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01.09.2005, © Vivienne
Die Arzthilfe
Der Rossecker hat schon wieder ein Gspusi! Diesmal mit der neuen Einkäuferin. berichtet mir Albert beim Abendessen heftig kauend über das Liebesleben seines Chefs. natürlich ist die Neumeier deswegen stinksauer und außerdem seit gestern im Krankenstand! Ich grinste vergnügt. Das klang ja vielversprechend. Womöglich wurde dieser Frau, die vor Jahren auch einmal meine Chefin gewesen war, sogar noch eine Vorgesetzte vor die Nase gesetzt. Immerhin war doch Frau Neumeier selber, leger formuliert, über die Horizontale und das gemeinsame Kind zu ihrer Position gekommen, es wäre also nur ausgleichende Gerechtigkeit gewesen . Witzig! begann ich laut zu denken. Wie oft es doch zu Liebe am Arbeitsplatz kommt. Scheint immer moderner zu werden!
Albert lachte. Nur die liebe Vivienne wehrt sich erfolgreich dagegen! Man muss ihr nämlich im Gegenteil jahrelang nachlaufen, bevor sie endlich nachgibt! Ich setzte mich zu ihm. Die Zeit war nicht reif, mein Lieber. Aber wie gesagt: du konntest mir gar nicht entkommen! Mein Mann nahm einen Schluck vom Mineralwasser. Was du für ein Glück hattest Aber weißt du, wen ich heute Mittag in der Trafik gesehen habe? Ich schüttelte den Kopf. Woher soll ich das wissen? Die frühere Ordinationshilfe meines Hausarztes. Genau genommen, ist er mein Arzt gewesen. Ich habe schon vor einiger Zeit gewechselt. Und daran war die Ordinationshilfe nicht ganz unschuldig! Wirklich? Wenn mir auch nicht ganz klar war, in welchem Zusammenhang mir mein Albert das erzählte, bemühte ich mich doch, aufmerksam zuzuhorchen.
Albert schob den Teller von sich. Diese Arzthilfe hatte auch ein Gspusi mit ihrem Boss, meinem Hausarzt. Eine blonde Person, mittelgroß, gertenschlank und mit zentimeterdicker Schminke im Gesicht. Unglaublich arrogant. Wenn ein Patient, der ihr nicht zu Gesicht stand, bei ihr einen Termin wollte der wurde behandelt wie ein Bettler! Die meisten Leute ignorierte sie überhaupt, als wäre sie eine Majestät, was war sie nicht edel und erhaben! Und sie konnte sich diese unsägliche Art sogar leisten, weil sie Rückendeckung durch ihren Liebhaber, meinen Hausarzt hatte! Ali hatte sich eine Zigarette angezündet und inhalierte gierig den Rauch. Ein Verhältnis? Und was sagte seine Frau dazu? Ich verstand nun, worauf Ali hinauswollte. Auf jedem Arbeitsplatz konnte sich eine Beziehung entwickeln, gleich welcher Art.
Es dauerte eine gewisse Zeit, bis sie dahinter kam! Albert wirkte konzentriert, während er sich erinnerte. Ich denke, eine Patientin hat es ihr erzählt. Frau Doktor war ja selber auch als Ordinationshilfe tätig. Aber eben nur vormittags, wenn die Kinder in der Schule waren. Nachmittags hatte eben das blonde Gift die Fäden in der Hand, und in der Zeit wurden eben nicht nur kranke Leute behandelt sondern es wurde auch gevögelt. Zumindest bis kurz bevor die Patienten in die Sprechstunde kamen Ali zuckte die Achseln. Es war klar, dass das irgendwann auffliegen musste. Aber die beiden ließen sich auch später nicht daran hindern, obwohl der Arzt dadurch in eine handfeste Ehekrise schlitterte. Seine Frau wollte sich scheiden lassen und weigerte sich, mit dem Flittchen, wie sie sagte, zu kooperieren.
Ich nickte und lauschte gespannt. Und? Was ist dann passiert? Ali sog wieder an seine Zigarette. Ich weiß es nicht genau. Damals war ich schon bei einem anderen Arzt. Aber was ich so gehört habe: die Blonde musste schließlich doch gehen. Und sie warf danach ihrer Rivalin alles Mögliche vor, natürlich hinterrücks und falsch, wie es eben ihrem Charakter entsprach: Dass er nur wegen der Kinder bei seiner Frau geblieben wäre, dass sie, die Ehefrau, frigide und kalt wäre und auch, dass der Arzt nur mit ihr, der Ordinationshilfe glücklich gewesen wäre, und, und, und. Du kennst das ja hinlänglich, das muss ich im Detail nicht ausführen, oder? Ali zwinkerte mir zu. Diese Sorte Weiber sind ja alle gleich, drängen sich in eine Beziehung und auch wenn in jedem Fall zwei zum Ehebruch gehören: das ist keine Art!
Ich schmunzelte. du hattest den Arzt schon gewechselt? Wieso eigentlich? Albert schnauft kurz durch die Nase. Weil dieses Luder nicht nur arrogant war, sondern auch dem fatalen Hang frönte, Patientengeschichten, unter der Hand natürlich, auszuplaudern. So ist es passiert, dass ein Freund von mir, der sich unüberlegt bei einem Abenteuer mit einer Prostituierten mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hatte, plötzlich in unserem Viertel völlig bloßgestellt war. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und weil das bei weitem nicht die einzige Geschichte war, die die Runde gemacht hatte, war bei mir das Maß voll. Das wäre eine Arztfrau geworden schloss Ali. Mir graut schon bei der Vorstellung daran!
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