Auf der anderen Seite… – Gedankensplitter

Jedes Ding hat zwei Seiten.
So sagt man.
Jeder Streit.
Jeder Konflikt.
Jedes Thema.
Oder auch mehr.
Objektiv ist niemand.
Auch wenn er es für sich in Anspruch nimmt.
Jeder Standpunkt.
Er spiegelt nur einen Aspekt wieder.
Nicht mehr…

Neulich habe ich sie wieder gesehen.
Wir waren einmal befreundet.
Haben manches miteinander unternommen.
Sie gab sich damals sehr freundlich.
Um nicht zu sagen freundschaftlich.
Und ich hielt sie für ein nettes Mädel.
Auch wenn sie etwas simpel gestrickt schien.
Und mich ihre singende Stimme störte.
Manchmal zumindest.
Was ich nicht ahnte.
Das Mädel horchte mich nur aus.
Eine Zuträgerin.
Eine von der üblen Spezies also.
Auch wenn alles eigentlich für mich passierte.
Zu meinem Gunsten.
Vermeintlich.
Dahinter steckte eine wirklich üble Geschichte.
Das Mädel konnte das nicht wissen.
Klar.
Auch seine Mentorin nicht.
Für die mich die Kleine aushorchte.
Aber ich brach mit ihr.
Als die Sache herauskam.
Mag ja alles gut gemeint gewesen sein…
Ich war angewidert.
Und abgestoßen.
Ich hasse selbstgerechte Leute.
Leute, die sich gut vorkommen.
Wenn sie anderen helfen.
Weil sie ja so edel sind!
Vor lauter Edelmut nicht zu ertragen!

Ich habe sie also wieder gesehen.
Dieses Mädel.
Es hatte sich verändert.
Aber sein rosa Rucksack war noch derselbe.
Ihm muss es wohl ähnlich schwer gefallen sein.
Mich zu erkennen.
Woran mich diese junge Frau wohl erkannt hat?
Es spielt keine Rolle.
Ich mag sie nicht mehr.
Nach wie vor.
Weil sie mich vorverurteilt hat.
Weil sie tat, wie ihr befohlen.
Ohne zu verifizieren.
Ohne nachzudenken.
Blind gehorchend.
Und ihr Schaden wird es wohl nicht gewesen sein!
Ganz bestimmt nicht.
Auch wenn die Sache anders ausging als geplant…
Vorbei.
Die Tür ist zu.
Und es ist mir nicht Leid um sie.
Aber wenn ich nachdenke.
Bin ich nicht wieder in einer ähnlichen Situation?
Einmal mehr?
Ich habe die Tür zugeworfen.
Wieder.
Die Frau dahinter ist für mich abgehakt.
Auch sie war einmal eine Freundin.
Und sie redet von Missverständnissen.
Aber ich fühle mich angeekelt.
Einmal mehr.
Ich traue ihr nicht mehr.
Nicht im Geringsten.
Auch wenn sie es ja nur gut gemeint hat.
Sie beteuert es zumindest immer wieder.
Und sie buhlt um mich.
Trickreich.
Wie vergeblich…

Mag ja sein.
Dass sie es alle nur gut meinen mit mir.
So gut!
Aber wenn ich ehrlich bin!
Es ist nicht mehr auszuhalten.
Wie gut sie es mit mir meinen.
Zwangsbeglückend gut.
Und wie sie versuchen in meinem Leben zu intervenieren.
Mich in mein Glück zu hieven.
Notfalls mit Gewalt.
Denn auf der anderen Seite…
Ich habe genug davon!
Wie soll ich das verständlich machen?
Dass sich niemand mehr einmischen muss!
Dass man mich in Ruhe lassen soll!
Dass sie respektieren mögen.
Wie ich lebe.
Niemand ist dafür verantwortlich.
Nur ich selbst.
Niemand kann mir helfen.
Niemand.
Außer mir selbst..
Und niemand kann mich glücklich machen.
Schon gar nicht mit Gewalt.
Nur ich mich selbst.
Ich trage den Schlüssel zu meinem Leben.
Niemand sonst.
Alles ist einfach.
Wenn die Zeit reif ist.
Denn jeder Mensch ist anders…

Vivienne/Gedankensplitter

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