Der Streber – Gedankensplitter

Ich glaub’ ein Streber hat’s nicht leicht,
auch wenn er zweifelsfrei sehr viel erreicht.
Auch wenn der Lehrer stets zufrieden –
in der Klasse wird er jedoch gemieden…

Der Streber kennt sich immer aus.
Doch die Kollegen steh’n nicht drauf.
Er strebt, schleimt sich beim Lehrer ein,
denn der soll ja begeistert sein!

Und wie kein and’rer lernt er drum,
wirft keinen guten Vorsatz um.
In jedes Buch vergräbt er sich,
drum weiß er alles – und besticht!

Und Freunde kriegt ein Streber nicht,
denn lernen – das gehört sich nicht!
Für rechte Schüler liegt das Ziel
ja nicht zu hoch: Tu nicht zu viel!

Komm nur grad durch, mehr brauchst du nicht!
Des Lehrers Achtung suchst du nicht!
Zeig’ nur so gut’s geht Langeweile!
Den Lehrer ärgert’s manche Weile,

und die Kollegen lieben dich dafür!
Dem Streber fehlt jedoch das rechte G’spür!
Buhlt um des Lehrers Gunst er doch!
Die Anerkennung hält ihn hoch!

Sie führt ihn durch die Einsamkeit –
Er lebt als echter Klassenfeind!
Ausgelacht, verspottet nur!
Welch eine traurige Figur!

Und dennoch lernt er eifrig weiter.
Der Lehrer lobt ihn, aber leider:
Klassenbester stet’s zu sein
kann ihn nun mal allein nicht freu’n…

Bisweilen täten Freunde gut!
Des Lehrers Lob macht ihm zwar Mut
und spornt zu neuen Taten an!
Doch was fängt man mit dem Leben an,

das zwar mit Einsen stets gespickt,
doch sonst ist man nicht recht entzückt,
wie von den an’dern man gemieden,
die lieber ihren Durchschnitt lieben?

Der Streber bleibt daher allein,
mag ein Genie vielleicht er sein,
und irgendwann berühmt auch werden!
Bisweilen könnt’ Gott ihn erhören

und ihm den Ehrgeiz etwas streichen,
auf dass die bösen Worte weichen,
die die Kollegen ihm oft schenken!
Bisweilen mag er so was denken!

Durch setzt sich jedoch das Wesen,
das jeden Streber macht belesen,
das ihn zum Stubenhocken treibt,
weil Gott die Klugheit nicht verzeiht!

Vivienne/Gedankensplitter

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