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17.04.2005, © Vivienne

Beharrlichkeit kommt doch zum Ziel…

„Was hältst du von Juni?“ Alberts Frage riss mich aus einem angenehmen Tagtraum. Musste er schon wieder das Thema auf den Tisch bringen! Verdammt! schoss mir durch den Kopf. Warum wollte mich dieser Mann unbedingt heiraten? Ich seufzte vernehmlich auf. Ali sah mich belustigt an. „Man sollte meinen, wir reden von einer Delogierung oder etwas ähnlich Unangenehmen und nicht von unserem Hochzeitstermin.“ Ich verdrehte die Augen. „Du weißt, dass sich für mich nichts ändern muss. Es ist okay so wie es ist.“

Albert ging zu mir und nahm mich in den Arm. „Du hast es mir nie leicht gemacht, seit wir uns kennen, was?“ Ich lehnte mich an ihn und ließ kurz unsere Beziehung vorüber ziehen. Es hatte wohl eine Weile gedauert, bis wir uns gefunden hatten, sicher, aber ab dem Zeitpunkt hatte es keine gröbere Krise zwischen uns gegeben. Gott sei Dank! Ich wusste gar nicht, worauf Albert da wieder hinaus wollte. Albert nahm meine Hand und sah mich feierlich an. „…du hast meinen Heiratsantrag vor einem halben Jahr angenommen, erinnerst du dich? Du kommst mir nicht mehr aus!“ Unvermittelt musste ich kichern. Ich erinnerte mich plötzlich an eine Schulkollegin, Anna, die auch mit Beharrlichkeit und Zähigkeit erreicht hatte, dass sich ihre Jugendliebe Daniel doch noch für sie entschied. Jetzt waren die beiden schon Jahre verheiratet und hatten außerdem einen Sohn…

Albert zog die Augenbrauen hoch. Seine markanten Brauen wirkten dann immer wie das Gehörn eines Steinbocks. „Warum lachst du? Was ist so komisch?“ „Nichts!“ Ich versuchte ihn zu beschwichtigen. „Ich musste nur eben an jemanden denken. Vielleicht erinnerst du dich an sie, durch meine Schulfotos. Anna Kirchler. Ihr Vater war ein Arbeitskollege von meinem, ein Pendler halt in einem der großen Betriebe in Linz. Und Anna wurde zehn Tage nach mir geboren.“ Albert zog mich sanft am Ohrläppchen. „Was erzählst du mir da wieder für einen Unfug?“ rügte er mich zärtlich. „Was haben mir mit deiner Schulkollegin zu tun?“ „Au!“ protestierte ich heftig wie unnötig. „So lass dir doch erzählen, und lass außerdem mein Ohr los.“ Albert gehorchte widerspruchslos. „Ich höre?“

„Also, Anna war immer schon in einen Schulkollegen von uns verliebt gewesen. Daniel Hochmair.  Er wohnte  nur ein paar Häuser von ihr entfernt und die halbe Siedlung hat gewusst, dass sie schon mit vierzehn für ihn schwärmte. Was ihn aber lange relativ kalt gelassen hat. Er besuchte nach der Pflichtschule die HTL, während Anna eine Bürolehre absolvierte. Daniel zog mit dem einen oder anderen Mädel herum und sogar Anna hatte einige Zeit einen anderen Freund. Allerdings nicht sehr lange.“ Albert schmunzelte leise und war ganz Ohr. Von seiner Mutter habe ich zufällig einmal erfahren, dass er immer ganz fasziniert ist von meinen Geschichten, aber mir hat er davon noch nie etwas erzählt. Typisch Mann! Aber dann konzentrierte ich mich wieder auf diese Episode.

„Und weißt du, irgendwann sind sie sich dann halt wieder über den Weg gelaufen. Anfangs sind sie wirklich noch freundschaftlich miteinander fort gegangen, und langsam aber sicher hat dann Anna ihr altes Ziel wieder ins Auge gefasst. Es ging wie eine Sensationsmeldung durch die Siedlung, als die beiden doch noch zusammengekommen sind. Das ist mittlerweile über zehn Jahren her. Und vor sieben oder acht Jahren haben die beiden dann geheiratet. Der kleine Sohn ist ein Jahr später geboren worden.“ Ich grinste Albert leicht boshaft an. „… sie hat es also doch noch geschafft, Daniel herumzukriegen, mit Beharrlichkeit, Ausdauer und viel Geduld. Und du bist genau wie sie!“

Albert begann laut zu lachen. „Du bist furchtbar, weiß du das? Es strengt unheimlich an, dauernd durch deine Geschichten widerlegt zu werden. Du bist…“ Alberts Gesicht bekam einen schelmischen Ausdruck. „…du bist fast wie eine alte Frau. Mit deinen Geschichten, die du da irgendwo aus deinem Fundus holst, möchte man annehmen, du bist schon hundert Jahre alt. Nein, sogar noch viel älter!“ Baff starrte ich Albert an. So boshaft verhielt er sich in der Tat nur selten. „Na dann viel Vergnügen im Bett!“ konterte ich schließlich. „Ich werde nämlich meinen Keuschheitsgürtel tragen…!“ Albert lachte etwas verlegen. „Hey, nimm das nicht so persönlich. Und wenn du dich nicht schon ewig so zieren würdest vor unserem Hochzeitstermin, müsste ich nicht dauernd wieder diesen Punkt zum Tagesthema machen. Wir wären nämlich längst verheiratet.“

Ich sah Albert mit noch immer verschränkten Armen an. Machte ich es ihm wirklich schwieriger als nötig? War es wirklich so eine Katastrophe nach bald vier gemeinsamen Jahren einmal eine wohl gemerkt funktionierende Beziehung zu – wie sagt man? – legalisieren? Oder hatte ich etwa doch ein Problem damit einen Trauring zu tragen? „In Ordnung!“ lenkte ich ein. „…aber nur standesamtlich. Wann schlägst du vor?“ Albert griff sofort nach dem Terminkalender. „Ich dachte da an die dritte Juniwoche…“ Ich hörte ihm gar nicht mehr richtig zu. Beharrlich war er, mein Albert, auf dem Gebiet zumindest liefen er und Anna fast synchron…

Vivienne
 

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