Der direkte Weg – Gedankensplitter

Meine Katze.
Sie liegt auf der Couch.
Eingerollt.
Ihre Flanken heben sich.
Und senken sich.
Und manchmal zuckt ihre Schwanzspitze.
Im Schlaf…
Die Sonne geht unter.
Es ist kühl geworden.
Der Herbst lässt grüßen.
Ich trinke meinen Kaffee aus.
Ich starre auf den blassblauen Himmel.
Der noch Sommer spielen möchte.
Aber er ist durchschaut.
Der Sommer hat sich verabschiedet.
Der Herbst wird die Szenerie betreten.
In bunten Kleidern.
In prächtigen Farben.
Er wird uns die Zeit versüßen.
Bis der Winter erscheint…

Manchmal beutelt es mich durch.
Die Seele weint.
Während ich versuche so zu tun wie immer.
Mein Tagwerk verrichte.
Und mich doch am liebten verkriechen möchte…
Ich verstehe oft nicht.
Warum dieses und jenes passiert.
Warum man sich an meiner Direktheit stößt.
Vielleicht wirkt sie kalt.
Bisweilen.
Oder sogar verletzend.
Aber nur Diplomatie.
Nur mit glatten, gefälligen Worten…
Das liegt mir nicht.
Ich weiß schon.
Man muss einen Mittelweg finden.
Aber ich rede nicht gern um den Brei herum.
Ich heuchle auch nicht gern.
Und ich gehe gerne.
Den direkten Weg.
Ich sage was ich denke.
Oft.
Ich verstelle mich nicht gern.
Weil es nicht mein Ding ist.
Aber was soll ich sagen?
Im Trend liegt das nicht.
Ist es noch nie gewesen.
Wer die Wahrheit sagt.
Ist vorlaut.
Nur ein Narr darf die Wahrheit sagen.
Nur ein Narr kann das wagen.
Ohne Tricks.
Ohne Ränke.
Ohne viel Diplomatie…
Vielleicht bin ich ja ein Narr!

Meine Katze bewegt sich im Schlaf.
Streckt ihre Pfoten von sich.
Sie ist noch so jung.
Voller Lebensfreude.
Bald wird sie wieder herumsausen.
Bei mir.
Und Schabernack treiben.
Ich lächle.
Müde.
Wehmütig.
Ja, vielleicht bin ich ein Narr.
Ein Narr zu hoffen.
Das man so ehrlich auf mich zukommt.
Und so offen.
Wie ich zu den meisten anderen.
Ich werde es wohl nie lernen.
Dass man nicht sagt.
Was man denkt.
Dass man seine Ziele auf Umwegen erreicht.
Und nicht geradlinig.
Warum auch nicht?
Nur ich bin zu dumm dafür…

Vivienne/Gedankensplitter

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