Es lässt mich staunen, wie viel Zeit man oft benötigt.
Um die Wahrheit zu erkennen.
Die doch die ganze Zeit so offensichtlich ist.
Ich kann es kaum fassen, wie lange es dauerte, bis ich begriff.
Du liebst mich nicht.
Du hast mich nie geliebt.
Oder begehrt.
Du warst nur nett.
Aber unverbindlich.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Vielleicht hättest du mit mir geschlafen.
Wenn ich es darauf ankommen hätte lassen.
Vielleicht.
Aber ich bin altmodisch.
Ich möchte, dass mir ein Mann vorher sein Herz zu Füßen legt.
Mir seine Liebe gesteht.
Aber so weit bist du nicht gegangen.
Doch nicht.
Und darum blieb es dabei, dass ich dich liebte…
Ohne Aussicht auf Erfüllung.
Was ich lange nicht ahnte.
Ich klammerte mich an jeden Strohhalm, den ich fand.
Hörte auf alle, die mir Mut machten.
Mir gut zuredeten.
Und eine Hoffnung schürten.
Die letztlich versandet ist…
Ich weiß nicht, wann ich es wirklich begriffen habe.
Es tat weh.
Sehr weh.
Kein einziger, furchtbarer Schmerz.
Der dann verebbt.
Nein.
Ein Dauerschmerz.
Der nicht enden wollte…
Ich dachte, ich müsste daran zugrunde gehen.
Und dir wäre es egal gewesen.
Ganz sicher.
Das betraf dich nicht.
Aber mich hielt nichts mehr am Leben.
Gar nichts mehr.
So wenig fehlte nur…
Und ich hätte es weg geworfen.
Ich kann nicht mehr sagen, was mich doch hinderte.
Feigheit?
Kraftlosigkeit?
Mag sein.
Alles beide.
Was wusstest du schon davon!
Aber der Schmerz verschwand schließlich doch.
Kaum merklich.
Irgendwann war er verebbt.
Zumindest fast.
Und damit ging auch die Hoffnung endgültig.
Und meine Liebe zu dir verließ mich mit ihr…
Und heute?
Wir nennen uns Freunde.
So wie immer.
Und sind es doch nicht.
Nicht mehr.
Waren wir es je?
Eigentlich möchte ich dich gar nicht mehr küssen.
Nein.
Etwas sträubt sich in mir.
Du bist so anders.
Oder sehe ich das erst jetzt:
Du hast nie zu mir gepasst.
Du hast mich einmal angesprochen.
Mit deiner Art.
Und ich verlief mich in dir.
An eine Wand…
Wir sind uns heute fremd.
Ich weiß nicht, ob du es merkst.
Und was du heute empfindest, wenn wir uns sehen.
Ich fühle mich seltsam neben dir.
Ich weiß nicht, warum.
Vielleicht spüre ich die Maske, die du trägst.
Von der ich früher nichts ahnte.
Es ist nicht mehr dasselbe.
Wie damals.
Nicht für mich.
Ich weiß nicht, warum ich traurig bin.
Aber ich kann nicht mehr weinen darüber.
Dass du bist, wie du bist.
Und dass du mich nicht liebst…
Vivienne/Gedankensplitter