Was ist aus dir geworden? – Gedankensplitter

Freitagnachmittag.
Und ich stehe am Fenster.
Starre auf die Straße.
Beobachte die Menschen.
Und fange an zu grübeln…
Manchmal.
Wenn ich dich ansehe.
Dann erkenne ich dich nicht wieder.
Kaum.
Du siehst so anders aus.
Irgendwie grob sind deine Züge geworden.
Nichts Sanftes mehr darin zu finden.
Und auch deine Stimme.
Sie klingt tiefer.
Hart.
Irgendwie nicht die Frau, die ich kannte…
Aber nicht nur dein Äußeres hat sich verändert.
Du bist anders.
Ganz anders.
Selbstgerecht.
Und du fühlst dich erhaben.
Erhaben über die Regeln.
Für dich gilt das alles nicht.
Das eine Ordnung aufrecht erhalten soll.
Du hast deine eigenen Gesetze geschaffen.
Und deren Mittelpunkt bist du…

Du meinst nun.
Du kannst tun und lassen was dir gefällt.
Und was zu deinem Vorteil ist.
Ohne Rücksicht.
Ohne Ehrgefühl.
Was ist nur aus dir geworden!
Was!
Ich kann nur den Kopf schütteln.
Über das was du tust.
Mit einer Selbstverständlichkeit.
Wir haben dich längst durchschaut.
Ob du das gemerkt hast?
Ich weiß es nicht.
Aber du wandelst am Abgrund.
Mit verbundenen Augen.
Und du willst dabei auch noch tanzen!
Du wirst fallen.
Irgendwann.
Und niemand kann dich aufhalten…
Ich will es auch längst nicht mehr.
Ich habe dir vertraut.
Du weißt mehr über mich.
Mehr als die meisten.
Und du hast mich verraten.
Vielfach.
Ich verachte dich nur mehr…

Ein Auto fährt an meinem Fenster vorbei.
Hupt laut.
Und reißt mich aus meinem Grübeln…
Dunkel ist es geworden.
Regen.
Und der Wind weht immer stärker.
Bald wird der Sturm kommen…
Nie hätte ich geahnt, dass es so kommt.
Nie.
Und doch musste es wohl sein.
Dass ich dein anderes Gesicht kennen lerne.
Dein ehrliches, hilfsbereites Wesen?
Ich finde es nicht mehr.
Du findest Ausreden für dein Tun.
Rechtfertigungen.
Hast dein Rückgrad gebeugt.
Berechnung treibt dich.
Und Selbstüberschätzung.
Was ist aus dir geworden!
Und doch schlummerte diese Facette tief in dir.
Immer schon.
Jetzt ist sie stark
Jetzt beherrscht sie dich!
Ich mag dich nicht mehr.
Auch wenn ich mit dir rede.
Deine Nähe.
Sie ist mir unangenehm.
Ich möchte dich nicht neben mir haben!
Als würde eine Hand nach mir greifen.
Die mich besudelt…

Vivienne/Gedankensplitter

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