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26.06.2005, © Vivienne
Über Leute, die es gut meinen
In meinem Leben hatte ich immer wieder mit Leuten zu tun.
Leuten, die es gut mit mir meinten.
Scheinbar.
Oft machte ich die Erfahrung:
Sie meinten es vorrangig gut mit sich selber.
In dem sie mir ihr Wohlwollen vermittelten.
Sei es, um ein schlechtes Gewissen zu beruhigen.
Oder aber aus durchaus handfesten Gründen.
Eine so genannte Freundin wollte mich mit ihrem Bruder verkuppeln.
Vor Jahren.
Er hatte einen Bauernhof zu bewirtschaften.
Seine andere Freundin war ihm davongelaufen.
Nach über vier Jahren.
Weil sie realisiert hatte:
Das ist kein Leben für mich.
Kein Sonn- oder Feiertag.
Kein Urlaub.
Oder nur alle paar Jahre.
Dafür muss man wohl geboren sein.
Ich bin es auch nicht.
Und das sagte ich dieser Freundin.
Die Enttäuschung war groß.
Vor allem weil sie mich nicht bei der Hand hatte.
Als Französisch-Nachhilfe für ihre Große im Gymnasium.
Zwei Fliegen scheinbar mit einer Klappe.
Und sie wäre mir ihren Bruder vergönnt gewesen.
Diesen feschen, blonden Burschen.
Was mich aber nicht zu Tränen rührte
Sie sehen, was ich meine?
Selbstlos wirkende Menschen können oft sehr berechnend sein.
Um nicht zu sagen:
Schlichtweg egoistisch.
Und ziemlich falsch.
Womit sie bei mir aber nun an der falschen Adresse sind.
Dieser Weg liegt mir nicht.
Darum schlage ich ihn selber nicht ein.
Und ich bin auch sehr misstrauisch geworden.
Durch solche Erfahrungen.
Ab und an sollte ich schon verkuppelt werden.
Im Verlauf der letzten zehn Jahre.
Nicht nur durch diese Freundin.
Es hat nie funktioniert.
Wenn ich nicht will, dann will ich nicht.
Auch wenn es über die Hintertür versucht wird.
Im Grunde nur zwanghaftes Zusammenführen.
Und ich brauche keinen sanften Schubser.
Auch heute verwehre ich mich noch dagegen.
Ich bin davon überzeugt:
Ein Mann, dem ehrlich etwas an mir liegt.
Der findet auch den Mut, über seine Gefühle zu sprechen.
Mit mir.
Ohne Einbeziehung Dritter.
Der direkte Weg ist der beste.
Im Normalfall immer.
Besonders aber in der Liebe.
Aber nicht nur in der Liebe gerät man oft an wohlwollende Leute.
Auch Kollegen können ein markantes Bedürfnis dieser Art zur Schau stellen.
Oder Bekannte.
Man weint sich einmal aus bei ihnen.
Oder spricht offen über seine Probleme.
Der liebe Kollege hört aufmerksam zu.
Spendet Trost.
Und öffnet sich selbst.
Wenn man Pech hat in Folge zu oft.
Plötzlich ist man selber der, der immer zuhört.
Gut zuredet.
Aufbaut.
Und wird zum Mistkübel degradiert.
Ohne dass man es gleich realisiert.
Bis zum Anruf mitten in der Nacht.
Der liebe Mensch muss sich ja über seinen Partner auslassen.
Und zwar sofort.
Und begonnen hat es alles damit, dass man selber ein wenig Luft abließ
Natürlich muss nicht jeder Kontakt im Leben derart entgleisen.
Und nicht jeder Freund sucht nur seinen Vorteil.
Wenn er für einen da ist.
Oder Gefühle zeigt.
Aber ein wenig aufpassen schadet bisweilen nicht.
Diese Leute meinen es ja nicht wirklich böse.
Oder nur selten.
Ab und an entgleiten ihnen halt die Zügel.
Aber eines hilft ganz sicher:
Nur zu tun, was man selber will.
Und nicht vor lauter Freundschaft weich werden.
Sich nicht aus Gefälligkeit in etwas drängen lassen
Das ein großer Nachteil werden könnte.
Von Leuten nämlich, die immer nett und lieb waren.
Und so hilfsbereit.
Und die man einfach gern hat.
Vorsicht kann einen vor Ärger bewahren
Und Grenzen setzen.
Vorzeitig.
Vivienne
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