mir immer wieder durch den Kopf?
Was will er von mir?
Nach der langen Zeit?
Mein Gott.
Es muss über zwei Jahre her sein…

Du lächelst.
Liebevoll und aufmerksam.
Fast zärtlich…
Ich kenne dieses Lächeln.
Nur zu gut.
Es ist nicht echt…
Die Ouvertüre zu deinen Lügen.
Wie schon immer.
Du sprichst wenig.
Langsam.
Und mit ruhiger Stimme.
Ich muss fast schmunzeln.
Während ich dir zuhöre.
Du bist ganz der Alte!
Du hast dich nicht verändert.
Nicht ein bisschen.
Mit einem Unterschied.
Damals habe ich dir aus der Hand gefressen.
Damals kam ich, wenn du mich gerufen hast.
Devot und unterwürfig.
Damals sehnte ich mich nach dir.
Wenn immer du nicht da warst.
Und heute?
Ich kann mich nur wundern.
Über dich.
Und dass du mich für so dumm hältst…

Ich falle nicht mehr herein auf dich.
Natürlich willst du Geld.
Was auch sonst.
Geld.
Was sonst hätte dich zu mir geführt?
Warum sonst hättest du dich noch auf mich besonnen?
Ich höre dir zu.
Schon eine ganze Weile.
Dann unterbreche ich dich.
Und deine wohl akzentuierte Rede.
Du hast ja wirklich viel Pech gehabt…
Aber das will ich mir nicht länger antun.
Geh!
Ich sage es ruhig.
Und kalt.
Geh!
Bei mir gibt es nichts zuholen.
Gar nichts mehr.
Und du tust mir nicht Leid.
Kein bisschen!
Geh!
Du darfst mir ruhig böse sein.
Und du darfst den Beleidigten spielen.
Geh.
Und lass dich nicht mehr blicken!

Vivienne/Gedankensplitter

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