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22.05.2005, © Vivienne
Sind wir Europäer?
Wir sind Teil eines geeinten Europas.
Geeint durch eine gleiche Währung.
Und durch eine gemeinsame Gesetzgebung.
1995 kamen wir zur EU.
Vermeintlich in eine Union, in der Milch und Honig fließen sollte.
Welch ein Trugschluss!
Teurer ist alles geworden.
Komplizierter.
Als braver Nettozahler hat Österreich keine Vorteile in der EU.
Aber viele andere profitieren dadurch von uns.
Und haben das Sagen
Wir dürfen nur zustimmen.
In den letzten Tagen wurde viel darüber gesprochen.
Der Beitritt in den Himmel gelobt.
Wir sind Europäer!
Und ich kann nur den Kopf schütteln.
Fühl ich mich als Europäerin?
Ehrlich gesagt nein.
Nicht im Geringsten.
Der Österreichbezug überwiegt bei mir bei weitem.
Und wenn ich ins Detail gehe.
Dann bin ich Mühlviertlerin.
Und in weiterer Folge Linzerin.
Bewohnerin jener Stadt, die in näherer Zukunft auch wohnlich mein Zuhause sein wird.
Das ist meine engere Heimat.
Da gehöre ich hin.
Aber Europäerin?
Welch ein indifferenter Begriff!
Natürlich gehören wir der EU an.
Dem Kontinent Europa.
Aber bin ich deswegen unbedingt eine Europäerin?
Vorrangig?
Sehen wir uns das doch an:
Europa und EU.
Mit Parlament in Brüssel.
Ein Wasserkopf.
Unsere Repräsentanten verdienen sich dumm und dämlich.
Gesetze.
Über unseren Kopf beschlossen.
Und sehr oft zu unserem Nachteil.
Man denke an die Bauern.
Oder an den Transit.
Eigentlich sehe ich schon sehr lange mehr Nachteile.
Seit dem Beitritt.
Vorteile halten sich in Grenzen.
Ich möchte fast sagen:
Sie sind marginal.
Wenn es eine Volksabstimmung gäbe:
Wieder raus der EU?
Ich wäre sofort dabei.
Die Schweiz hat uns vorexerziert.
Man lebt auch sehr gut ohne EU.
Durch Sonderverträge.
Und man ist weniger eingeschränkt.
Man wird beachtet.
Zwangsläufig.
Weil man sich nicht bequem schlucken lässt.
Politiker haben uns vor zehn Jahren in die EU geschickt.
Politiker von denen heute fast niemand mehr redet.
Das Blaue wurde uns vom Himmel versprochen.
Eine zerplatzte Seifenblase.
Eine schöne Illusion.
Uns Österreichern ist wenig geblieben davon.
Außer einer Mitgliedschaft, deren Ende nicht absehbar ist.
Leider.
Unsere Volksvertreter sorgen schon dafür.
Aber trotzdem bin ich keine Europäerin.
Und werde auch nie eine sein.
Im Sinne einer Zusammengehörigkeit in einem geeinten Europa.
Denn diese Zusammengehörigkeit existiert nur auf dem Papier.
Zwangsweise.
Oktruiert.
Es sollte mich wundern, wenn diese Bindung länger hält.
Bis dahin beleibe ich Mühlviertlerin.
Und Linzerin.
Von Herzen.
Und aus Überzeugung.
Denn dort gehör ich hin.
Da bin ich daheim.
Damit kann ich mich identifizieren.
Und mit sonst nichts.
Lilly
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