Das Frauenbild der ÖVP – Kritisch betrachtet

Am letzten Wochenende machte ein Video der ÖVP-Frauen auf Youtube die Runde und sorgte in unserem Land für Aufregung: http://www.youtube.com/watch?v=SsToNyBMFvc . Ja, so sind die ÖVP-Frauen – emanzipiert ohne Emanzen zu sein. Selten so gelacht, oder besser gesagt, dieses Frauenbild ist mir ein paar Mal im Hals stecken geblieben. Wenn gleich die Szene, in der die Protagonistin des vermeintlichen Werbefilmchens ihrem Göttergatten die Füße massiert, schon was Drolliges an sich hatte. Es freut mich aufrichtig, dass die ÖVP-Damen bei der Wahl ihrer Unterwäsche nicht auf schwarz beschränkt sind… Zweifellos lassen sich das viele Männer gefallen, wenn sie von der Arbeit heimkommen und die Frau nach dem Haushalt und der Versorgung des Kindes noch Zeit hat, ihnen die Füße (oder welche Körperteile auch immer…) zu massieren. Eklatant wie übel stößt einem da aber auf, dass die Frau während der Länge des Filmchens immer nur für andere da ist – und nie für sich selbst. Sieht man einmal davon ab, wie sie sich nach der Massage noch aufmacht zum Joggen – wohl um die Traumfigur zu halten.

Nach diesem Werbefilm hat man schon recht interessante Eindrücke vom Frauenbild der ÖVP gewonnen. Die aufrechte Ehefrau steht morgens früher auf als alle anderen, kümmert sich um Frühstück, Mann und Familie, geht in der Arbeit auf, um danach daheim alles in Schuss zu halten und als letzte dann ins Bett zu kommen. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich in meinem Leben immer versäumt habe – oder besser gesagt, was mir Gott sei Dank erspart geblieben ist. Denn so wie eine aufrechte ÖVP-Frau möchte ich ganz bestimmt nicht leben. Ich meine schon, dass es im Leben einer Frau abgesehen von der Joggingrunde am Abend wohl noch mehr Freiräume geben sollte. Irgendwie, auch wenn die Protagonistin topp gestylt ist, zeichnet sich da das Bild einer „dienenden“ Frau, und das geht wohl nicht nur mir gegen den Strich. Sollten wir nicht weit davon entfernt sein, dass eine Frau den Haushalt alleine schupft und sich als einzige um die Familie kümmert?

Offenbar nicht, und so weit kann wohl die ÖVP dieses ihr eigenes Frauenbild nicht zurückweisen, das in jenem „internen“ Video zur Schau gestellt wird. Eine moderne ÖVP: entweder sie geht völlig im Job auf (wie die besagte Rechtsanwältin) und verzichtet auf eine eigene Familie. Oder sie findet ihr Glück im Versorgen von Mann und Kind und der Job bringt zwar Bestätigung und eigenes Geld, sollte aber nie im Vordergrund stehen. Nicht wahr? Einmal abgesehen davon dass in den anderen Parteien fraglos auch nicht immer ein Frauenbild gelebt wird, das völlig zufriedenstellt – gerade in der SPÖ wird es sicher absehbar keine Frau in einer wirklichen Führungsposition geben. Man denke an Deutschland und die konservative Merkel als Kanzlerin im krassen Gegensatz zu Schröder, für mich der Chauvi par excellence. Nein, die Linken haben sicher gerade in dem Bereich keinen wirklichen Beweis von alten Mustern abgekehrt zu sein – das weiß ich als grundsätzlich überzeugte SPÖlerin am allerbesten. Aber die ÖVP hat mit jenem Video wieder einmal ganz deutlich hervor gestrichen, was ich persönlich nie sein möchte: eine aufopferungsbereite Frau, die vorrangig für die anderen da ist.

Abgesehen davon wird das wohl jede Frau anders sehen, die sich das Video zu Gemüte geführt hat. Und nicht zu wenige werden sich mit dem Film sogar identifizieren können – mehr oder weniger. Und wenn es so ist, dann sollen sie auch durchaus glücklich in dieser Rolle werden, die im Wesentlichen von Wertvorstellungen und vielleicht auch sehr massiv von religiöser Überzeugung geprägt ist. Man kann einem Menschen nichts schmackhaft machen, was wider die eigene Natur ist, auch wenn so ein Leben nicht immer ganz einfach ist. Vor allen Dingen bleibt man als Mensch und als Frau irgendwie auf der Strecke, meine ich. Ich selber genieße es etwa am Wochenende lange liegen zu bleiben und den Tag, einmal abgesehen von ein paar Fixpunkten, spontan zu leben: Flohmarkt am Samstagvormittag etwa oder eine interessante Ausstellung. Für Haushalt und Einkäufe muss wohl Zeit bleiben, aber auch in dem Ausmaß, wie ich es selber für richtig halte. Es ist herrlich, spontan einen Tag Urlaub zu nehmen und die erwachende Natur zu genießen wie ich es kürzlich erst getan habe.

Fraglos braucht aber manche Frau einfach den Stress und intensiv das Gefühl, „gebraucht“ zu werden. Vielleicht definiert sie sich auch darüber, aber das muss jede Frau selber wissen und entscheiden. Das muss einer Frau bewusst sein, wenn sie sagt, sie möchte heiraten, ein Haus und Kinder und irgendwann wieder halbtags arbeiten gehen. Das funktioniert durchaus – mit einem Partner, der daheim nicht nur passiv agiert und – sich vorrangig massieren lässt. Man mag mich als bedauernswert ansehen, die ich so gar nicht in diesem typischen Frauenbild aufgehen möchte – weil das nicht ich bin. Und so wie man einen technisch Interessierten nicht zum Friseur machen kann, werde ich nie eine passable Hausfrau sein. Und diese Frauenrolle als alleinige auch immer kritisch hinterfragen…

Vivienne

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