Ich will nicht mehr – Gedankensplitter

Ich will nicht mehr

Es geht nicht mehr weiter.
Gehetzt.
Wie ein wildes Tier.
Ich blicke in den Abgrund.
Und ich weiß.
Ich werde springen.
Gleich.
Eine Minute noch.
In der mir alles durch den Kopf geht…
Nicht mein Leben.
Aber die letzten Monate…
Ich will nicht  mehr.
Ich will nicht mehr kämpfen.
Kämpfen darum, das machen zu dürfen.
Das ich machen möchte.
Das kannst du nicht!
Das wirst du nicht tun.
Dafür gibt es andere!
Am unerträglichsten.
Die Besserwisser.
Die mit gutem Rat nicht sparen.
Alles so genau kennen.
Für jedes Problem eine Lösung finden.
Egal.
Ob sie passt für mich oder nicht.
Darum geht es doch.
Ich soll das gut finden.
Für mich.
Das andere gut finden.
Für mich.
Und das ertrage ich nicht mehr…

Kopfschmerzen.
Unerträglich.
Jeder trampelt auf meinen Nerven herum.
Und manchmal trinke ich.
Heimlich.
Kein Mensch weiß es.
Niemand ahnt davon.
Aber bisweilen flüchte ich in künstliche Träume…
Trinken.
Nicht mehr daran denken.
Nicht an Vorwürfe.
Nicht an Belehrungen.
Nicht an ach so gute Ratschläge…
An Ratschläge, die ich nicht mehr hören kann.
Ich liege im Bett.
Mit einer Flasche Fusel.
Und töte die Angst in mir.
Zumindest solange der Rausch anhält…

Männer?
Ich brauche keine.
Keine, deren Erwartungshaltungen ich erfüllen muss.
Ich will nicht mehr lieben.
Denn kein Mann ist gut zu mir.
Keiner.
Dem einen geht es nur um Sex.
Und dazu will er mich schon am ersten Abend drängen…
Der andere hält mich auf Distanz.
Und will es sich überlegen.
Wenn ich brav bin…
Ich habe genug.
Ich will nicht mehr überlegen.
Was mache ich falsch?
Was muss ich tun?
Und was will ich eigentlich?
Das Fenster quietscht in den Angeln.
Richtig.
Ich wollte springen.
Und wenn ich ehrlich bin.
Mir ist kalt geworden.
Ich sollte nicht mehr warten…
Wozu nachdenken?
Wozu mich selbst quälen?
Ich klettere auf das Fensterbrett.
Es geht so leicht.
Und ich sehe die Straße.
Gleich bin ich unten.
Es wird ganz schnell gehen…

Vivienne/Gedankensplitter

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